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Aktuelles

Trauerbegleitung – Sterben will gelebt werden

Das Marienhospital ist mit seinen beiden Palliativstationen auf die Behandlung schwer kranker Patienten spezialisiert. Die Betroffenen erhalten dort eine individuelle schmerzlindernde medizinische Behandlung. Gleichzeitig kümmert sich das Palliativteam auch um das seelische Befinden der Betroffenen und ihrer Angehörigen in dieser schwierigen Lebensphase. Den Menschen in seiner Trauer zu begleiten, ist dabei ein wichtiges Thema.

Trauerpädagogin Christine Dehlinger

Die Trauerpädagogin Christine Dehlinger über Trauerbegleitung

Christine Dehlinger ist Trauerpädagogin und Traumabegleiterin. In einem Interview beantwortet sie Fragen zum Thema „Trauerbegleitung“.

Frau Dehlinger, Sie sind Trauerpädagogin und Traumaberaterin. Das ist nicht gerade ein alltäglicher Beruf. Wie kam es dazu?

C. Dehlinger: Ich habe viele Jahre als Fachkrankenschwester für Intensiv- und Notfallmedizin gearbeitet und hatte deshalb schon früh Berührung mit den Themen Krankheit und Sterben. Dabei fiel mir auf, dass die Angehörigen oft völlig verloren mit unzähligen Fragen am Fußende des Bettes standen. Diesen Menschen wollte ich helfen. Das war 1989.
 



Gab es dafür einen konkreten Auslöser?

C. Dehlinger: Ein Erlebnis ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das war eine Begegnung mit einem Mann, der vier Jahre zuvor seinen Sohn verloren hatte. Er sagte zu mir: „Alle versichern mir, dass der Schmerz irgendwann vorüber ist, aber keiner erklärt mir, wie das geht.“ Genau an dieser Situation wollte ich ansetzen. Nicht indem ich sage, „wie das geht“, sondern indem ich gemeinsam mit den Trauernden nach Wegen suche.
 



Gibt es etwas, das Angehörige beachten sollten, wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt?

C. Dehlinger: Eine Empfehlung möchte ich tatsächlich geben: Manchmal besteht zwischen Kranken und ihren Angehörigen ein unausgesprochenes Einverständnis. Jeder tut das, wovon er glaubt, dass der andere das so will – aber keiner fragt nach, ob es wirklich so ist. Meist steckt dahinter eine Scheu, übers Sterben zu reden. Diese Scheu sollte man überwinden, denn die gegenseitige Rücksichtnahme kann im Nachhinein viel Leid auslösen. Die Angehörigen sagen dann: „Wir haben darüber nie geredet“ oder „Das habe ich nie gefragt“.
 



Welche Rolle kann hier eine Palliativstation wie die unsere im Marienhospital spielen?

C. Dehlinger: Eine sehr wichtige. Denn in dieser Umgebung sprechen die Ärzte und das Team das Thema Sterben bewusst an. Das Sterben will gelebt werden, und wir sollten dafür eine Sprache entwickeln.
 



Das heißt auch, dass man sich selbst diese Frage stellen muss ...

C. Dehlinger: Ja, und das wird fast noch mehr tabuisiert als das Sterben selbst. Und doch ist diese Frage ungeheuer wichtig. Selbst wenn sich nicht alles so realisieren lässt, wie wir es uns wünschen, so sollten wir doch darüber reden.
 



Die Palliativstationen im Marienhospital haben einen sehr schön gestalteten Raum der Stille, der für Angehörige offen steht. Was kann solch ein Raum bewirken?

C. Dehlinger: Räume sind für mich Sinnbild von Erlaubnis – das ist etwas wirklich Gutes. Wichtig ist, dass Menschen dort allein sein können, aber nicht müssen. So wie das im Marienhospital der Fall ist.
 



Was ist Trauer in Ihren Augen?

