Zwischen Winter und Frühling
Als ich heute Morgen aufwachte, begrüßte mich der Gesang der Vögel vor meinem Fenster. Kaum andere Geräusche waren zu vernehmen. Ein Blick nach draußen zeigte mir vielfältige Boten des Frühlings: Knospen und erste, zarte grüne Blätter an den Ästen der Bäume, Sträucher, die zu blühen beginnen, Gänseblümchen und andere Blumen, die sich der Sonne entgegenstrecken. Ruhezeiten oder Brachzeiten, wo etwas wachsen und reifen kann, braucht die Natur und auch wir Menschen, um zur Ruhe zu kommen und Kräfte zu sammeln.
Manche mögen den Winter als Brachzeit empfinden: Das normale Leben ist zurückgefahren, der Alltag ist verlangsamt, wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Doch oft kommen auch Unruhe und Zweifel, Angst und Unsicherheit, Einsamkeit und Leere auf. Dann tut ein Blick nach draußen gut. Neues Leben, langsam, zart und vorsichtig bricht hervor. Zeichen von Hoffnung, dass nach jedem Winter der Frühling anbricht. Von der Schöpfung, dem Wechsel der Jahreszeiten können wir Geduld, Vertrauen und Gelassenheit lernen, dass nach jeder Brachzeit neues Leben entstehen kann.
»Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.«
Matthäus 6, 34
Gottes Verheißung greift: Ich schaffe neues Leben
Viele biblische Geschichten erzählen von Hoffnung und dem Vertrauen in Gott, dass in diesem Spannungsfeld von Scheitern und Gelingen, von Unsicherheit und Halt, von Angst und Zuversicht – den Brachzeiten des Lebens – Gottes Verheißung greift: Ich schaffe neues Leben. Dabei kann sich unsere Aufmerksamkeit auf die Hoffnung richten, dass im Unscheinbaren, Alltäglichen, den kleinen Dingen das Große und Wunderbare liegt.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, dass wir in dieser Brachzeit die kleinen Botschaften und Zeichen des neuen Lebens finden: in der erwachenden Natur, dem Lauschen des Vogelgesangs, einem Sonnenstrahl, der vertrauten Stimme am Telefon, einem Lied, das unsere inneren Saiten zum Klingen bringt, einem Bild, das Geschichten erzählt, Gedanken, die aufrichten oder einem Gebet, das unser Vertrauen in Gott tiefer werden lässt.
Ihr Pfarrer Thomas Krieg, Klinikseelsorger im Marienhospital Stuttgart

















