Eingesetzt wird das Opertionssystem insbesondere in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie in der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, wo er minimalinvasive Tumoroperationen in schwer zugänglichen Bereichen erlaubt – eine bundesweit seltene Pionierleistung.
Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten
Als Herr R., 58 Jahre, im April 2025 in die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Marienhospitals Stuttgart kam, ahnte er noch nicht, dass sich sein Leben bald grundlegend verändern würde. Bekannt war ihm seine Sigmadivertikulose, eine Erkrankung, bei der sich Aussackungen im Darm bilden. Nun war eine Entzündung aufgetreten – und sie hatte bereits an einer Stelle den Darm durchbrochen. „Ich hatte starke Bauchschmerzen und wusste, dass etwas nicht stimmt“, erinnert sich Herr R. Zunächst halfen Antibiotika, um die akute Gefahr zu lindern.
Acht Wochen später erfolgte die planmäßige Kontrolle: eine Darmspiegelung (Koloskopie), um sicherzustellen, dass die Divertikulose keine bleibenden Engstellen hinterlassen hatte. Doch statt eines Engpasses entdeckten die Ärzte etwas anderes: einen Tumor im hinteren Abschnitt des Dickdarms. „Es war ein Zufallsbefund, aber ein entscheidender“, sagt Professor Dr. Carina Riediger M. Sc., Ärztliche Direktorin der Klinik. „Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen wie die Darmspiegelung sind. Sie retten Leben.“
Ein neuer Ansatz: der da Vinci Xi
Im August wurde Herr R. operiert – auf eine Weise, die ihm und seinem Umfeld neue Hoffnung gab: mittels roboterassistierter Chirurgie mit dem Operationssystem da Vinci Xi. Seit Juli 2025 ist dieser hochmoderne Operationsroboter am Marienhospital im Einsatz. Mit vier robotischen Armen, einer 3-D-HD-Kamera und feinfühligen Instrumenten ermöglicht er Chirurgen, selbst in schwer zugänglichen Körperregionen präzise und schonend zu arbeiten – oft über winzige Schlüssellochzugänge.
„Die Robotik unterstützt ein besonders präzises, fein gesteuertes Arbeiten und eröffnet uns neue chirurgische Möglichkeiten“, erklärt Professor Carina Riediger. „Gerade bei Tumoren im Enddarm, Bauchraum oder der Brusthöhle können wir damit sicher und zugleich schonender operieren.“
Dank des Roboters konnte bei Herrn R. der bösartige Tumor im unteren Darmbereich entfernt werden. Dabei wurde der erkrankte Darmabschnitt samt der umliegenden Lymphknoten entfernt, um sicherzustellen, dass kein Krebsgewebe zurückbleibt – ein entscheidender Schritt, um den Tumor vollständig zu entfernen und die Heilungschancen zu erhöhen. Die Operation verlief ohne Komplikationen, und schon sechs Tage später konnte Herr R. das Krankenhaus verlassen. „Ich hatte große Angst vor Schmerzen und einem langen Krankenhausaufenthalt. Aber ich war überrascht, wie schnell es mir besser ging. Ich hatte das Gefühl, dass der Körper weniger traumatisiert wurde als bei einer klassischen Operation“, berichtet er.
Erprobte Robotik, erweitertes Potenzial
Moderne robotische Systeme haben sich in den vergangenen Jahren erheblich weiter verfeinert und ermöglichen ein äußerst stabiles, vergrößertes und detailreiches Bild des Operationsfeldes sowie eine millimetergenaue Übertragung der Handbewegungen des Operateurs – ohne Zittern, ohne Einschränkungen des Bewegungsspektrums. Damit kombiniert die minimalinvasive Technik höchste Präzision mit größtmöglicher Schonung des Gewebes.
Hightech trifft Teamwork
Eine roboterassistierte Operation ist Teamarbeit auf höchstem Niveau: Während ein Chirurg an der Konsole sitzt und die Instrumente des Roboters millimetergenau steuert, bleibt ein zweiter Chirurg direkt beim Patienten am OP-Tisch. Dort wechselt er die Instrumente, saugt die Operationsstelle ab und greift im Bedarfsfall unterstützend ein.