C. Dehlinger: Ich glaube, Trauer ist ein Teil von uns, für den wir gemacht sind. Natürlich versuchen wir nach Kräften, Situationen zu vermeiden, die uns traurig machen. Aber auch diese Welt gehört zu uns. Wir können Leid erfahren und daraus Erfahrungen schöpfen – negative wie positive. All das formt uns und macht uns später aus. Oft lernen wir eine ganz neue Gefühlswelt kennen. Und wir können Erfahrungen sammeln, was uns guttut, wenn wir am Boden sind.
 



Können Leidtragende diese Phase auch positiv erleben?

C. Dehlinger: Ich höre oft, dass die Zeit der Trauer im Rückblick als wertschöpfend erlebt wird. Selbst in sehr schweren Fällen sagen Menschen oft: „Wenn das nicht geschehen wäre, hätte ich das andere nicht erfahren“. In vielen Fällen kommen die Betroffenen zu dem Schluss, dass das Schicksal ihnen zwar etwas genommen, zugleich aber auch etwas gegeben hat. Allerdings kann man diese Einsicht den Menschen, die ganz am Anfang ihrer Trauer stehen, nicht mit auf den Weg geben – nach dem Motto „Das wird schon alles gut“.
 



Sterbende wie auch Angehörige glauben manchmal, sie müssten stark sein ...

C. Dehlinger: Stark und tapfer sein, das bedeutet für mich, dass man wahrhaftig mit sich und anderen ist. Dazu gehört auch, dass man Fragen und Ängste anspricht. Das gilt für Sterbende genauso wie für die Zurückbleibenden.
 



Wenn das Sterben tabuisiert wird: Wie können Angehörige miteinander ins Gespräch kommen?

C. Dehlinger: Wenn man den Wunsch hat, das Thema Sterben anzusprechen, sollte man das Tabu einfach brechen. Das ist ein Sprung ins kalte Wasser – aber man ist oft überrascht, wie dankbar die anderen sind, wenn einer den ersten Schritt wagt. Und wenn es nicht so ist, dann können die anderen immer noch sagen: „Darüber will ich nicht reden“.
 



Was können Sie als Trauerpädagogin tun, um einem trauernden Menschen zu helfen?

C. Dehlinger: Das ist ganz individuell. Als Therapeutin ist für mich die wichtigste Frage, wie es dem oder der Trauernden jetzt, in dieser Stunde, geht. Mein Ziel ist es, dazu beizutragen, dass diese Stunde ein klein wenig besser wird als die vorangegangene.
 



Sie erleben beides: schmerzhafte Abschiede und gelungene. Was macht einen Abschied zu einem guten Abschied?

C. Dehlinger: Gelungen ist ein Abschied, wenn wir eine Form finden, unsere Gefühle zu leben. Das kann eine besondere Zeremonie bei der Bestattung sein, aber auch ein Ritual, das wir im Lauf der Zeit entwickeln. Auf keinen Fall sollte man sich durch Konventionen unter Druck setzen lassen.
 

Zur Person Christine Dehlinger
„Trauern ist Arbeit und es be­nötigt Zeit“, sagt Christine Dehlinger. Die 56jährige begann ihre berufliche Laufbahn als Fachkrankenschwester für Intensiv- und Notfallmedizin. Die unmittelbare Erfahrung mit Sterben und Trauer weckten in ihr den Wunsch, als Trauerpädagogin zu arbeiten. Ende der 80er-Jahre waren die Ausbildungsmöglichkeiten noch begrenzt. Es dauerte zehn Jahre, bis Christine Dehlinger ihre Ausbildung zur Trauerpädagogin beginnen konnte. Es folgten Weiterbildungen zur Traumaberaterin, zur systemischen Familienberaterin und zum Coach. Seit 2009 ist sie selbständig. Ihre Praxis befindet sich in einem alten Forsthaus in Härtsfeldhausen bei Bopfingen.