Operative Verfahren
In unserer Klinik behandeln wir pro Tag im Durchschnitt 15 Patienten in drei Operationseinheiten (und einem septischen Operationssaal). Rund die Hälfte der Eingriffe im Bauchraum erfolgen minimal-invasiv, also mittels „Schlüssellochchirurgie“ ohne große Narben. Alle Operationssäle sind deshalb mit fahrbaren modernen Laparoskopieeinheiten ausgestattet.
Je nach Krankheitsbild wenden wir unterschiedliche Operationsverfahren an. So kommt etwa bei Eingeweidebrüchen die sogenannte Hernienchirurgie zum Einsatz, bei Tumorerkrankungen die onkologische Chirurgie. Für manche Erkrankungen wurden in den letzten Jahren sehr spezielle Techniken entwickelt. So lässt sich zum Beispiel die Gallenblase nur über einen einzigen Schnitt in die Bauchdecke entfernen (Single-Port-Verfahren). Und selbst größere Brüche in der Bauchwand können wir heute mit besonderen Methoden schonend operieren (TAPP-Verfahren).
Unsere Leistungen im Detail

Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) und Zytoreduktive Chirurgie
Die Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie, so genannte HIPEC, wird zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Bauchfells eingesetzt.
Sie erfolgt immer in Kombination mit einer zytoreduktiven Chirurgie inklusive partieller Entfernung des Bauchfells mit dem Ziel der Tumorfreiheit im Bauchraum.
Sie ist nicht bei jeder Krebserkrankungen des Bauchraumes mit Beteiligung des Bauchfells sinnvoll und erfolgt nur bei ausgewählten Indikationen.
Krankheitsbilder des Bauchfells:
- Peritonealkarzinose, d.h. Metastasen des Bauchfells
- Peritonealkarzinose bei kolorektalem Karzinom
- Peritonealkarzinose bei Magenkarzinom
- Peritonealkarzinose bei neuroendokrinen Karzinomen - Pseudomyxoma peritonei
- Primäres Karzinom des Peritoneums
- Mesotheliom des Peritoneums
Zytoreduktive Chirurgie (CRS):
Unter dem Begriff „zytoreduktive Chirurgie“ bezeichnet man die komplette operative Entfernung des bösartigen Tumors eines erkrankten Organs in Kombination mit der operativen Entfernung des befallenen Bauchfells (Peritonektomie).
HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie):
HIPEC bezeichnet eine Spülung des gesamten Bauchraumes mit einer Chemotherapielösung, welche auf eine Temperatur von 41,5°C erwärmt wird. Dadurch können auch mit dem bloßen Auge nicht sichtbare kleinste Tumorzellen im Bauchraum erfasst und abgetötet werden.

An Schwachstellen kann die Bauchwand aufbrechen (Hernie)
Mit weit über 1000 Hernienoperationen pro Jahr ist unsere Klinik eine der größten und erfahrendsten Kliniken Deutschlands. Ein Großteil der Eingriffe nehmen wir laparoskopisch per Bauchspiegelung vor. Dazu gehören vor allem Leistenbruchoperationen. Üblicherweise werden die Bruchstellen mit einem künstlichen Netz verstärkt. Ausnahmen bilden sehr kleine Nabelbrüche. An unserer Klinik bieten wir alle aktuellen und wissenschaftlich belegten Verfahren an.
An der Entwicklung innovativer Verfahren beteiligt
Das Marienhospital Stuttgart spielte bei der Entwicklung der laparoskopischen Leistenbruchoperation eine entscheidende Rolle. Hier wurde die sogenannte TAPP-Technik (transabdominelle präperitoneale Netzplastik) in den letzten 20 Jahren mitentwickelt. Letztere stellt das derzeit gängigste minimal-invasive Verfahren dar. Die umfangreichsten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Verfahren stammen aus dem Marienhospital. Weltweit gehören wir zu den Kliniken mit den meisten durchgeführten Eingriffen.

