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Aktuelles

Neue OP-Methode gegen schmerzhafte Armschwellungen

Wenn Brustkrebs operiert oder bestrahlt wird, leiden manche Frauen im Anschluss an einer schmerzhaften Schwellung des Arms

Die Patientin mit ihren Operateuren. Von links: Dr. Christina Jäger, Patientin Annette Kirchschlager und Universitätsdozent Dr. Thomas Schoeller

Die Patientin Annette Kirchschlager mit ihren beiden Operateuren

Wegen eines solchen Lymphödems sind einige Betroffene dann ihr ganzes Leben lang auf mehrmals wöchentliche Physiotherapie angewiesen. Ein neues OP-Verfahren kann diesen Frauen helfen. Die Methode wurde erstmals am Marienhospital und wohl auch erstmals in Deutschland angewendet.

 

Von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen geplagt

Bei Annette Kirchschlager war 2014 Brustkrebs diagnostiziert worden. „Ich habe mich in einer Klinik in der Nähe meines Wohnorts operieren lassen. Der Brustkrebs ist gottlob komplett verschwunden, richtig gut ging es mir aber seither trotzdem nicht“, so die 54-Jährige. Bei der Brustkrebs-OP waren ihr Lymphknoten im Bereich der linken Achsel entfernt worden, um zu untersuchen, ob Krebszellen dorthin gestreut hatten. In etlichen Fällen leiden Frauen nach einer Entfernung oder Bestrahlung von Lymphknoten unter einem Lymphödem, also einer Armschwellung auf der betroffenen Seite. „Das Ödem bildet sich oft wieder zurück, bei mir war das aber leider nicht der Fall“, so Annette Kirchschlager. „Die Beschwerden traten nicht direkt nach der OP auf, sondern deutlich später. Wenn ich nicht dreimal in der Woche zur Physiotherapie ging, waren die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Armes in den letzten Jahren unerträglich“, sagt sie. Besonders bei großer Hitze habe sie zusätzlich noch Kompressionsbandagen an Arm und Händen tragen müssen, damit die Schwellung sich in Grenzen hielt.


Ins Marienhospital kam sie eigentlich zur Brustkorrektur

Im August 2018 ging Annette Kirchschlager in die Sprechstunde von Universitätsdozent Dr. Thomas Schoeller im Marienhospital. Dr. Schoeller ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Hand-, Mikro- und rekonstruktive Brustchirurgie am Zentrum Plastische Chirurgie des Krankenhauses. Annette Kirchschlager wollte bei ihm eine ästhetische Brustkorrektur vornehmen lassen. Sie erläutert: „Meine linke Brust war nach der Krebsoperation kleiner als die rechte und sehr verformt.“ Als sie Professor Schoeller beim Vorgespräch ihren geschwollenen linken Arm zeigte, bot er ihr an, zusammen mit der Brustkorrektur auch ihr Lymphödem zu operieren. „Ich war zunächst skeptisch. Denn ich hatte mich natürlich bei Ärzten, Physiotherapeuten und im Internet informiert, was man gegen das Lymphödem machen kann. Die Antwort war praktisch immer, dass man außer lebenslanger Physiotherapie und Bandagen nicht viel tun könne. Und die existierenden OP-Methoden wie die Verpflanzung gesunder Lymphdrüsen an die geschädigten Körperstellen werden ja oft als aufwendig und nicht immer erfolgversprechend beschrieben.“ Dr. Schoeller erklärte der Patientin, dass es eine neue Methode gäbe. Diese sei sowohl einfach als auch risikoarm, aber vermutlich in Deutschland noch nie angewendet worden. 


