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Adventskalender
2018

Bräuche und Speisen zur Weihnachtszeit ...

... aus aller Welt

Im Marienhospital sind mehr als 2000 Mitarbeiter tätig. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern (derzeit 75 Nationen), arbeiten in unterschiedlichen Bereichen und gehören unterschiedlichen Berufsgruppen an. Was bedeutet dies für die Adventszeit und Weihnachten? Wie unterschiedlich wird diese besondere Zeit von unseren Mitarbeitern begangen und gefeiert?  

Hinter jedem unserer Kalendertürchen verbirgt sich daher wieder eine Geschichte: An jedem Tag im Advent erzählt ein Mitarbeiter von seinem heimischen Brauchtum und einige verraten auch leckere Rezepte von Speisen zur Weihnachtszeit.

Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise! Gemeinsam lernen wir nicht nur die weihnachtlichen Brauchtümer in den verschiedenen Regionen Deutschlands kennen, sondern lassen uns auch vom Brauchtum fremder Länder und Kulturen überraschen.

Bildungszentrum

Kontakt: Andreas Rieck, Weiterbildungsreferent
andreas.rieck@vinzenz.de

Weitere Informationen

Unsere Kalendertürchen

1. Dezember

Rorate im Marienhospital


Ein wunderbarer Brauch in der Adventszeit zu Ehren der Gottesmutter Maria

Rorate ist die Bezeichnung für besondere Gottesdienste im Advent. Das Besondere an diesen Rorate-Gottesdiensten besteht darin, dass es sich um eine „Lichtermesse“ handelt im Schein brennender Kerzen. Dadurch bekommen die Rorate-Gottesdienste einen sehr eigenen, warmen Charakter, der auf Weihnachten einstimmt.

Im Marienhospital feiern wir jedes Jahr Rorate-Gottesdienste im Advent in der Hauskapelle im Schein brennender Kerzen. Liebevoll von den Ordensschwestern aufgestellt, laden die Kerzen mit ihrem warmen Licht und fröhlichem Tanzen der Flamme zum gemeinsamen Gebet und Verweilen ein.

Vor einem langen Arbeitstag eine wohltuende Gelegenheit für mich, den Kopf frei zu bekommen und aufzutanken: Den Alltag mit seinen Nöten und Sorgen, dem Leid und Schmerz in den Räumlichkeiten des Marienhospitals abzulegen. Oder ein herzliches Dankeschön zu sagen für Freude und Fröhlichkeit, Freundschaft und Familie.

In diesem Jahr findet der Rorate-Gottesdienst am 5. Dezember um 6.30 Uhr in der Hauskapelle statt.

Sabine Stadtmüller, Information/Telefonzentrale

2. Dezember

Herbergssuche früher in Oberschwaben (vor 70 Jahren)

In unserer kleinen ländlichen Ortschaft nahe Ravensburg – zwei große Höfe, zwei kleine Höfe, ein „Ausdinghäusle (darin wohnten die Alten).  Dort gingen wir Dorfbewohner etwa eine Woche vor Weihnachten mit einer Marienstatue jeden Abend in ein anderes Haus. Beim Eintreten sagten wir: „Wir kommen und klopfen und fragen an, ob Mutter Maria bei euch Herberg nehmen kann?“

Und die Antwort der Gastfamilie lautete: „Mutter Maria, tritt nur herein, du sollst bei uns heute willkommen sein!“ Die Hausmutter nahm dann die Marienstatue in Empfang und stellte sie auf ein schön gedecktes und geschmücktes Tischchen. Oder in den sogenannten „Herrgottswinkel“ unter das Kreuz und entzündete Kerzen davor. Sie sprach einen besinnlichen Text. Und dann beteten wir gemeinsam und sangen Advents- und Marienlieder. Den ganzen Tag über blieb die Marienstatue auf ihrem schönen Plätzchen. Wir Kinder verhielten uns an diesem „Herbergstag“ ganz besonders gesittet ...

Noch heute frage ich mich manchmal: Sucht auch Gott Herberge? Dazu hat eine alte weise Frau gesagt: „Man weiß nie, wo Gott hockt.“ Ich persönlich vermute, in jedem Menschen, der mir begegnet. 

Schwester Maria Andrea, ehemalige Krankenhausseelsorgerin

3. Dezember

Das „Anisguetzli“

Die Schweizer und die Schwaben sind sich bis heute nicht ganz einig, wo das „Springerle“ erfunden wurde und somit seinen Ursprung hat. Oder das „Anisguetzli“ oder „Anisbrötli“, wie die Schweizer es nennen. 

