Volkskrankheit mit leisen Symptomen
Osteoporose zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des höheren Lebensalters, insbesondere bei postmenopausalen Frauen. In Deutschland sind schätzungsweise rund sechs Millionen Menschen betroffen. Jährlich gehen über 700.000 Knochenbrüche auf ihr Konto. Das Tückische: Der Knochenschwund verläuft schleichend und schmerzlos – bis plötzlich ein Bruch auftritt. Deshalb wird die Osteoporose oft als „stiller Knochendieb“ bezeichnet.
„Viele Patientinnen und Patienten kommen erst nach einem Bruch zu uns – und sind überrascht, dass die Ursache dafür kein Unfall war, sondern eine fortgeschrittene Osteoporose“, erklärt Dr. Anne Rietig, Fachärztin für Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzqualifikation in Osteologie am Marienhospital Stuttgart.
Kompetenzzentrum für starke Knochen
Das Marienhospital Stuttgart ist die einzige Klinik in Baden-Württemberg, die ein zertifiziertes osteologisches Schwerpunktzentrum (DVO) betreibt. Die Auszeichnung steht für höchste fachliche Kompetenz, interdisziplinäre Zusammenarbeit und strenge Qualitätsstandards.
„Wir sind stolz, unseren Patientinnen und Patienten eine rundum qualitätsgesicherte Versorgung bieten zu können – von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge“, betont Professor Dr. Ulrich Liener, Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. „Unsere Teams aus Orthopädie, Innerer Medizin, Radiologie und Labormedizin arbeiten Hand in Hand – und auch mit niedergelassenen Spezialisten, etwa Endokrinologen oder Gynäkologen, sehr eng zusammen.“
Im zertifizierten Zentrum kommen modernste Diagnoseverfahren wie DXA-Knochendichtemessung, Röntgendiagnostik und spezielle Blutanalysen zum Einsatz. In der osteologischen Spezialsprechstunde können individuelle Krankheitsrisiken abgeklärt und Therapiepläne entwickelt werden.
Wenn die Knochen schwinden
Bei Osteoporose ist das natürliche Gleichgewicht von Knochenaufbau und -abbau gestört. Der Körper baut mehr Knochenzellen ab als er neue bildet. Das Resultat: Die Knochen werden porös und brechen leichter – manchmal schon bei geringster Belastung. Ein Teufelskreis droht: Schmerzen führen zu Schonhaltung, die Muskeln werden schwächer, die Sturzgefahr steigt – und damit das Risiko für neue Brüche. „Unser Ziel ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Durch gezielte Bewegung, Ernährung, Medikamente und eine gute Koordination der Therapie“, erklärt Dr. Rietig.
Wenn Hormone die Knochen schwächen
Hormone haben großen Einfluss auf die Knochengesundheit. Besonders Östrogen schützt vor Knochenabbau: Fällt bei Frauen nach den Wechseljahren der Spiegel, steigt das Risiko für Osteoporose deutlich. Auch Testosteronmangel bei Männern oder Störungen der Schilddrüsen- und Nebennierenfunktion können den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen. Am Marienhospital werden daher auch hormonelle Ursachen gezielt untersucht, um eine passgenaue Therapie zu ermöglichen.
Wer ist gefährdet?
Osteoporose betrifft nicht nur Menschen über 70. Bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnt die Knochendichte langsam abzunehmen. Risikofaktoren sind unter anderem:
- familiäre Vorbelastung
- Erkrankungen wie Diabetes oder rheumatoide Arthritis
- Medikamenteneinnahme wie Cortison
- Bewegungsmangel, Untergewicht oder Mangelernährung
„Jeder Knochenbruch ab dem 50. Lebensjahr sollte medizinisch abgeklärt werden. Dabei empfiehlt es sich, auch auf Osteoporose zu untersuchen. Generell ist ab dem 70. Lebensjahr zudem eine Knochendichtemessung sinnvoll“, rät Professor Liener. „Wird eine Osteoporose festgestellt, ist eine Behandlung durch einen erfahrenen Osteologen entscheidend.“
Auch Menschen mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose. Der dauerhaft erhöhte Blutzucker verändert die Knochenstruktur und verlangsamt ihre Regeneration. Besonders bei Typ-1-Diabetes ist die Knochendichte oft vermindert, doch auch Typ-2-Diabetiker erleiden häufiger Knochenbrüche – trotz scheinbar normaler Knochendichte. Deshalb müssen bei Osteoporose-Patienten mit Diabetes Stoffwechsel und Knochengesundheit gemeinsam betrachtet werden, um Therapie und Vorsorge optimal abzustimmen..
