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Hier erhalten eingelieferte Schwerverletzte und akut Erkrankte eine Erstdiagnose, damit die Behandlung schnellstmöglich eingeleitet werden kann. Für die Erstdiagnose steht u.a. ein Schockraum zur Verfügung sowie eine „Chest Pain Unit“ zur Überwachung von Patienten mit unklaren Brustschmerzen. 

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Skulptur

Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie

Krankheitsbilder, die wir behandeln

Psychosomatische Leiden gehen mit den verschiedensten Symptomen und Nöten einher: Scheinbar unerklärliche, aber doch quälende körperliche Symptome können mit depressiven Verstimmungen und Ängsten unterschiedlichster Form kombiniert sein. Körper und Seele beeinflussen sich dabei wechselseitig. Nicht selten entsteht daraus ein Teufelskreis, an dessen Ende oft eine schwere Belastung der Patienten und ihrer Angehörigen steht.

Patienten mit den nachfolgenden Krankheitsbildern bzw. Diagnosen behandeln wir in unserer Klinik.
 

Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Marienhospital Stuttgart
Böheimstraße 37
70199 Stuttgart
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Tanja Lukauer/Cindy Mohry

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Krankheitsbilder im Detail

Somatoforme Störungen

Wieder eine bessere Lebensqualität herbeiführen

„Ich habe schon immer ein Reizdarmsyndrom. Ich muss mindestens zwei- bis viermal am Tag auf die Toilette, manchmal ganz plötzlich. Das kann sehr peinlich sein. Ich habe deswegen auch schon aufgehört, längere Ausflüge zu machen und plane immer wieder sehr genau, damit auch eine Toilette in der Nähe ist. Die Darmspiegelung und die Magenspiegelung waren unauffällig. Ich glaube aber, dass da irgendein Problem ist, das die Ärzte bisher nicht gefunden haben.

Natürlich habe ich auch Stress. Wer hat denn heutzutage keinen Stress? Wissen Sie, an der Arbeit bekomme ich soviel Druck, dass ich nur mit ganz vielen Überstunden überhaupt einigermaßen zufriedenstellende Leistungen bringe. Mein Chef ist trotzdem nicht zufrieden. Jetzt merke ich, wie ich zunehmend schwächer werde, wie meine Kraft einfach nachlässt. Der Akku ist leer, und ich kann mich morgens kaum noch aufraffen aufzustehen. Ich bekomme auch richtig Angst vor der Arbeit, weil ich dann immer angemacht werde, wenn ich wieder auf die Toilette gehen muss. Das ist so schlimm geworden, dass ich jetzt seit vier Wochen krank geschrieben bin. Mein Hausarzt hat gesagt, ich solle mich hier einmal vorstellen.“

So in etwa lautet die typische Schilderung eines Patienten, der unter einer sogenannten „somatoformen Störung“ leidet. Dahinter verbirgt sich ein Krankheitsbild, das durch Symptome definiert ist, die körperlich nicht ausreichend erklärbar sind und über längere Zeit bestehen. Diese Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen: Sie reichen von Magenbeschwerden über Verdauungsstörungen, Beklemmungsgefühle beim Atmen, Schluckbeschwerden, tiefe Erschöpfungsgefühle, Probleme mit der Blase oder auch mit der Haut. In diesem Zusammenhang häufig verwendete Begriffe sind „Reizdarm“, „Reizblase“ oder „psychovegetative Erschöpfung“.
 

Häufig langer Weg in die Behandlung

Trotz ausführlicher Untersuchungen fällt es den Patienten oft schwer, Hausärzten und Spezialisten zu glauben, dass sich keine körperliche Ursache finden lässt. Daher kann es manchmal lang dauern, bis sie in ein psychosomatisches Beratungsgespräch, eine Diagnostik und auch eine Behandlung gelangen. Häufig entstehen die Symptome in Verbindung mit einer belastenden Lebenssituation oder belastenden Biografie. Und ebenso häufig dienen die Symptome dazu, unbewusst Gefühle zum Ausdruck zu bringen oder zu bewältigen, die in anderer Form nicht auszudrücken oder zu bewältigen sind.

Mit der Behandlung wollen wir unsere Patienten über dieses komplizierte Krankheitsbild aufklären. Wir beleuchten die Zusammenhänge zwischen den schwer belastenden körperlichen Symptomen, den eigenen Gefühlen, der eigenen Beziehungsgestaltung und der eigenen Biografie. Darüber hinaus versuchen wir, über die Entspannungsverfahren den meist hoch angespannten Körper zu beruhigen. Durch das Akzeptieren und Verringern der Symptome sollen die Patienten letztlich wieder eine bessere Lebensqualität erhalten.

Chronische Schmerzstörungen

Mit einer chronischen Schmerzerkrankung leben lernen

„Mir tut alles weh. Ich habe schon immer Probleme mit den Bandscheiben und dem Rücken, aber in den letzten zwei Jahren ist es ganz besonders schlimm geworden. Vor lauter Schmerzen kann ich keine Nacht mehr durchschlafen. Ich bin seit Juli letzten Jahres krank geschrieben und habe Angst, meine Arbeitsstelle zu verlieren. Aber wissen Sie, diese schwere körperliche Arbeit in der Fabrik kann ich einfach nicht mehr leisten. Mein Meister kann das nicht verstehen. Er setzt mich immer wieder an Stellen ein, wo ich besonders schwer zu schaffen habe. Dass der Betriebsarzt etwas dagegen gesagt hat, das scheint ihn nicht groß zu stören.