In beiden Regionen aber haben die Springerle einen festen Platz auf dem Adventsteller gefunden. Es ist eine kleine Kunst, diese besonderen Plätzchen herzustellen. Es bedarf etwas Übung und manchmal einfach nur Glück, dass die „Füßchen“ gelingen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es nicht beim ersten Mal klappt.

Idealerweise bäckt man die Springerle schon recht früh im Advent, damit sie bis Weihnachten gut durchziehen. Am besten schmecken sie, wenn man sie in Kaffee oder Tee „eintunkt“.

Es wünscht gutes Gelingen sowie weihnachtlichen Genuss.

Sabine Heilig aus dem Labor


Rezept für „Springerle“ oder „Anisguetzli“

Zutaten:
4–5 Eier (220 g), 500 g Puderzucker, 1 Esslöffel Anis, 500 g Weißmehl

Zubereitung:
Eier und Zucker gut schlagen, bis eine luftige Creme entsteht (mindestens 10 Minuten). Anis und Mehl darunter heben und im Kühlschrank in Frischhaltefolie über Nacht ruhen lassen. Den Teig in vier Teile teilen (den Rest immer wieder in den Kühlschrank) und einzeln auf Mehl 8–10 mm dick ausrollen. Damit sich der Teig nun wie Seide anfühlt, nochmals leicht mit Mehl bestäuben (Sieb).

Jetzt die Springerle-Ausstechform (Model) gleichmäßig in den Teig eindrücken. Das Bild mit einem passenden Ausstecher oder einem Messer ausschneiden und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Den eventuell trockenen Restteig immer mit feuchten Händen weiterverarbeiten.

Nach ca. 24 Stunden Trocknungszeit (ruhiger Ort, gleichbleibende Temperatur, kein Durchzug) werden die Springerle bei ca. 130 Grad Celsius ganz unten im Ofen ca. 30 Minuten lang gebacken, eventuell einen Holzlöffel in die Backofentür klemmen. Nach dem Auskühlen sorgfältig ablösen. Die Ausstechformen nach Gebrauch nur mit Wasser (kein Spülmittel) reinigen.

4. Dezember

„Le réveillon de Noël“

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich als Kind unser Weihnachtsfest in Frankreich gefeiert habe (und wie es auch heute noch gefeiert wird).

Am 24. Dezember (französisch: le réveillon de Noël) haben wir abends unsere Hausschuhe vor den geschmückten Weihnachtsbaum gestellt. Wir wussten, dass der Weihnachtsmann über Nacht kommen würde. Und unsere Geschenke bringen würde, die wir vorher auf einer Liste aufgeschrieben hatten. Unsere Eltern hatten alles vorbereitet für sein Kommen und sein Wohlergehen: zwei Orangen und eine Flasche Rotwein. Sie erklärten uns, dass er unterwegs neue Kräfte bräuchte. Dann gingen wir ins Bettchen. 

Am 25. Dezember morgens beim Aufwachen fanden wir dann mit großer Freude viele schöne Geschenke unter dem Baum. In der Küche war nicht zu übersehen, dass der Weihnachtsmann vorbeigekommen war: Auf dem Tisch lagen die Schalen der Orangen, und die Flasche Rotwein war leer. Darüber freuten wir uns sehr, dass es ihm auch gut erging. Seine Reise war schließlich sehr lange.

Mittags trafen wir uns dann zu einem lang andauernden Weihnachtsessen bei meiner Oma. Meistens waren wir zwischen 20 und 30 Personen. Bis 18 oder 19 Uhr wurde gespeist, meistens gab es sechs bis sieben Gänge. Ein Menü-Beispiel könnte sein: Zuerst ein Aperitif. Dann Vorspeisen wie Baguettes mit Kaviar und Lachs oder Schnecken mit Butter und Petersilie. Danach kamen mehrere Hauptspeisen wie Pute mit Kastanien, Kroketten und Bohnen oder Fisch mit Reis. Anschließend gab es immer eine Käseplatte mit grünem Salat. Zum Schluss dann der berühmte Eiskuchen „bûche de Noël“ vor dem Kaffee und dem Digestif.

Danach spülten die Frauen zusammen ab, fröhlich lachend und erzählend. Die Männer spielten Karten, vor allem das Spiel „Belotte“. Wir Kinder vergnügten uns mit unseren neuen Spielzeugen.

Vom Christkind oder vom wirklichen Sinn des Weihnachtsfestes wurde nichts erzählt in meiner ungläubigen Familie. Dafür war die Tradition sehr lebendig und wurde fröhlich gepflegt.