Wissenschaftlich auf höchstem Niveau
Professor Dr. Ulrich Liener ist einer der wenigen Ärzte in Deutschland, die an der Entwicklung der nationalen Leitlinien zur Osteoporose mitarbeiten. Diese Leitlinien bilden das wissenschaftliche Fundament für die Behandlung der Krankheit – auf Basis hunderter internationaler Studien. „Kein Arzt kann all diese Studien
selbst lesen und bewerten“, erklärt Professor Liener. „Deshalb übernehmen das spezialisierte Expertengruppen. Wir prüfen die Qualität der Daten, vergleichen Ergebnisse und formulieren daraus konkrete Handlungsempfehlungen.“
Die deutsche Osteoporose-Leitlinie trägt die höchste Qualitätsstufe S3 – sie basiert also auf sorgfältig ausgewerteten, wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. „Unser Anspruch ist, dass jede Patientin und jeder Patient nach dem neuesten Stand der Forschung behandelt wird“, so Professor Liener. „Das gewährleisten wir am Marienhospital – Tag für Tag.“
Knochengesund leben
Osteoporose lässt sich heute wirksam behandeln. Dank moderner Medikamente kann der Knochenabbau gezielt und individuell an das Risiko des einzelnen Patienten angepasst gebremst werden. Zudem stehen effektive Wirkstoffe zum Aufbau neuer Knochensubstanz zur Verfügung.
Regelmäßige Bewegung stärkt Muskeln und Knochen – besonders effektiv ist eine Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und Balancetraining, etwa durch Nordic Walking, Tanzen oder gezieltes Muskeltraining. Eine kalzium- und eiweißreiche Ernährung mit Milchprodukten, Gemüse, Nüssen und Fisch unterstützt die Knochengesundheit; empfohlen werden täglich etwa 1000 mg Kalzium und 1000 IE Vitamin D. Zudem tragen ein rauchfreier Lebensstil, ein maßvoller Konsum von Alkohol und Koffein sowie ein gesundes Körpergewicht zur Erhaltung stabiler Knochen bei.
Eine starke Zukunft für Ihre Knochen
„Eine stabile Muskulatur ist das A und O bei Osteoporose“, betont Dr. Anne Rietig. „Sie verhindert Stürze – und kann so Brüche vermeiden oder zumindest abmildern.“ Osteoporose ist kein unausweichliches Schicksal. Frühzeitige Diagnose, gezielte Therapie und ein gesunder Lebensstil können den Verlauf deutlich verbessern. „Unser Ziel ist es, dass die erste Fraktur die letzte ist und unsere Patienten trotz Osteoporose aktiv, sicher und selbstbestimmt leben können“, sagt Professor Ulrich Liener.
WISSENSWERT: KNOCHENDICHTE MESSEN
Die DXA-Knochendichtemessung dient der Bestimmung des Mineral- bzw. Kalksalzgehalts der Knochen und
ermöglicht eine frühe Erkennung von Osteoporose. Die DXA-Methode (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) ist ein strahlungsarmes Röntgenverfahren, mit dem vor allem die Knochendichte im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Schenkelhalses gemessen wird, also in den Regionen, die besonders häufig von Osteoporose betroffen sind. Die Untersuchung erfolgt nicht-invasiv, dauert mit modernen Geräten etwa fünf bis zehn Minuten und wird in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie durchgeführt. Aufgrund der sehr geringen Strahlenbelastung ist die Methode schonend und gut verträglich.
OSTEOLOGISCHES SCHWERPUNKTZENTRUM
Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
Telefon: 0711 6489-2211
osteologie@vinzenz.de
Spezialsprechstunde nach telefonischer Vereinbarung
Das zertifizierte osteologische Schwerpunktzentrum (DVO) am Marienhospital Stuttgart bietet:
· Knochendichtemessung (DXA)
· Laboruntersuchungen des Knochens
· interdisziplinäre Spezialsprechstunde
· Kooperation mit Haus- und Fachärzten


