Ich habe Bandscheibenvorfälle in der Wirbelsäule, und meine beiden Knie tun weh. Auch habe ich immer wieder Kopfschmerzen, und mein ganzes Leben wird von den Schmerzen bestimmt. Manchmal hilft es einfach nur noch, mich ins Bett zu legen und mich zurückzuziehen. Meine Freunde können das auch schon alle nicht mehr hören. Sie melden sich in den letzten Monaten kaum noch. Mir ist das auch ganz recht, weil ich sowieso keinen Spaß mehr an den gemeinsamen Aktivitäten hätte. Die ganzen Schmerzmittel, die ich eingenommen habe, die helfen sowieso nicht. Deswegen gehe ich auch nicht mehr zum Schmerztherapeuten, der hat mir auch immer nur Tabletten verschrieben, die ich am Ende gar nicht wollte, und die nicht geholfen haben. Jetzt hat mein Hausarzt gesagt, ich solle mich mal hier vorstellen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das helfen soll.“

Chronische Schmerzstörungen sind ausgesprochen quälend und beeinträchtigen und das Leben sehr stark. Oft gilt noch die Ansicht, dass Schmerz entweder körperlich oder seelisch verursacht sein muss. Diese Einschätzung musste in den vergangenen Jahrzehnten wissenschaftlich deutlich revidiert werden: Schmerz wird immer körperlich und seelisch verursacht und aufrecht erhalten. Gefühle beeinflussen das Schmerzerleben genauso wie das Schmerzerleben Gefühle beeinflusst. Die Trennung dieser beiden Komponenten ist nicht möglich.
 

Was für die Schmerzwahrnehmung wichtig ist

Außerdem spielt bei der Schmerzwahrnehmung auch die „Aufmerksamkeitsfokussierung“ eine gewichtige Rolle. Das heißt: Je mehr wir auf einen Schmerz achten und ihn erwarten, desto deutlicher nehmen wir ihn wahr. Schmerz ist ein Alarmsignal des Körpers. Daher erweist es sich als ausgesprochen schwierig, ihn zu ignorieren bzw. anzunehmen. So entsteht ein Teufelskreis: Je mehr wir einen Schmerz wahrnehmen, desto intensiver erleben wir ihn. Durch die Schmerzempfindungen werden wir immer angespannter, und die Angst vor dem Schmerz nimmt zu. Die angespannte Muskulatur wiederum bedingt, dass mehr Schmerzreize im Körper gesetzt werden.
 

Wenn sich ein Schmerzgedächtnis ausbildet

Langfristig kann sich so ein sogenanntes Schmerzgedächtnis ausbilden. Der Schmerz wird zwar noch im Körper wahrgenommen, aber er entsteht im Kopf selber. Schwerwiegende lebensgeschichtliche Erfahrungen, chronische Belastungen und akute Krisensituationen können dazu führen, dass Schmerzerinnerungen ausgelöst werden. Das Schmerzgedächtnis wird aktiviert, und so entsteht eine chronische Schmerzerkrankung. Dabei ist es möglich, dass tatsächlich körperliche Ursachen wie Bandscheibenvorfälle oder Zustände nach Verletzungen und Operationen vorliegen. Genauso ist möglich, dass keine körperlichen Befunde erhoben werden.
 

Psychosomatische Behandlung bei chronischen Schmerzen

Für unsere Behandlung ist dies von der Herangehensweise zunächst erstaunlicherweise unerheblich: Selbstverständlich setzen wir notwendige schmerztherapeutische Maßnahmen um. In der Regel sind diese jedoch bereits erfolgt, wenn sich Patienten in unserer Klinik anmelden. In der psychosomatischen Behandlung versuchen wir, dass die Betroffenen den eigenen Schmerz besser verstehen lernen und damit den ersten Schritt zu mehr Akzeptanz anzuregen.

Häufige Themen in der Behandlung von Schmerzpatienten sind zudem: ein ungünstiges Schonungs- und Vermeidungsverhalten, eine mangelnde Selbstfürsorge, Unklarheiten bezüglich der verschiedenen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten, das Erlernen von Entspannungsverfahren sowie das Einordnen der Schmerzerkrankung in den eigenen biografischen und aktuellen Lebenslauf. Die Symptome mit anderen Betroffenen im Rahmen der Patientengruppe zu teilen, wirkt häufig zusätzlich entlastend und wohltuend.

Somatopsychische Störungen

Trotz Krankheit ein erfülltes Leben führen

„Seit fünf Jahren weiß ich, dass ich unter Multipler Sklerose leide. Es hat mit einer Augennervenentzündung angefangen, und zunächst hieß es, dass es vielleicht gar nicht so schlimm wäre. Dann habe ich aber ein halbes Jahr später dieses Kribbeln im linken Bein bemerkt, und dass ich nicht mehr richtig laufen konnte. Da wusste ich, dass es doch schlimmer werden kann und war ausgesprochen niedergeschlagen. Irgendwann habe ich mich aber wieder aufgerappelt und schloss mich einer Selbsthilfegruppe an. Das fand ich einerseits ganz gut, andererseits habe ich aber auch gesehen habe, wie schlimm die Krankheit enden kann.

Ich weiß auch nicht warum, aber seit etwa vier Monaten mache ich mir viel mehr Gedanken um mich. Ich kann gar nicht mehr aufhören, über diese Krankheit und ihre Folgen nachzudenken. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, ob das Kribbeln in meinem Bein ein neuer Schub ist oder ob ich mir das nur einbilde, weil ich soviel Angst davor habe. Irgendwie ist es auch mit meinen Freunden anders geworden. Seit ich die Krankheit habe, gehen sie anders mit mir um. Einige haben sich abgewendet. Allerdings gibt es auch zwei Freunde, mit denen ich mich jetzt viel besser verstehe als früher. Ich weiß nicht, ob ich noch Mutter werden will und kann. Wahrscheinlich wäre das schlecht. Denn was ist, wenn ich ein Kind habe und es wegen meiner Krankheit nicht gut versorgen kann?