Gwen Morgant, Gesundheits- und Krankenpflegerin der Palliativstation V5


Rezept „Bûche de Noël“ (Weihnachtskuchen mit Butter-Schokoladencreme)

Zutaten für den Biskuitboden:  
4 (getrennte) Eier, 200 g Mehl, 160 g Zucker, 1 TL Backpulver, Zucker zum Stürzen

Für die Füllung:  
100 g Schokolade (Zartbitter), 150 g Butter, 100 g Zucker, 1 TL Kaffeepulver (instant), 50 g Schokolade (Vollmilch), nach Belieben Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:
Für den Biskuitboden die Eigelbe mit Zucker sehr schaumig schlagen. Mehl und Backpulver sieben, dann löffelweise zur Ei-Zucker-Masse geben und gut verrühren. Eiweiß sehr steif schlagen und vorsichtig unter die Eigelbmasse ziehen. Alles gleichmäßig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C ca. 12 bis 15 Minuten backen. Den Boden nach dem Backen sofort auf ein gezuckertes Geschirrtuch stürzen. Das Backpapier abziehen und den Teig einrollen.

Für die Füllung die Schokoladensorten im Wasserbad schmelzen. Butter und Zucker schaumig schlagen. Schokolade und evtl. Kaffeepulver dazugeben und gut durchrühren. Die Creme so lange in den Kühlschrank stellen, bis sie gut schmierfähig ist.

Den Teig aus dem Tuch nehmen und mit der Hälfte der Creme von innen her bestreichen, dann wieder zusammenrollen. Beide Enden der Rolle in gleicher Richtung schräg abschneiden und die Abschnitte mit Creme als Astansätze auf die Rolle kleben. Den Rest der Creme außen auf der Rolle verteilen. Mit einer Gabel Rillen in die Creme ziehen (Baumrinden-Muster). Bis zum Verzehr kaltstellen. Nach Belieben später mit Puderzucker als „Schnee“ bestäuben und mit Tannenzweigen dekorieren.

5. Dezember

Nikolaus von Myra und Knecht Ruprecht

Beim Gedanken an den entscheidenden Unterschied zwischen den deutschen Bräuchen zur Weihnachtszeit und denen meiner luxemburgischen Heimat, denke ich immer an den Nikolaus von Myra und seinen Knecht Ruprecht. 

Auch wenn sich vieles durch die Globalisierung und einen immer höheren Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund verändert – laut Statistikamt sind zur Zeit von den rund 600.000 Bewohnern Luxemburgs rund 48 Prozent Ausländer –, bleibt dieses gleich: In Luxemburg erhalten die Kinder ihre Geschenke nicht an Heiligabend vom Christkind oder dem Weihnachtmann. Sie bekommen sie stattdessen am 6. Dezember vom Nikolaus, der bei uns als „Kleeschen“ bekannt ist. Er bringt Geschenke und einen Teller voll süßer Leckereien für die Kinder. Auf den Teller gehören Schokolade, Marzipan, Nüsse, Äpfel, Mandarinen und ein „Boxemännecher“ (Hefegebäck). Begleitet wird er von Knecht Ruprecht, der in Luxemburg „Houseker“ heißt.

Wie in alten Zeiten wird Nikolaus auch heute noch traditionell gefeiert. „Kleeschen“ hat sich in seinem Goldbuch all das Gute notiert, was er das ganze Jahr über gesehen hat. Er belohnt die guten und braven Kinder. Für die Kinder, die nicht brav waren, hinterlässt der „Houseker“ eine „Rutt“ (Rute).

Am heutigen 5. Dezember ist es somit allerhöchste Zeit, „Boxemännecher“ (Hosenmännchen) zu backen.

Jonathan Nagel, IT-Anwendungen
 

Rezept für luxemburgische „Boxemännecher“ aus Hefeteig

Zutaten:
500 g Mehl, 40 g Hefe, 2 Eier, 100 g Butter, 100 g Zucker, 180–200 ml Milch, 7 g Salz

Zubereitung:
Die Hefe in etwas lauwarmer Milch und ein bisschen Zucker auflösen. Das Mehl in eine Schüssel sieben, das Salz damit vermischen und in der Mitte eine Vertiefung machen. Die Hefe in die Vertiefung gießen und mit etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. Den Vorteig zugedeckt etwa 20 Minuten ruhen lassen. Die restlichen Zutaten zufügen und den Teig schön verkneten. Den Teig solange ruhen lassen, bis er sich verdoppelt hat (etwa 20 Minuten).

