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Aktuelles

Von Kontrollpunkten, Autos und LKWs

Die moderne Krebstherapie hat ein verwirrendes Vokabular, stimmt aber hoffnungsvoll

Im Interview: Krebsspezialist Prof. Dr. med. Claudio Denzlinger, Ärztlicher Direktor der Onkologischen Klinik im Marienhospital Stuttgart

Im Interview: Krebsspezialist Prof. Dr. Claudio Denzlinger

Der Medizin-Nobelpreis 2018 ging an zwei Forscher, welche die Grundlagen der Checkpoint-Therapie gegen Krebs gelegt haben. Neuartige Tumor-Behandlungsmethoden sind seither häufiger Thema in den Medien. marien fragte Professor Dr. med. Claudio Denzlinger, welche der neuen Therapien Krebspatienten helfen können. Professor Denzlinger ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin 3 des Marienhospitals. Diese ist auf Krebsbehandlungen spezialisiert.


Checkpoint-Therapie

marien: James P. Allison und Tasuku Honjo haben 2018 den Medizin-Nobelpreis erhalten. Wie nutzt die von ihnen begründete Checkpoint-Therapie Krebspatienten?

Professor Denzlinger:Checkpoint bedeutet Kontrollpunkt. Das bezieht sich auf Kontrollpunkte für die Aktivität unseres Immunsystems. An diesen Punkten entscheidet sich, wie der Körper auf Gefahren reagiert; also beispielsweise auf Bakterien, Viren oder auch Krebszellen. Auch im Körper Gesunder bilden sich laufend Krebszellen. Diese werden aber von der körpereigenen Immunabwehr vernichtet. Bei Krebspatienten ist der Körper nicht in der Lage, die Erkrankung wirksam zu bekämpfen. Grund sind die T-Zellen, die normalerweise Krebszellen töten. Sie werden über die Checkpoints nicht unterstützt, sondern gehemmt. Die beiden Nobelpreisträger haben erkannt, dass bestimmte Medikamente die hemmenden Einflüsse ausschalten können („Checkpoint-Inhibitoren“). Sie können die körpereigene Immunabwehr so aktivieren, dass diese die Krebszellen vernichtet.

marien: Werden die noch recht neuen Checkpoint-Inhibitoren heute bereits eingesetzt?

Professor Denzlinger: Die Mittel sind für viele Erkrankungen schon zugelassen und werden im Marienhospital eingesetzt. Zum Beispiel bei Lungen- und Hautkrebs, HNO-Tumoren, urologischen Tumoren, Leberkrebs oder Hodgkin-Lymphom. Für viele andere Krebsarten stehen die Checkpoint-Inhibitoren kurz vor der Zulassung. Das gilt zum Beispiel für Darm-, Magen- und Brustkrebs. Am Marienhospital nehmen wir an klinischen Studien teil, die der Weiterentwicklung des Einsatzbereichs dieser Mittel dienen. Manchmal gibt es Situationen, in denen noch keine Zulassung vorliegt, aber eine Erfolgsaussicht besteht. Hier stellen wir einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse.

marien: Das klingt sehr positiv. Aber wie ist es mit Nebenwirkungen?

Professor Denzlinger: Nebenwirkungen sind möglich. Zum Beispiel kann das Immunsystem zu stark angeregt werden. Es treten Organentzündungen auf, die behandelt werden müssen. Dennoch überwiegt sicher der Nutzen der neuen Medikamente.


CAR- und TRUCK-Therapie

marien: In den Medien hört man von zwei weiteren neuen Therapieformen; der CAR-T- und neuerdings der TRUCK-Therapie. Was hat es mit denen auf sich?

Professor Denzlinger: CAR-T-Zellen sind gewissermaßen lebendige Medikamente. Man entnimmt dem Patienten zunächst Blut. Darin enthaltene weiße Blutzellen modifiziert man im Reagenzglas mithilfe gentechnischer Verfahren und gibt sie dann dem Patienten zurück. Die modifizierten T-Zellen können Tumorzellen erkennen und abtöten.

marien: Wird dieses Verfahren im Marienhospital schon angewendet?