Über all diese Fragen muss ich soviel nachdenken, dass ich kaum noch Schönes im Leben finde. Früher habe ich viel gemalt und gelesen – das geht jetzt einfach nicht mehr. Einen Psychotherapeuten finde ich nicht. Die sagen immer, dass sie mir bei meiner Multiplen Sklerose auch nicht weiterhelfen können. Da hat mein Hausarzt gesagt, ich solle mich mal bei Ihnen vorstellen.“

Somatopsychische Störungen stellen keine Krankheit im üblichen Sinn dar. In der Regel leiden die Betroffenen bereits an einer schweren körperlichen Grunderkrankung. Aufgrund ihrer Symptomatik und einer oftmals ungewissen Prognose entwickeln sie zusätzlich psychische Symptome. Sie werden ängstlich, sind häufig niedergeschlagen und reizbar oder fühlen sich erschöpft. Beispiele für solch schweren körperlichen Erkrankungen können unter anderem sein: Multiple Sklerose, Rheuma, Arthritis, Krebserkrankungen, Herzerkrankungen, Schlaganfall, sogenannte Autoimmunerkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Asthma.
 

Behandlung somatopsychischer Störungen

In der Behandlung versuchen wir, gemeinsam mit unseren Patienten eine wenig Ordnung in die häufig überbordenden Gefühle zu bringen. Wir helfen ihnen dabei, die eigenen Ressourcen zu entdecken und Bewältigungsstrategien für den Umgang mit ihrer Krankheit zu entwickeln. In unserer Gruppentherapie fühlen sich die Patienten meist wohl und gut aufgehoben. Sie erlernen Entspannungstechniken, finden Verständnis in den verschiedenen Therapieformen und erleben wieder Freude. All diese Erfahrungen können wertvolle Anstöße sein, die körperliche Grunderkrankung auch im weiteren Lebensalltag besser anzunehmen und trotz dieser ein erfülltes Leben zu führen.

Krankheitsbewältigung

Mit einer schweren Erkrankung umgehen lernen

„Vor zwei Jahren habe ich erfahren, dass ich eine akute Leukämie habe. Alles ging dann ganz schnell. Im Nachhinein wundere ich mich, wie ich all diese schweren Zeiten überstanden habe. Ich habe eine intensive Chemotherapie erlebt mit allem was dazugehört: Übelkeit, Schmerzen, Isolation, Angst und Ungewissheit. Alles hat ganz gut geklappt, und schlussendlich bin ich ja auch wieder gesund geworden.

So sagt es zumindest mein Krebsmediziner. Wissen kann man das bei der Krankheit natürlich nie. Er hat aber gesagt, dass die Prognose sehr gut sei. Trotzdem habe ich vor jedem dreimonatigem Kontrolltermin große Angst. Ich versuche, mein Alltagsleben wieder aufzunehmen, bin körperlich aber noch sehr erschöpft. Die Rehamaßnahmen haben nicht viel genutzt. Ich bin immer noch sehr mit dieser Erkrankung beschäftigt. Ich habe auch das Angebot einer ambulanten Psychotherapie angenommen, aber da kommen wir irgendwie nicht weiter. Nun hatte mein Psychotherapeut die Idee, dass ich mich einmal hier in der Psychosomatischen Klinik vorstellen könnte.“

Ungefähr 30 Prozent der Menschen mit einer sehr schweren körperlichen Erkrankung haben Schwierigkeiten, diese vollständig und ohne psychische Symptome zu bewältigen. Denn sie beschäftigt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele des Betroffenen. Chronische Entzündungen, Tumorerkrankungen und andere Leiden beeinflussen darüber hinaus auch das Immun- und Hormonsystem. Als Vermittlersysteme zwischen Körper und Seele werden sie zunehmend besser erkannt.
 

Psychosomatische und -therapeutische Unterstützung erfahren

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Bewältigung einer schweren körperlichen Erkrankung für den gesamten Menschen sehr belastend sein kann. Auch die medizinische Behandlung ist teilweise nebenwirkungsreich und anstrengend. Eine voll- oder teilstationäre Behandlung in einer Psychosomatischen Klinik kann daher für manche Patienten hilfreich sein. Die Betroffenen können dort über ihre Krankheitssymptome sprechen. Im Rahmen von Gruppenarbeiten werden Körper und Geist wieder aktiviert. Unsere Therapeuten vermitteln ihnen spezielle Entspannungsverfahren. Außerdem erlernen sie, wie sie die eigenen Grenzen leichter akzeptieren können und wie sie mit der Angst vor dem Fortschreiten einer Erkrankung besser fertig werden.

Angststörungen

Ängste ergründen und damit umgehen lernen

„Alles fing ganz plötzlich im Einkaufszentrum an. Ich war mit meiner Frau unterwegs und spürte auf einmal, wie sich alles um mich herum drehte. Zuerst dachte ich, es sei der Kreislauf, und ich suchte mir einen Sitzplatz. Als ich dort saß, drehte sich aber alles weiter um mich herum. Es war, als ob der Boden schwankte, und ich merkte, wie mein Herz auf einmal ganz heftig schlug. Ich fing an zu schwitzen und dachte: „Oh Gott, oh Gott, jetzt hat mein letztes Stündlein geschlagen. Bestimmt habe ich einen Herzinfarkt und muss bald sterben.“ Gleichzeitig hatte ich Angst, in der Öffentlichkeit umzufallen und wie peinlich das sein könnte. Wir haben dann den Notarzt gerufen, der ein EKG geschrieben hat und mich ins Krankenhaus schickte, wo auch Blut abgenommen wurde. Dort hat man mir dann gesagt, dass alles in Ordnung sei und mich wieder nach Hause geschickt.

Eine Woche später wiederholte sich alles, und ich war wieder im Krankenhaus. Erneut konnte man nichts finden. Mein Hausarzt sagte dann relativ schnell, dass es Panikattacken sein könnten. Das hat mir aber nicht viel geholfen. Ich habe diese Zustände jetzt immer wieder und immer häufiger und vermeide es inzwischen, außer Haus zu gehen. Ich kann die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr benutzen. Bei vielen Menschen um mich herum werde ich ganz unruhig und fühle mich unwohl.