Das „Große Netz“ entnommen und verpflanzt

„Da ich ja wegen der Brustkorrektur sowieso in Vollnarkose operiert werden musste, stimmte ich dem Eingriff zu“, so Annette Kirchschlager. Die Operation nahm Thomas Schoeller gemeinsam mit Dr. Christina Jäger vor. Sie ist leitende Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Marienhospitals. „Ich habe aus Frau Kirchschlagers Bauchraum einen Teil des Omentum majus entnommen“, so die Chirurgin. Omentum majus heißt „großes Netz“. Es liegt wie eine Schürze über den Eingeweiden. Das Gewebe enthält viele Lymphgefäße und ist unter anderem für die Immunabwehr im Bauchraum verantwortlich. „Man kann einen Teil davon problemlos entnehmen, ohne dass der Patient Nachteile hat“, erläutert Dr. Jäger.

„Frau Dr. Jäger hat den Eingriff minimal-invasiv, also mit sehr kleinen Narben durchgeführt, und ich hatte im Anschluss kaum Schmerzen“, so Annette Kirchschlager. Thomas Schoeller übertrug das von Christina Jäger entnommene rund zehn mal zwanzig Zentimeter große Gewebestück in die Achselhöhle der Patientin, wo bei ihrer Krebs-OP die Lymphknoten entfernt worden waren. Er musste die Blutgefäße des Omentum majus mit denen im Achselbereich unter dem Mikroskop verbinden. „Die Lymphgefäße selbst muss man nicht vernähen, sie suchen sich ihre Verbindungen“, so Dr. Schoeller. Die Brustkorrektur dauert rund zwei, die Omentum-Verpflanzung drei Stunden. In der Regel schließen sich sieben Tage Klinikaufenthalt an. „Die Schwellung in meinem Arm wurde nach dem Eingriff täglich geringer. Denn das übertragene lymphgefäßreiche Gewebe sorgt dafür, dass die Lymphe jetzt wieder abfließen kann“, so die Patientin.


Als Malerin und Lackiererin wieder voll berufsfähig

„Ich bin heute froh, dass ich den Eingriff 2018 habe machen lassen. Früher musste ich dreimal wöchentlich zur Physiotherapie. Inzwischen gehe ich manchmal wochenlang gar nicht, und die Bandagen liegen in der Schublade“, sagt sie. Auch ihren Beruf als Malerin und Lackiererin könne sie wieder voll ausüben. „Vor der OP hat nach einem gestrichenen Zimmer der geschwollene Arm so geschmerzt, dass ich aufhören musste“, sagt sie.

 

Stichwort »Lymphödem«
Der Arm fühlt sich schwer an, wird dick, kribbelt oder spannt: Nach einer Brustkrebs-Behandlung sind das oft Symptome eines Lymphödems. Denn OP oder Bestrahlungen können die Lymphgefäße unterbrechen, was zu Stauungen von Lymphflüssigkeit und zu Schwellungen führt. Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die durch den ganzen Körper fließt und Krankheitserreger und Abfallstoffe aus dem Körper transportiert. „Ödem“ (griechisch) bedeutet Schwellung aufgrund einer Flüssigkeitseinlagerung.
Direkt nach der Operation ist ein Lymphödem nicht ungewöhnlich. Normalerweise ist es nach einigen Monaten wieder verschwunden. Man kann nicht genau vorhersagen, bei wem sich ein Lymphödem entwickeln wird und ob die Beschwerden dauerhaft bestehen bleiben. Ein Lymphödem kann auch noch Monate oder Jahre nach einer Krebsbehandlung auftreten. 6 bis 20 Prozent der Brustkrebspatientinnen entwickeln eines. Bislang halfen gegen die Beschwerden nur lebenslange Physiotherapie, Kompressionsbandagen und einige OP-Methoden. Die neue Operationsmethode, die am Marienhospital im August 2018 vermutlich bundesweit erstmals eingesetzt wurde, ist besonders schonend und risikoarm. Die „lymphchirurgische Therapie mit freiem Omentum“ eignet sich für Frauen, deren Lymphödem seit maximal drei bis vier Jahren besteht. Danach bildet sich das Gewebe meist so um, dass die Operation nicht mehr erfolgreich ist. Eine frühzeitige Behandlung ist hier also wichtig.
Informationen und Sprechstundentermine für Patientinnen mit Lymphödem unter 0711 6489-8221.