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Schilddrüse schonend behandeln

Ein Druckgefühl im Hals, Schluckbeschwerden oder eine kleine Vorwölbung, die im Spiegel immer mehr auffällt. Hinter solchen Beschwerden steckt häufig ein gutartiger Schilddrüsenknoten.

Schilddrüsenknoten können mittels Mikrowellenablation behandelt werden

Schilddrüsenknoten können mittels Mikrowellenablation behandelt werden

Schilddrüsenknoten sind weit verbreitet. Viele Menschen tragen einen oder mehrere Knoten in sich, ohne etwas davon zu bemerken. Oft fallen sie erst zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung auf. Probleme entstehen meist erst dann, wenn sie wachsen. Sie können auf Luftröhre oder Speiseröhre drücken, ein Fremdkörpergefühl verursachen oder das Schlucken erschweren. Manche verändern außerdem die Hormonproduktion der Schilddrüse und lösen eine Überfunktion aus. Andere werden vor allem deshalb als belastend empfunden, weil sie am Hals sichtbar werden. Führte früher bei solchen Beschwerden häufig kein Weg an einer Operation vorbei, so gibt es heute für viele Betroffene eine sanftere Alternative, die zudem keine sichtbare Narbe hinterlässt.

Wenn Wärme den Eingriff ersetzt

Mit der Mikrowellenablation steht eine moderne, besonders schonende Behandlungsmethode zur Verfügung, bei welcher der Knoten gezielt mit Wärme behandelt wird – ganz ohne Skalpell und ohne Vollnarkose. Am Marienhospital Stuttgart profitieren Patienten von einer engen Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie und der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Gemeinsam prüfen die Spezialisten, welche Therapie im Einzelfall die beste ist, begleiten die Behandlung und sorgen für eine umfassende Nachsorge.

Präzise behandeln – Gewebe erhalten

Der Name klingt technisch, das Prinzip ist einfach: Bei der Mikrowellenablation wird das veränderte Gewebe von innen gezielt erwärmt. Dazu führt der Radiologe unter ständiger Ultraschallkontrolle eine dünne Sonde in den Knoten ein. Die abgegebene Mikrowellenenergie erzeugt Hitze, die ausschließlich das erkrankte Gewebe zerstört. Anschließend baut der Körper dieses nach und nach selbst ab. Der Knoten schrumpft – und mit ihm verschwinden häufig auch Druckgefühl, Schluckbeschwerden oder die sichtbare Schwellung.

Der Eingriff, der unter örtlicher Betäubung erfolgt, dauert meist weniger als 15 Minuten und kommt ohne chirurgischen Schnitt aus. „Unser Ziel ist es, ausschließlich den Knoten zu behandeln und das gesunde Schilddrüsengewebe bestmöglich zu erhalten. Dank der permanenten Ultraschallkontrolle können wir äußerst präzise arbeiten“, erläutert Dr. Stephan Holl, Leitender Oberarzt und Facharzt für Diagnostische Radiologie.

Weniger Belastung, mehr Lebensqualität

Für viele Patienten liegt der größte Vorteil darin, dass die Schilddrüse erhalten bleibt. Während bei einer Operation häufig Teile des Organs entfernt werden müssen, konzentriert sich die Behandlung ausschließlich auf den krankhaften Bereich. Das bringt gleich mehrere Pluspunkte mit sich:
• keine sichtbare Narbe am Hals
• kein chirurgischer Schnitt
• Lokalanästhesie ist in der Regel ausreichend
• Erhalt der Schilddrüsenfunktion
• geringeres Risiko für Verletzungen des Stimmbandnervs
• kurze Behandlungsdauer
• schnelle Rückkehr in den Alltag

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Muss die Schilddrüse operativ entfernt werden, sind häufig lebenslang Schilddrüsenhormone erforderlich. Nach einer erfolgreichen Mikrowellenablation bleibt die natürliche Funktion des Organs dagegen oft vollständig erhalten. Gerade ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen profitieren von dieser körperlichen Entlastung.

Zwei Fachrichtungen, ein Ziel

Ob die Mikrowellenablation tatsächlich die richtige Therapie ist, entscheidet sich nicht allein anhand eines Ultraschallbilds. Vor jeder Behandlung wird zunächst sorgfältig abgeklärt, ob es sich tatsächlich um einen gutartigen Knoten handelt. Gegebenenfalls erfolgt zusätzlich eine Feinnadelpunktion.