Inzwischen habe ich sogar Angst vor der Angst. Ein eigenes Auto habe ich nicht, und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich auch nicht zur Arbeit fahren. Daher bin ich schon seit acht Wochen krankgeschrieben. Einen ambulanten Psychotherapeuten finde ich nicht. Die haben immer ganz lange Wartezeiten. Außerdem muss ja schnell etwas passieren. Das kann doch so nicht weitergehen. Es ist so schrecklich, diese Angst zu haben. Und immer wieder denke ich, dass mit meinem Herz etwas nicht stimmen kann. Weil ich immer solche Angst habe, gehe ich auch nicht mehr aus und treffe auch keine Freunde mehr. Das tut der Stimmung auch nicht gerade gut. In der Psychologischen Beratungsstelle hat man mir gesagt, dass ich mich doch hier an die Klinik wenden könne.“

Angststörungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Angst ist für alle Säugetiere und damit auch für den Menschen ein überlebensnotwendiges Gefühl. Dieses warnt uns vor gefährlichen Situationen und hilft, angemessen auf die Realität zu reagieren. Angst ist ein Alarmsignal. Bei Patienten mit Angststörungen springt es allerdings zu früh an. Manchmal ist es schwierig, den eigentlichen angstauslösenden Umstand zu beschreiben. Es wirkt, als ob die Angst aus heiterem Himmel und damit unberechtigt gekommen sei.
 

Angststörungen sind vielfältig

Ängste können vor vielen Situationen bestehen: Spinnen oder Schlangenphobien bereiten in der Regel weniger Probleme im Alltag als eine Phobie (Angst) vor weiten Plätzen oder engen Räumen, vor vielen Menschen oder vor der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr. Manchen Menschen macht es große Angst, mit anderen Menschen zusammen zu sein, von diesen beurteilt und beobachtet zu werden. Diese Angst nennt man soziale Phobie. Wieder andere Menschen leiden unter den oben geschilderten Panikattacken, die unerklärlich auftreten und ausgesprochen bedrohlich wirken. Allen Ängsten gemeinsam ist das Einsetzen eines Vermeidungsverhaltens. Es beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit, die Lebensqualität und die sozialen Beziehungen in der Regel massiv. Statt zu einer Linderung führt es langfristig zu einem Verschlimmern der Angstsymptomatik.
 

Wie sich Angststörungen behandeln lassen

Die Behandlung von Angststörungen besteht aus mehreren Komponenten. In der sogenannten Psychoedukation versuchen wir, den Patienten zu vermitteln:

  • was eine Angsterkrankung ist
  • welche körperlichen und psychischen Prozesse sich während eines Angstanfalls abspielen
  • welche fatale Bedeutung das Vermeidungsverhalten hat
  • wie sie in einer Angstattacke sinnvoll reagieren können

Dazu gehört beispielsweise das Erlernen und Anwenden eines Entspannungsverfahrens. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass eine Angsterkrankung nicht ohne guten Grund in das Leben der Betroffenen getreten ist. In den Psychotherapiegruppen und Einzelgesprächen versuchen wir, der individuellen Lebenssituation und Biografie auf den Grund zu gehen. Gemeinsam mit unseren Patienten wollen wir verstehen, was untergründig tatsächlich Angst bereitet und warum sich diese Angststörung ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt entwickelt hat.

Depressive Störungen

Depressionen auf den Grund gehen

„Ich kann mich zu nichts mehr aufraffen. Alles ist schwer, alles ist anstrengend. Immer habe ich das Gefühl, dass andere Menschen etwas von mir wollen. Ich komme einfach nicht mehr klar. Früher habe ich Sport gemacht und gemalt. Heute habe ich dazu einfach keine Lust mehr. Ständig bin ich total müde. Wenn ich von der Arbeit komme, dann lege ich mich nur noch aufs Sofa und mache den Fernseher an. Eigentlich interessiert mich aber gar nicht, was da läuft. Ich lasse die Sendungen einfach an mir vorbeirauschen.

Ich habe mich zurückgezogen. Andere Menschen nerven mich eigentlich nur noch. Wenn ich ehrlich bin, macht mir auch nichts mehr so richtig Spaß. An der Arbeit funktioniere ich einfach nur noch. Neulich hat mir mein Vorgesetzter gesagt, dass ich meine Leistung offensichtlich nicht mehr so brächte, wie ich das noch vor geraumer Zeit getan habe. Er hat mich gefragt, ob es mir gut ginge.

Das Ganze entwickelt sich eigentlich schon seit einem halben Jahr. Eine Stimmungslage wie diese kenne ich von früher, aber da dauerte sie nur ein oder zwei Wochen lang. Spätestens im Urlaub konnte ich mich wieder aus dem Tief befreien. Der letzte Urlaub, den ich vor kurzem hatte, der war einfach nur langweilig und öde. Ich bin in die Berge an einen See gefahren, wo ich sonst auch immer war und es mir immer gut gefallen hat. Die Schönheit der Umgebung hat mich jetzt aber gar nicht mehr berührt. Ich fand ständig ein Haar in der Suppe und war permanent unzufrieden. Meine Familie war ziemlich angenervt. Jetzt habe ich mir gesagt, dass das so nicht weitergehen kann. An einem der langen Abende, an denen ich sowieso nicht schlafen konnte, googelte ich mal so rum und bin dabei auf Ihre Klinik gestoßen. Ich frage mich, ob ich vielleicht unter einer Depression leide.“

Die sogenannte Depression ist eine der häufigsten psychischen Krankheiten. Sie ist durch verschiedene Symptome gekennzeichnet, die per Definition jeweils länger als 14 Tage anhalten sollten und über normale Stimmungsvariationen deutlich hinausgehen. Klassische Symptome sind: Freud- und Interesselosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Antriebslosigkeit, sich schnell erschöpft fühlen nach kleineren Anstrengungen, Schlaflosigkeit, Gewichtsabnahme und Appetitlosigkeit sowie Nachlassen des sexuellen Verlangens. Insbesondere bei Männern kann noch hinzukommen: zunehmende Reizbarkeit, Rückzug, Sprachlosigkeit und ein Gefühl von Ausweglosigkeit, das manchmal sogar zu Todeswünschen oder Suizidgedanken führt.
 