Professor Denzlinger: Für bestimmte schwer behandelbare Leukämien und Lymphome (Blutkrebs und Lymphkrebs) sind die Mittel zugelassen. Und es wird bald weitere Krebsarten geben, die sich damit behandeln lassen. Die Behandlung ist sehr teuer und kostet rund 300.000 Euro. Denn die Mittel müssen für jeden Patienten aufwendig individuell hergestellt werden. Die modifizierten T-Zellen sind sehr wirksam, aber es treten oft auch starke Nebenwirkungen auf. Im Großraum Stuttgart bietet bislang keine Klinik das Verfahren an. Wäre die Therapie aber für einen konkreten Patienten aus unserer Sicht wichtig, können wir Kontakte vermitteln. Etwa zu Universitätskliniken im In- und Ausland, wo das Verfahren schon im Einsatz ist. Es wird nur angewendet, wenn bewährte Methoden nicht angeschlagen haben.

TRUCK ist eine Weiterentwicklung der CAR-Therapie. Mit Autos haben beide nichts zu tun. CAR bedeutet „Chimären Antigen-Rezeptor“. TRUCK ist die Abkürzung für „T cells redirected for universal cytokine-mediated killing“.


Personalisierte Therapie

marien: Schon länger ist im Marienhospital die personalisierte Therapie im Einsatz.

Professor Denzlinger: Ja, dabei werden Gewebe oder Blut des Patienten auf veränderte Gene hin untersucht. Diese kommen nur bei Krebs vor und treiben ihn an. Ziel: defekte Gen wie zum Beispiel eine sogenannte Treibermutation genau eingrenzen und dadurch den Krebs sehr zielgerecht behandeln. Es gibt einzelne regelhaft zu bestimmende Mutationen. Abgesehen davon sind die ausführliche genetische Untersuchung und daraus abgeleitete Behandlungen noch keine Kassenleistungen. Wir beantragen sie aber für alle Patienten, die unserer Einschätzung nach von der Behandlung profitieren.


Wie realistisch ist „Vision Zero“?

marien: Die neuen Methoden klingen erfolgversprechend. Gesundheitsminister Jens Spahn hat sogar neulich den Begriff „Vision Zero“ in die Debatte geworfen. Das bedeutet, dass eines Tages niemand mehr schwer an Krebs erkrankt oder daran stirbt. Ist das realistisch?

Professor Denzlinger: Als ich vor siebzehn Jahren ans Marienhospital kam, hat mich das unser damaliger Geschäftsführer auch schon gefragt. Es war kurz zuvor der damals revolutionäre Tyrosinkinasehemmer zur Behandlung der Chronisch Myeloischen Leukämie (CML) auf den Markt gekommen. CML ist eine bestimmte Art von Blutkrebs. Die Therapie führte dazu, dass von CML Betroffene heute meist fast die gleiche Lebenserwartung wie Gesunde haben. Vorausgesetzt sie nehmen das Medikament dauerhaft ein.

Die Chancen, Krebserkrankungen zu bremsen oder ganz  zu heilen, verbessern sich von Jahr zu Jahr. Aber die meisten Krebsarten sind viel komplizierter als die CML. Und Krebs ist noch lange nicht ausgerottet. Man kann hoffen, dass Krebs irgendwann eine Krankheit wie Bluthochdruck oder Diabetes wird. Bei guter Therapie können Sie damit lange und mit guter Lebensqualität leben.


Fünf Kugeln als Symbole

marien: Eine letzte Frage: Was sind das da für Kugeln auf Ihrem Tisch?

Professor Denzlinger: Sie zeigen im Maßstab eins zu eins, wie etwa bei Blutkrebs aus einer winzigen Zahl Krebszellen innerhalb kurzer Zeit eine riesige Menge werden kann. Sie zeigen aber auch, wie sich diese große Zahl an Krebszellen mit der passenden Therapie oft ebenfalls in wenigen Tagen verringern lässt. Die Kugeln symbolisieren also den Ernst einer Krebserkrankung. Aber auch, dass sie heute in vielen Fällen gut behandelbar ist.