Am Marienhospital Stuttgart beurteilen Experten der Radiologie und HNO-Klinik jeden Fall gemeinsam. Dieses interdisziplinäre Vorgehen sorgt dafür, dass alle Möglichkeiten berücksichtigt werden – von der minimalinvasiven Behandlung bis zur klassischen Operation. „Nicht jeder Knoten muss operiert werden – aber auch nicht jeder eignet sich für eine Thermoablation. Deshalb entscheiden wir gemeinsam, welche Therapie medizinisch sinnvoll und für die Betroffenen die beste ist“, sagt HNO-Ärztin Dr. Ines Hecht. Für Patienten bedeutet das: kurze Wege, abgestimmte Entscheidungen und eine Behandlung aus einer Hand.

Was passiert während der Behandlung?

Nach einer ausführlichen Voruntersuchung wird der Hals örtlich betäubt. Anschließend platziert der Radiologe die feine Sonde millimetergenau im Knoten. Mithilfe des Ultraschalls behält er dabei jederzeit auch empfindliche Strukturen wie Blutgefäße oder den Stimmbandnerv im Blick. Nach dem Eingriff bleibt nur eine kurze Beobachtungszeit. Bereits am nächsten Tag können die meisten Patienten ihren gewohnten Alltag wieder aufnehmen.

Der Erfolg zeigt sich Schritt für Schritt

Im Gegensatz zur Operation verschwindet bei einer Mikrowellenablation der Knoten nicht sofort. Stattdessen baut der Körper das behandelte Gewebe in den Wochen und Monaten nach dem Eingriff langsam ab. Die Verkleinerung erfolgt kontinuierlich – ebenso wie die Besserung der Beschwerden.

Internationale Studien zeigen, dass sich gutartige Schilddrüsenknoten langfristig deutlich verkleinern lassen. Regelmäßige Ultraschallkontrollen dokumentieren den Behandlungserfolg und geben den Patientinnen und Patienten zusätzliche Sicherheit.

Die Mikrowellenablation ist längst nicht nur bei Schilddrüsenerkrankungen im Einsatz. Sie gehört heute zu den wichtigsten minimalinvasiven Verfahren der interventionellen Radiologie und wird auch bei ausgewählten Tumoren anderer Organe
angewendet. So können etwa bestimmte Leber-, Nieren- oder Lungentumoren sowie einzelne Metastasen gezielt zerstört werden, wenn eine Operation nicht möglich oder sinnvoll ist. Stets gilt dasselbe Prinzip: krankhaftes Gewebe möglichst vollständig beseitigen und gesundes Gewebe bestmöglich schonen.

Gemeinsam die beste Lösung finden

Die Mikrowellenablation ersetzt die klassische Schilddrüsenoperation nicht grundsätzlich. Für viele Menschen mit gutartigen Schilddrüsenknoten eröffnet sie jedoch eine ebenso wirksame wie deutlich schonendere Behandlungsoption. Gerade die enge Zusammenarbeit zwischen Radiologie und HNO-Klinik macht dabei den Unterschied. Beide Fachrichtungen bündeln ihre Erfahrung und entwickeln gemeinsam das individuell passende Therapiekonzept. 

„Es geht nicht darum, möglichst viele Ablationen durchzuführen. Entscheidend ist, für jeden Menschen die beste Behandlung zu finden. Wenn wir dabei die Schilddrüse erhalten und gleichzeitig die Beschwerden beseitigen können, gewinnen viele Betroffene ein großes Stück Lebensqualität zurück“, resümiert Radiologe Dr. Stephan Holl.

Dieser interdisziplinäre Ansatz zeigt, wie sich moderne Medizin weiterentwickelt: Neue Verfahren eröffnen zusätzliche Möglichkeiten,
ohne Bewährtes zu ersetzen. Entscheidend ist, für jeden Menschen die Therapie zu wählen, die medizinisch sinnvoll und zugleich so schonend wie möglich ist.

Für wen eignet sich das Verfahren?
Die Mikrowellenablation kommt insbesondere infrage bei gutartigen Schilddrüsenknoten, die Beschwerden verursachen oder kosmetisch stören. Auch wachsende Knoten, sogenannte „heiße“ Knoten mit Hormonüberproduktion sowie ein erhöhtes Operationsrisiko sprechen häufig für dieses Verfahren. Nicht jede Veränderung der Schilddrüse kann jedoch auf diese Weise behandelt werden. Besteht der Verdacht auf Krebs oder liegen bestimmte andere Erkrankungen vor, bleibt eine Operation oftmals die beste Therapie. 

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN

Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie
Telefon: 0711 6489-2601
radiologie@vinzenz.de

Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
Telefon: 0711 6489-2508
hno@vinzenz.de