Mögliche Auslöser für eine Depression

Depressive Erkrankungen können verschiedene Ursachen haben: etwa eine große Belastungs- oder jahrelange Überforderungssituation in der eigenen Lebensgeschichte. Oder schwere Kränkungen im beruflichen bzw. im privaten Bereich, die oftmals alte Kindheitserinnerungen aufleben lassen und schließlich zu einer Depression führen. Auch Erschütterungen des Selbstwertgefühls zum Beispiel durch einen Unfall, eine veränderte Lebenssituation oder das schlichte Älterwerden können weitere Auslöser sein. Für manche Menschen ist es hingegen schwierig, beim ersten Nachdenken einen Auslöser zu benennen und zu finden.
 

Wege aus der Depression aufzeigen

In der Behandlung versuchen wir, zusammen mit unseren Patienten den Depressionen auf den Grund zu gehen. Zunächst analysieren wir die aktuelle berufliche und private Lebenssituation, die biografische Entwicklung und eventuelle Verhaltensmuster. Wir versuchen daraus abzuleiten, was von den Betroffenen verändert werden kann, um sich besser und stabiler zu fühlen und erneuten depressiven Einbrüchen vorzubeugen.

Gruppen-, Kunst- und Konzentrative Bewegungstherapie bieten Raum zum Nachdenken und Nachspüren. Des Weiteren sollen Entspannungsverfahren, Freizeitaktivitäten, die Teilnahme an einer Laufgruppe und das Bewegungsbad Anstöße geben, Genüsse und Lebensfreude aktiv zu fördern und damit wieder zu entdecken. Die Entscheidung, ob eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva notwendig ist, fällen wir gemeinsam mit unseren Patienten nach einer angemessenen Zeit des gegenseitigen Kennenlernens.

Stresszustände

Dem Stress nachgehen und bewältigen lernen

„Ich komme einfach nicht mehr klar. Ich arbeite in einer Bank. Dort bekommen wir riesigen Druck, möglichst viel zu verkaufen. Ich muss ein Gespräch und ein Telefonat nach dem anderen führen, immer mit dem Wissen im Nacken, am Monatsende über meine Zahlen berichten zu müssen. Zusätzlich haben wir ein neues Computersystem, das ich noch nicht wirklich verstehe. Es hat aber niemand Zeit, mich richtig einzuarbeiten. Der zuständige Mitarbeiter ist selbst mit einem Burn-out krank geschrieben. Irgendwie muss es aber trotzdem funktionieren. Und dann sind da noch zwei andere Projekte, die ich mitbetreuen soll. Bezüglich derer werde ich alle zwei Wochen gefragt, wie der Stand ist. Wenn ich meinem Vorgesetzten sage, dass das alles zu viel ist und dass ich das nicht schaffen kann, so zuckt er nur mit den Schultern und fragt mich, ob ich glaube, dass es ihm anders ginge.

Niemand hat wirklich Zeit, seine Aufgaben ordentlich zu erledigen. Häufig bleibe ich 12 bis 13 Stunden im Büro, ohne das Gefühl zu haben, dadurch etwas zu erreichen. Wenn ich dann nach Hause komme, esse ich schnell Abend, höre mir an, was meine beiden Kinder erzählen, und muss dann weiter zu meinen Eltern fahren. Meine Mutter leidet an Alzheimer. Sie erkennt mich nur noch selten, und mein Vater kümmert sich hauptsächlich um sie. Doch er ist damit zunehmend überfordert. Meine beiden Geschwister halten sich aus der Betreuung vornehm heraus, weil sie 50 Kilometer entfernt wohnen. So muss ich öfter einkaufen gehen, den Rasen mähen, Reparaturen machen oder im Winter Schnee schippen. Mich eben um alles kümmern, was mein Vater nicht mehr zu tun vermag.

Sie können sich vorstellen, wie gut ich dann abends schlafe – nämlich gar nicht. Ich bin zwar todmüde, komme aber nicht zur Ruhe. Die Wochenenden reichen mir kaum noch, um mich zu erholen. Manchmal merke ich, wie ungeduldig ich gegenüber meinen Kindern und meiner Frau werde. Ich fühle mich einfach nur noch gestresst und weiß nicht, wie ich aus dieser Situation wieder herauskommen soll.“

Stresszustände sind eigentlich keine medizinische Diagnose. Häufig verbirgt sich jedoch dahinter eine psychische Erkrankung. Die Betroffenen fühlen sich oft massiv gestresst, und alles wächst ihnen über den Kopf. Forscht man intensiver nach, so lassen sich oft Symptome einer Depression erkennen (Verlust von Freude, Antriebsstörung, Erschöpfung) oder einer Angststörung (Ängste vor dem Versagen, Ängste vor zu viel menschlichem Kontakt, Ängste vor Überforderung). Auch andere psychische Störungen sind möglich.
 

Stress ist nicht gleich Stress

Bei beruflichem Stress kann es sinnvoll sein, ihm durch Angebote von Coaches oder Selbstmanagementkursen vorbeugend zu begegnen. Bei schweren Stresszuständen hingegen sind psychosomatische Therapieverfahren angezeigt. Denn nicht selten äußert sich Stress auch in körperlichen Erscheinungen wie zu hohem Blutdruck, ständigen Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magen-Darm-Problemen. Bei den Betroffenen lassen sich dann psychosomatische Erkrankungen wie somatoforme Störungen oder Schmerzstörungen diagnostizieren.
 