Auch die Anästhesie und das OP-Pflegepersonal sind eng eingebunden. Jeder Handgriff ist geplant, jede Bewegung abgestimmt – ein perfekt orchestriertes Zusammenspiel. Oberarzt Dr. Julian Schnurr aus der Klinik für Anästhesiologie erklärt: „Da der Roboter viel Platz einnimmt, ist eine sorgfältige Planung essenziell – zum Beispiel, wie in kritischen Situationen zusätzliche Zugänge schnell angelegt werden können. Das verlangt enge und frühzeitige Abstimmung im Team.“
Und auch Marlene Kirschner, Bereichsleitung OP-Pflege, beschreibt den Wandel: „Die Arbeit mit dem da Vinci war zunächst eine Umstellung, aber sie bereichert unseren Arbeitsalltag enorm. Wir übernehmen neue Aufgaben, koordinieren Instrumente und Positionierung, und lernen, noch enger im Team zusammenzuarbeiten.“
Für die Chirurgen selbst bedeutet die Technologie eine völlig neue Präzision: „Man kann Bewegungen ‚um die Ecke‘ ausführen; das war vorher nicht möglich“, erklärt Professor Riediger. „Das reduziert das Risiko für den Patienten und ermöglicht eine schonende Entfernung von Tumoren, selbst in schwer zugänglichen Bereichen.“
Mehr Lebensqualität dank Robotik
Moderne Robotik macht Operationen nicht nur präziser, sondern sorgt auch dafür, dass Patienten schneller wieder fit sind und ihre Lebensqualität erhalten bleibt. Die Vorteile für Patienten sind belegt:
- kleinste Zugänge statt großer Schnitte
- weniger Schmerzen und Komplikationen
- kaum sichtbare Narben
- weniger Blutverlust
- reduziertes Infektionsrisiko
- schnelle Mobilisation und kürzere Klinikaufenthalte
- schnelle Rückkehr in den Alltag
HNO-Chirurgie: Pionierarbeit am Marienhospital
Während die roboterassistierte Methode in der Viszeral- und Thoraxchirurgie zunehmend etabliert ist, gilt die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Marienhospital als Vorreiter in Deutschland. Tumoren an schwer zugänglichen Stellen wie Zungengrund oder Rachen lassen sich nun minimalinvasiv über den Mundraum entfernen. Früher waren hierfür große äußere Schnitte nötig – mit sichtbaren Narben, langen Heilungsverläufen und oft zusätzlicher Strahlen- oder Chemotherapie.
Oberarzt Dr. Ulrich Hay beschreibt: „Mit dem da Vinci Xi sitzen wir quasi mitten im Körper. Die Bildqualität ist so hoch, dass wir selbst feinste Strukturen erkennen. Das schafft Sicherheit, die mit herkömmlichen Instrumenten kaum möglich wäre.“ Assistenzärztin Dr. Ines Hecht ergänzt: „Für Patienten ist es ein echter Gewinn, denn es bedeutet geringere Schmerzen, keine sichtbaren Narben und eine schnelle Rückkehr in den Alltag.“
Frau M., 62 Jahre, wurde wegen eines Tumors am Zungengrund operiert: „Ich konnte bereits nach wenigen Tagen wieder normal sprechen und schlucken. Niemand sieht, dass ich operiert wurde – das war für mich ein kleines Wunder.“
Präzision für die Zukunft: Ausbildung und Forschung
Robotische Chirurgie eröffnet auch für das ärztliche Personal neue Perspektiven. Junge Ärztinnen und Ärzte werden intensiv geschult, können moderne Verfahren anwenden und arbeiten in einem Umfeld, das medizinische Innovation mit Teamgeist verbindet. Prof. Dr. René Schmidt, Leitender Ärztlicher Direktor, erklärt: „Unsere Teams arbeiten mit modernsten Methoden und neuester Technologie – das macht das Marienhospital sowohl für Patienten als auch für Mitarbeitende attraktiv.“
Auch in der HNO werden Ärzte gezielt ausgebildet. Professor Dr. Dr. Helmut Steinhart, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Marienhospital, betont: „Gerade in der HNO ist die roboterassistierte Chirurgie ein Meilenstein – nicht nur in der Behandlung, sondern auch in der Weiterentwicklung unseres Fachgebiets. Wir bauen das Angebot kontinuierlich aus. So können noch mehr Patienten von minimalinvasiven und funktionserhaltenden Eingriffen profitieren.“
Tradition trifft Fortschritt
Mit der Einführung des da Vinci Xi unterstreicht das Marienhospital Stuttgart seine Innovationskraft und Verantwortung gegenüber Patienten. Professor Riediger resümiert: „Unser Ziel ist es, Medizin auf höchstem Niveau für die Menschen in unserer Region zu leben – individuell, schonend und wissenschaftlich fundiert.“
Für Patienten wie Herrn R. bedeutet das: eine schnelle Heilung, minimalinvasive Eingriffe, höchste Sicherheit – und ein Stück Lebensqualität, das durch modernste Chirurgie möglich wird. „Wir verbinden Bewährtes mit dem Bestmöglichen, was die moderne Medizin heute bietet“, ergänzt Professor Riediger „Und das da Vinci-System macht unser Haus nicht nur für Ärztinnen und Ärzte attraktiv, sondern vor allem zu einem Ort, an dem Patienten wirklich im Mittelpunkt stehen.“


