Schonend per „Schlüssellochtechnik“ operieren
Minimal-invasive Chirurgie bezeichnet Operationen, die über eine Bauchspiegelung erfolgen. Bei einem solchen Eingriff wird zunächst Ihre Bauchhöhle über eine am Bauchnabel eingebrachte Nadel mit Gas (Kohlendioxid) gefüllt. Dadurch wird der Darm zurückgedrängt, und gleichzeitig dehnt sich die Bauchdecke. So entsteht Raum für die nachfolgende Operation. Anschließend setzen wir mehrere kleine Schnitte in der Bauchdecke. In diese werden Hülsen mit Dichtungsmechanismen (Trokare) gesteckt, die einen Durchmesser von 5–10 mm haben. Durch die Trokare bedienen wir die laparoskopischen Instrumente.
Kürzerer Krankenhausaufenthalt und schnellere Erholung
Am Nabel führen wir beispielsweise eine Optik in den Bauch ein, an deren Ende eine Kamera aufsitzt. Sie überträgt das Bild des Bauchinneren auf einen Videoschirm. Über weitere in den Bauchraum eingebrachte Instrumente (Schere, Zange, Präparierhäkchen) können wir an vielen Organen Eingriffe ohne großen Bauchschnitt vornehmen. Aufgrund des minimal-invasiven Verfahrens haben Sie weniger Schmerzen, und Ihr Krankenhausaufenthalt verkürzt sich wesentlich. Damit einhergehend erholen Sie sich bedeutend rascher und und können bald wieder Ihrer Alltagsroutine nachgehen.
Welche Operationen erfolgen in der Regel minimal-invasiv?
Folgende Eingriffe führen wir am Marienhospital per „Schlüssellochchirurgie“ durch:
- Bauchwand- und Leistenbruchoperation (> 1000 Eingriffe/Jahr)
- Gallenblasenentfernung (> 400 Eingriffe/Jahr)
- Blinddarmoperation (> 200 Eingriffe/Jahr)
- Dickdarm- und Mastdarmentfernung (> 300 Eingriffe/Jahr)
- Operation bei der Refluxkrankheit (> 50 Eingriffe/Jahr)
- Lösen von Verwachsungen
- Operationen an Milz, Bauchspeicheldrüse und Nebenniere
Eingriffe offen oder laparoskopisch möglich
Bei einer Darmresektion werden Teile des Darms entfernt. In unserer Klinik wenden wir vier standardisierte Operationsverfahren bei Dickdarmkrebs an:
- Hemikolektomie rechts: Bei einem Karzinom am aufsteigenden Dickdarmanteil wird der halbe Dickdarm entfernt.
- Hemikolektomie links: Hier ist der absteigende Dickdarmanteil betroffen; es muss ebenfalls der halbe Dickdarm entfernt werden.
- Querkolonresektion: Bei einem Karzinom im querverlaufenden Ast des Kolons muss das Querkolon entfernt werden. Findet sich die Geschwulst nahe der rechten Kolonbiegung, erfolgt die Hemikolektomie rechts. Liegt die Geschwulst nahe der linken Kolonbiegung, erfolgt die Hemikolektomie links.
- Sigmaresektion: Die bösartige Geschwulst entsteht im S-förmigen (sigmoiden) Teil des Dickdarms, dem Krummdarm. Dieser Abschnitt muss deshalb entfernt werden.
Im Marienhospital führen wir jährlich rund 350 Resektionen an Dick- und Mastdarm bei verschiedenen Krankheitsbildern durch.
Gallenblase schonend mittels kleiner Schnitte entfernen
Das Entfernen der Gallenblase heißt medizinisch Cholecystektomie. Diesen Eingriff nehmen wir in unserer Klinik überwiegend minimal-invasiv per Bauchspiegelung vor. Statistisch gesehen treten Komplikationen nur in weniger als zwei Prozent der Fälle auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass es infolge der Gallenblasenentfernung zu Beschwerden an anderer Stelle kommt (Konversionsrate), beträgt 0,8 Prozent.
Folgende operativen Schritte erfolgen:
- Zunächst setzen wir in der Nähe des Bauchnabels ein kleines Loch, durch das eine Miniaturkamera in den Bauchraum geschoben wird. Danach folgen drei weitere Schnitte zum Einführen der Instrumente: einer im Oberbauch und zwei auf der rechten Seite unter dem Rippenbogen. Mithilfe der Geräte lässt sich die Gallenblase nach oben strecken und freipräparieren.
- Die Gallenblase ist in der Bauchhöhle an der Leber, am Gallenblasengang und an einer Arterie (Arteria cystica) befestigt. Die beiden letztgenannten werden ebenfalls freipräpariert und später durchtrennt. Bei diesem Vorgang ist darauf zu achten, dass der Hauptgallengang nicht verletzt wird.
- Anschließend werden der Gallenblasengang und die Arterie mit jeweils drei Metallclips verschlossen. Dabei durchtrennen wir sie so, dass noch je zwei Clips den Stumpf der Struktur sichern. Danach wird die Gallenblase aus der Leber herausgeschält.
- Durch das bislang für die Kameraoptik benutzte Loch am Bauchnabel führen wir jetzt ein größeres Rohr mit einem Durchmesser von rund 2 cm ein. Über dieses wird die Gallenblase beseitigt.
Im Marienhospital entfernen wir jährlich etwa 500 bis 600 Gallenblasen.
Chance auf Heilung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Die Whipple'schen Operation ist eine sehr komplexe und radikale Operation. Benannt wurde sie nach dem amerikanischen Chirurgen Allen Whipple. Er trug zur Entwicklung des Verfahrens entscheidend bei. Der Eingriff wird in unserem Pankreaszentrum vorgenommen.
Die Operation wenden wir vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs an. Allerdings nur, wenn der Tumor die Grenzen der Bauchspeicheldrüse noch nicht überschritten hat und keine Metastasen im Körper gefunden wurden. Es werden Anteile des Magens und des Bauchspeicheldrüsenkopfs, der gesamte Zwölffingerdarm sowie Teile des Hauptgallengangs und die Gallenblase entfernt. Danach erfolgt eine aufwendige Rekonstruktion des Verdauungswegs im Oberbauch.
Nach der Operation
Damit auch nach der Operation Ihre Verdauung funktioniert, müssen Sie lebenslang Verdauungsenzyme in Medikamentenform einnehmen. Das blutzuckersenkende Insulin erhalten Sie per Spritze.
Chronische Pankreatitis operativ behandeln
Für Patienten mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung steht als operatives Verfahren die „Duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion“ nach Beger zur Verfügung (Duodenum = Zwölffingerdarm, Resektion = operative Teilentfernung eines Organs).
Bei dieser Technik schälen wir nur den chronisch entzündeten Kopf der Bauchspeicheldrüse aus. Anschließend schließen wir eine Dünndarmschlinge an den linksseitigen Rest der Bauchspeicheldrüse und an den ausgeschälten Kopfbereich an.
Vorteile der OP-Technik
- Im Gegensatz zur Whipple'schen Operation müssen keine weiteren Organe entfernt werden.
- Die Rate an frühen und späten postoperativen Komplikationen ist deutlich geringer.
Im Marienhospital führen wir jährlich rund 50 Operationen an der Bauchspeicheldrüse durch. Davon zu einem Fünftel die duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion.