Alternativen zu Stresszuständen entwickeln

In unserer Behandlung versuchen wir, der Stressursache auf den Grund zu gehen. Beruflicher und privater Stress beruhen immer auf der Wechselwirkung zwischen den Herausforderungen, die von außen an einen gestellt werden, und den eigenen inneren Ansprüchen sowie dem Umgang damit. Manche Menschen können sich schlecht abgrenzen, tun viel für andere, sind eher konfliktscheu und haben große Angst vor dem eigenen Versagen. Dadurch neigen sie dazu, sich über die Maßen zu belasten und fühlen sich in dieser Situation einem unerträglichen Stress ausgesetzt. Dem Stress nachzugehen, ihn zu bewältigen und Alternativen zu entwickeln, ist das Ziel unserer multimodalen psychosomatischen Behandlung auf der Station oder in der Tagesklinik.

Burn-out

Burn-out – nur ein Modebegriff?

„Die Wochenenden reichen mir zur Erholung einfach nicht mehr. Ständig dreht sich alles in meinem Kopf um die Aufgaben, die ich bei der Arbeit zu bewältigen habe. Zusätzlich zum Alltagsgeschäft betreue ich drei Projekte. Mein Kollege ist schon seit acht Wochen krankgeschrieben. Einerseits funktioniere ich zwar noch und bekomme meine Arbeit erledigt, aber ich kann einfach nicht mehr abschalten.

Ich habe meinen Sport aufgegeben, und mein Mann beschwert sich schon, dass ich mit ihm nicht mehr spazierengehe. Auch war ich schon seit mindestens sechs Monaten nicht mehr im Kino und lese nur noch Illustrierte, da ich ein ganzes Buch gar nicht mehr schaffe. Nach neun Stunden Arbeit bringe ich einfach die Konzentration nicht mehr auf. Irgendwie fühle ich mich unmotiviert und lustlos.

Im letzten Urlaub ging es mir deutlich besser. Da sah ich auf einmal wieder, dass die Sonne scheint, wie schön das Meer ist und konnte das Essen im Restaurant genießen. Zu Hause komme ich gar nicht mehr auf die Idee, überhaupt ein Restaurant aufzusuchen. Meine Familie unterstützt mich zwar, aber irgendwie wirkt das alles nicht mehr. Kann es sein, dass ich einen Burn-out habe?“

Burn-out ist ein Modebegriff geworden. Der Begriff erlaubt es, in gesellschaftlich anerkannter Weise über die eigene Überlastung und Erschöpfung zu sprechen und diese zuzugeben. Nicht selten verbirgt sich dahinter jedoch eine depressive Störung, die psychosomatisch behandlungsbedürftig sein kann.
 

Reflektion von außen und innen

Teile der Behandlung sind die Reflektion über die äußeren Umstände und in diesem Zusammenhang auch über das eigene Verhalten und die eigenen Gefühle. Außerdem wird diskutiert, wie man sich wirksamer gegenüber den ständigen Herausforderungen von außen und innen abgrenzen kann. Des Weiteren geht es im Behandlungsprozess oft darum abzuwägen, inwieweit sich zum Beispiel durch einen Arbeitsplatzwechsel die äußeren Bedingungen sinnvoll verändern lassen. Und wieviel eigene Anteile bedacht und entwickelt werden müssen, um den überall wartenden Herausforderungen zu entsprechen.
 

Auch im Alltag für Ausgleichsmomente sorgen

Häufig hat Burn-out etwas mit den eigenen hohen Ansprüchen zu tun, die es zu überdenken gilt. Das Erleben lebendiger Momente innerhalb der Patientengemeinschaft, die Teilnahme an Freizeitaktivitäten sowie das Erlernen von Entspannungsverfahren tragen zur inneren Stabilisierung bei. Die positiven Erfahrungen sollen auch Anreiz sein, im Alltagsleben nach der Behandlung selbst für Ausgleichsmomente zu sorgen. Und die Motivation aufrechterhalten, solche Ausgleichsmomente trotz Arbeitsbelastung aktiv zu gestalten.

Trauer

Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Prozess der Ablösung

„Vor eineinhalb Jahren ist mein Ehemann gestorben. Wir waren sehr glücklich zusammen. Nie haben wir groß gestritten, und eigentlich hatten wir jetzt – kurz nach unserer Berentung – noch viele gemeinsame Pläne. Wir wollten uns einen VW Bus kaufen, um damit Europa zu erkunden und an den Orten zu bleiben, wo wir es schön finden. Er hat immer so fleißig gearbeitet und sich so gut um mich gekümmert. Dann kam der Schlaganfall, und alles ging ganz schnell. Auf einmal war er nicht mehr da.

Ich komme über den Verlust einfach nicht hinweg. Ich finde Hilfe bei meinen Kindern und bei unseren Freunden. Aber mir macht es keinen Spaß, mit ihnen zusammenzusein, weil ich dann immer daran erinnert werde, wie es war, als er noch da war. Auch dass die anderen Paare in unserem Freundeskreis ihre Partner noch haben, macht mich traurig und nachdenklich. Irgendwie gehöre ich nicht mehr dazu und fühle mich wie das fünfte Rad am Wagen. Immer wieder bin ich auf dem Friedhof. Ich möchte gar nicht weit weg. Manchmal habe ich den Eindruck, dass mein Leben ohne meinen Mann nicht mehr lebenswert ist. Ich habe nicht vor, mir etwas anzutun, aber richtige Freude empfinde ich ohne ihn nicht mehr.“

Trauer ist keine Krankheit. Trauer ist ein schmerzhafter, Kraft kostender Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Wir benötigen ihn, um uns von nahestehenden Menschen abzulösen. Trauer kann sich auch durch Abschiede, Verlust des Arbeitsplatzes, das Aufgeben eines Hobbies oder den Verlust einer Fähigkeit ergeben. In seltenen Fällen geht die Trauer in eine Depression über. Diese erlaubt uns dann nicht mehr, uns in konstruktiver Form einem Trauerprozess zu stellen, der auf Ablösung ausgerichtet ist. An einem solchen Punkt wird die Trauer zu einer depressiven Störung, die behandelt werden sollte.
 

