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Aktuelles

Serie Diabetes: Bewegung gegen hohe Werte

Warum Sport ein echtes Therapietool ist. Viele Menschen wissen: Bewegung tut gut. Doch nur wenige ahnen, wie stark regelmäßige körperliche Aktivität den Blutzuckerspiegel beeinflussen kann – und damit eine entscheidende Rolle in der Behandlung und Vorbeugung von Diabetes spielt. Schon kleine Schritte haben große Wirkung und Patienten können Bewegung gezielt für ihre Gesundheit nutzen. Anja Dautel vom Patienten-Informationszentrum am Marienhospital stellte die Fragen; beantwortet hat sie Susana Burkert, Diabetesberaterin (DDG) im Haus.

Diabetes mellitus gehört zu den viel zitierten Volksleiden in Deutschland

Diabetes mellitus gehört zu den viel zitierten Volksleiden in Deutschland

Anja Dautel vom Patienten-Informationszentrum (PIZ) stellte Fragen

Anja Dautel vom Patienten-Informationszentrum (PIZ) stellte Fragen

Diabetesberaterin (DDG) Susana Burkert gab Antworten

Diabetesberaterin Susana Burkert gab Antworten

Warum hilft Bewegung eigentlich, den Blutzucker zu senken?

Bewegung tut nicht nur dem Körper gut, sondern kann auch vor Typ-2-Diabetes schützen oder bei bestehender Erkrankung den Blutzucker senken. Wenn sich die Muskeln bewegen, brauchen sie Energie – diese holen sie sich in Form von Zucker (Glukose) aus dem Blut. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Außerdem werden bei Aktivität Botenstoffe aus den Muskeln freigesetzt, die den Stoffwechsel anregen und Entzündungen im Körper hemmen können.

Regelmäßige Bewegung macht die Körperzellen zudem empfindlicher für Insulin. So können sie den Zucker einfacher und schneller aufnehmen. Das verbessert den Blutzucker auch langfristig und wirkt der sogenannten Insulinresistenz entgegen.



Wieviel Sport sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes machen, damit sich ein positiver Effekt einstellt?

Prinzipiell kann man sich nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) richten. Diese empfiehlt drei- bis viermal pro Woche 30 bis 60 Minuten Ausdauertraining plus zweimal pro Woche Krafttraining. Wir wissen aber auch, dass die Empfehlung für viele Patienten schwer umzusetzen ist. Die gute Nachricht ist, dass jede noch so kurze körperliche Aktivität einen positiven Effekt hat. Machen Sie das, was für Sie möglich ist, damit ist schon viel gewonnen.



Was raten Sie Menschen, die lange keinen Sport gemacht haben? Worauf sollten sie zu Beginn besonders achten?

Zu Beginn empfiehlt es sich für Personen mit Typ-2-Diabetes, die lange keinen Sport gemacht haben, ärztlichen Rat oder die Unterstützung von geschultem Fachpersonal einzuholen. Insbesondere, wenn blutzuckersenkende Medikamente eingenommen werden oder Insulin gespritzt wird. Dadurch können Risiken wie Unterzuckerung oder andere Stoffwechselentgleisungen rechtzeitig erkannt und vermieden werden. Es ist ratsam, vor Beginn und nach der Bewegungseinheit den Blutzucker zu messen, um die Reaktion des Körpers auf körperliche Aktivität besser einschätzen zu können. Während des Trainings sollte stets Wasser griffbereit sein und zur Sicherheit Traubenzucker oder etwas Saft mitgeführt werden, um im Fall eines Blutzuckerabfalls schnell reagieren zu können.

Zudem besteht die Möglichkeit, bei der Krankenkasse nach einer Diabetiker-Sportgruppe zu fragen. In solchen Gruppen trainieren Betroffene gemeinsam mit anderen und unter Anleitung speziell geschulter Trainer. Diese bieten zusätzliche Sicherheit und erleichtern insbesondere den Einstieg in einen aktiveren Lebensstil.



Gibt es noch weitere Aspekte, die Typ-2-Diabetiker nach dem gelungenen Einstieg in den Sport beachten sollten?

Wer übergewichtig ist, tut seinen Gelenken einen Gefallen, wenn er gelenkschonende Sportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Wassergymnastik oder beispielsweise Qigong wählt. Für alle Menschen mit Diabetes – ganz besonders bei bestehender Neuropathie – ist empfehlenswert, auf gut passende Sportschuhe und Sportsocken zu achten sowie nach der Sporteinheit die Füße sorgfältig auf kleine Verletzungen oder wunde Stellen zu kontrollieren.

Trainiert jemand in einer Gruppe oder im Verein, kann es sinnvoll sein, die Leitung über die Diabetes-Erkrankung zu informieren, damit im Notfall schnell geholfen werden kann.

Sport und Bewegung nach dem Essen hilft, Blutzuckerspitzen abzufangen – das lässt sich gezielt nutzen. Dafür braucht es kein klassisches Training: Auch Alltagsaktivitäten wie Spazierengehen, Treppensteigen oder Gartenarbeit können den Blutzucker positiv beeinflussen.



Möchten Sie damit sagen, dass Typ-2-Diabetes durch Sport und Bewegung heilbar ist?

Der Typ-2-Diabetes ist damit nicht heilbar, aber man kann die Erkrankung zumindest positiv beeinflussen. Ein kurzer Spaziergang hin und wieder reicht dabei meist nicht aus. Dennoch lässt sich die Erkrankung positiv beeinflussen. Da Diabetes wie viele andere Krankheitsbilder stark vom Lebensstil abhängt, können Betroffene selbst viel für ihre Gesundheit tun.

Ein regelmäßig durchgeführtes, langfristiges Bewegungsprogramm kann die Blutzuckerwerte deutlich verbessern – manchmal so stark, dass keine blutzuckersenkenden Medikamente mehr notwendig sind. Das ist ein großer Vorteil, weil dadurch mögliche Nebenwirkungen entfallen. Wenn zusätzlich das Körpergewicht reduziert und die Ernährung dauerhaft umgestellt werden, kann der Typ-2-Diabetes sogar in eine sogenannte Remission übergehen. Das bedeutet, dass die Blutzuckerwerte über längere Zeit im normalen Bereich liegen – und dies ganz ohne Medikamente. Auch das Risiko für Herzkreislauf- und andere Folgeerkrankungen sinkt merklich.

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