Trauern und dennoch wieder eigene Perspektiven entwickeln

Trauer braucht Begleitung, Auseinandersetzung in Gesprächen, Erinnerungen und Menschen, die den Schmerz und das Leid teilen. Trauer braucht aber auch die Entwicklung von eigenen Perspektiven, das bewusste Suchen und Entdecken von Lebensfreude und schönen Momenten ohne das Trauerobjekt. Und Anlässe für mehr Lebensfreude, ohne dass dabei ein Vergessen eingefordert wird. Wenn Ihre Trauer depressive Züge trägt, so könnte sich eine Behandlung in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie für Sie lohnen.

Dissoziative Störungen

Wenn Organe sich vom Gehirn nicht mehr steuern lassen

„Mein Bein funktioniert nicht mehr. Ich kann nicht mehr richtig laufen und brauche überall Hilfe. Ich drohe ständig zu stürzen. Mit einem Stock oder besser noch mit einem Rollator kann ich mich in der Wohnung einigermaßen fortbewegen. Mit einem Mal war das da. Erst hat man gedacht, es sei ein Schlafanfall, und ich bin mit dem Notarzt in die Klinik gekommen. Das rechte Bein hat einfach nicht mehr funktioniert. Es tut nicht das, was ich will. Im Krankenhaus und hinterher beim Neurologen, beim Orthopäden und beim Hausarzt hat man mir immer gesagt, dass alles ganz normal sei. Man könne sich nicht erklären, warum mein Bein nicht mehr tut, was es soll. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Alles vorher war ganz normal. Sie sind jetzt meine letzte Hoffnung.“

Der Begriff „Dissoziative Störungen“ klingt sehr fremd. Er beschreibt Zustände, in denen Organe, die normalerweise einer bewussten und willkürlichen Steuerung unterliegen, sich dieser Steuerung entziehen. Zum Beispiel: Der Befehl vom Gehirn, das Bein zu bewegen, kommt nicht mehr an. Der Befehl vom Gehirn, ein Wort zu bilden, kommt nicht mehr an. Der Befehl des Gehirns, sich geordnet durch die Umwelt zu bewegen, kommt nicht mehr an. Es entsteht ein Zustandsbild, das wie ein epileptischer Anfall aussieht, aber keiner ist.
 

Die Ursache liegt in der Psyche

Dissoziative Störungen können sich auf muskuläre Bewegungen des gesamten Körpers, auf das Sprechen, auf Bewusstseinszustände und auch auf die Sinnesorgane beziehen. So gibt es beispielsweise auch dissoziative Sehstörungen. Die Überschneidungen zu den sogenannten somatoformen Störungen sind teilweise fließend. Es liegt in der Regel kein organischer Befund vor. Somit ist relativ eindeutig zu bestimmen, dass es sich um ein psychisches Geschehen handeln muss.

Dem Vorgang liegen häufig verdrängte Gefühle oder verdrängte innere und äußere Konflikte zu Grunde. Auch verdrängte Bedürfnisse und Wünsche sowie verdrängte traumatische Erinnerungen kommen als Ursache in Betracht. Die dissoziative Störung kann als eine Art Kurzschluss verstanden werden, der wie ein „Notaus-Schalter“ der Psyche funktioniert. So empfindet etwa ein Betroffener die Situation mit seiner geliebten, aber zuletzt hoch dementen Mutter als sehr anstrengend und nahezu unerträglich. Er möchte dieser Situation nur noch entfliehen. Doch bevor dieser Wunsch ihm überhaupt bewusst wird, setzt das Bein den Fluchtimpuls nicht mehr um und verweigert das Laufen. Oder jemandem widerfuhr großes Leid. Bevor sich die sehr schmerzhafte Erinnerung in seinem Bewusstsein breit macht, schaltet das Gehirn aus, und es entsteht eine dissoziative Ohnmacht.
 

Sich den unbewusst ablaufenden Prozessen wieder annähern

Die Annäherung an solch unbewusst ablaufenden Prozesse kann sehr schwierig und aufwendig sein. Sie bedarf vieler Gespräche und einer Herangehensweise auf den verschiedensten Sinnes- und Erlebniskanälen. So werden unter anderem die Achtsamkeit in der Konzentrativen Bewegungstherapie und der nonverbale Ausdruck in der Kunsttherapie gefördert. Wichtige Impulse können auch die Rückmeldungen der Gruppenmitglieder und die intensiven Einzelgespräche geben. Die Patienten erleben die Station oder Tagesklinik als sicheren Raum. Dort können sie sich auch den oft unangenehmen Wahrheiten stellen.

Dissoziative Störungen, die mit Bewusstseinsverlusten einhergehen, können wir in unserer Klink leider nicht behandeln.

Anpassungsstörungen

Mit den Veränderungen im Leben nicht mehr zurechtkommen

„In den letzten Jahren hat sich soviel verändert. Mein Mann hat eine neue Stelle angenommen und ist sehr beschäftigt. Unsere beiden Kinder sind jetzt 22 und 24 Jahre alt und von zu Hause ausgezogen. Ich selber versuche, neben meiner Tätigkeit als Bürokauffrau etwas Neues aufzubauen und die Leere zu füllen, welche die Kinder hinterlassen haben. Dann sind da meine Eltern, die lange Zeit gut allein zurechtgekommen sind. Doch inzwischen macht sich ihr Alter bemerkbar, und sie benötigen zunehmend mehr Unterstützung. Ich frage mich oft, wie das werden soll, wenn sie noch kränker oder sogar dement werden. Meine Schwiegermutter ist außerdem chronisch krebskrank. Das nimmt uns emotional sehr mit. Sie zu pflegen und die vielen Arzttermine wahrzunehmen, kostet mich viel Zeit. Zuletzt ist vor acht Wochen auch noch unser Hund gestorben. Den habe ich sehr geliebt, und er fehlt mir sehr. Seitdem bin ich niedergeschlagen, habe Antrieb und Freude verloren, bin traurig und fühle mich leer. Immer wieder habe ich vor Augen, wie wir den Hund einschläfern mussten. Natürlich weiß ich, dass es für ihn besser war, weil er solche Schmerzen hatte. Trotzdem kriege ich die Szene nicht aus dem Kopf. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich mit all den Veränderungen nicht mehr zurechtkomme.“

Der Begriff „Anpassungsstörung“ beschreibt, dass es manchen Menschen schwer fällt, sich an eine neue Situation zu gewöhnen und veränderte Lebensumstände zu akzeptieren. Auch Verluste oder Traumata wie Todesfälle, Krankheiten oder Unfälle können sie nur schlecht bewältigen. In diesen Anpassungsstörungen finden sich verschiedenste Gefühle und Wahrnehmungen: Trauer, Niedergeschlagenheit, Angst, unerklärliche körperliche Symptome, verändertes Verhalten wie erhöhte Reizbarkeit oder Rückzug. Häufig bekommen die Betroffenen ihren Alltag noch geregelt, doch ihre Stimmung ist oftmals sehr bedrückt.
 

Gemeinsam Lösungsstrategien entwickeln

In der Behandlung versuchen wir, gemeinsam mit unseren Patienten die vorherrschenden intensiven Gefühle besser zu verstehen und die Belastung auch aus dem biografischen Kontext heraus zu begreifen. Ziel ist, von diesem Fundament aus Strategien zu entwickeln, wie mit der veränderten Lebenssituation besser umgegangen werden kann und wie sich die jeweiligen individuellen Symptome lindern lassen.

Traumafolgestörungen

Was ist ein Trauma?

Für den Begriff „Trauma“ gibt es unterschiedlichste Definitionen. Am weitesten verbreitet und unserem Verständnis am nächsten kommt folgende Definition: „Ein Trauma im Leben eines Menschen ist ein Erlebnis, das die jeweiligen psychischen Bewältigungsmechanismen des Betroffenen übersteigt.“ Oder die wesentlich enger gefasste Definition: „Unter Trauma wird ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung bzw. katastrophenartigen Ausmaßes verstanden, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
 

Die posttraumatische Belastungsstörung

Aus einer solchen Situation kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Deren typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks) oder in Träumen. Die Betroffenen erleben ein andauerndes Gefühl von betäubt sein und emotionaler Stumpfheit. Sie sind gleichgültig gegenüber anderen Menschen und teilnahmslos der Umgebung gegenüber. Sie empfinden keine Freude, fürchten und vermeiden jegliche Stichworte, Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Selten kommt es zu dramatischen akuten Aussprüchen von Angst, Panik oder Aggression. Zum Beispiel ausgelöst durch ein plötzliches Erinnern und intensives Wiedererleben des Traumas oder der gewöhnlichen Reaktion darauf. Traumapatienten durchleben Zustände vegetativer Übererregtheit. Sie sind oft übermäßig schreckhaft und leiden unter Schlaflosigkeit. Eine begleitende Depression und Suizidgedanken sind nicht selten.

Andere Folgen von Traumatisierungen

Es gibt unterschiedlichste Arten von Traumata: Beispielsweise ein schwerer Autounfall, bei dem ein Mensch zehn Minuten lang eingeklemmt unter Schmerzen hilflos in seinem Auto liegen muss, bevor er daraus befreit wird. Auch Opfer eines Verbrechens, Zeuge eines schweren Unfalls oder eines Verbrechens zu sein, kann traumatisieren. Auf bestimmte Ereignisse wird eventuell ebenfalls mit einer Traumafolgestörung reagiert. Zum Beispiel Misshandlungen in der Kindheit durch alkoholisierte Eltern oder Verwandte, sexuelle Übergriffe sowohl durch Fremde als auch durch vertraute und enge Familienangehörige, aber auch schwere Vernachlässigung in der Kindheit. Diese Umstände wirken auf Körper und Seele ein und hinterlassen nicht nur in der Seele tiefe Narben, sondern auch im Immun-, Hormon- und Nervensystem.
 

Traumata anerkennen und in gesunder Form erträglich werden lassen

In unserer Behandlung versuchen wir, in behutsamer und langsam herantastender Weise die Traumata unserer Patienten zu begreifen und zu beschreiben. Häufig stehen die Traumata zu Beginn einer Behandlung nicht in bewusstem Zusammenhang mit den jeweiligen Krankheitssymptomen. Wir versuchen, die entsprechenden Erinnerungen als unvermeidbaren und unvergesslichen Teil der Lebensgeschichte anzuerkennen und in gesunder Form in ihren biografischen Erinnerungen erträglich werden zu lassen. Wir stellen Methoden zur Verfügung, mit der sich aufdrängende Erinnerungen besser bewältigen lassen. So kann nachträglich das tief eingravierte Gefühl von Hilflosigkeit in ein gesünderes, aktives Tun überführt werden. Außerdem erlernen die Betroffenen Entspannungsverfahren, alternative Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunsttherapie sowie Achtsamkeit auf den eigenen Körper in der Konzentrative Bewegungstherapie. Weitere wichtige Elemente unseres Angebots sind das Erleben schöner Momente in der Patientengruppe,  Freizeitaktivitäten sowie die Sicherheit des Schutz gebenden Raums auf der Station.