Der Teig wird jetzt auf einer gemehlten Fläche mit etwas Mehl durchgeknetet, zerteilt und geformt. Dafür wird die Teigportion zu einer länglichen Rolle geformt. Oben wird der Kopf in Form einer Kugel gebildet (der Kopf wird nicht abgetrennt). Mit einer Schere werden 3 Einschnitte für Arme und Beine gemacht. Mit Rosinen werden die Augen und die Knöpfe auf dem Jackett gestaltet. Dann wird das Hosenmännchen auf ein Backblech gelegt und für weitere 20 Minuten ruhen gelassen. 

Den Backofen auf 180 ºC vorheizen. Die Boxemännecher werden mit etwas Eigelb bepinselt und anschließend 25–30 Minuten bei 180 ºC gebacken.

6. Dezember

Englische Weihnachten

Weihnachten in England würde ich eher ein fröhliches Fest als ein besinnliches nennen. Für uns Kinder war „Christmas Eve“ – also der „Heilige Abend“ – der aufregendste Teil von Weihnachten. Wir erhielten unsere Geschenke von Santa Claus, der am Kamin oben auf dem Dach seinen Schlitten abstellte.

Für ihn richteten wir eine kleine Wegzehrung in einer alten Jakobsmuschel her. Sie bestand aus drei bis vier Mince Pies (kleine süße Pastetchen) und zwei selbstgedrehten Zigaretten. Am Kamin hingen wir unsere Socken auf, und ans Bettende legten wir eine leere Kopfkissenhülle. Mein Bruder und ich saßen oft bis nach Mitternacht in unserem Schlafzimmer auf dem Fenstersims und hielten Ausschau nach Santa und seinem Schlitten. Meistens haben wir uns eingebildet, ihn gesehen zu haben. Aber er war natürlich mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, um die ganze Welt in einer Nacht mit Geschenken zu versorgen. So konnten wir ihn leider nur für Bruchteile einer Sekunde sehen (ist ja logisch, so naiv waren wir dann auch wieder nicht).

Damals wusste unsere Mutter als einzige, dass der Santa eigentlich unser Vater war. Er richtete spät nachts unsere Geschenke in unsere dafür bereitgelegten Kopfkissen. Und er war natürlich Raucher. Er  gönnte sich spät nachts nach getaner Arbeit die Pastetchen und eine Zigarette. (hätten wir auch darauf kommen können).

Danny Williams, Küche

7. Dezember

„Wigilia“

Der Heilige Abend (auf polnisch „Wigilia“) ist das wichtigste Familienfest in Polen. Alle – jung und alt – warten auf diesen besonderen Abend. Man glaubt in Polen, dass der Ablauf des Tages für das gesamte folgende Jahr entscheidend ist. Daher wird viel Wert auf Rituale, Freundlichkeit und Ruhe gelegt.

Sobald es dunkel wird, halten die Kinder Ausschau nach dem ersten Stern am Himmel. Sobald dieser erscheint, kann „Wigilia“ beginnen. Alle Familienmitglieder sind festlich angezogen und sammeln sich am Tisch. Ein besonders schöner Brauch ist ein zusätzliches Gedeck auf dem Tisch. Es soll zum einen an die verstorbenen Familienmitglieder erinnern. Zum anderen ist es für den Fall gedacht, dass ein unerwarteter Gast oder Bedürftiger an die Tür klopft.

Das älteste Familienmitglied teilt geweihte Oblaten aus und hält eine kleine Ansprache. Jeder bricht sich ein Stückchen von der Oblate ab und teilt sie mit allen Anwesenden. Dabei wünscht man sich gegenseitig, dass alle Wünsche in Erfüllung gehen mögen. Dies ist ein Zeichen der Versöhnung, der Liebe, der Freundschaft und des Friedens.

Nun kann mit dem Mahl begonnen werden. Im Einklang mit den christlichen Traditionen fastet man in Polen bis zum 25. Dezember. Daher ist das polnische Abendmahl an Heiligabend fleischlos. Auf dem Tisch werden genau zwölf Gerichte serviert, die symbolisch für die zwölf Apostel Christi stehen. In vielen Häusern wird als erstes eine klare Rote Beete-Suppe mit kleinen pilzgefüllten Teigtaschen serviert (auf polnisch „Barszcz z uszkami“). Zu den weiteren Gerichten zählen: gebratener Karpfen, in Öl marinierter Hering, die traditionellen Piroggen mit Kraut und Pilzen, diverse Krautgerichte. Und zu den Süßspeisen gehören: Mohnkuchen, „Kutia“ (ein Gemisch aus Mohn, Nüssen, Getreide und Honig) sowie Kompott aus getrockneten Zwetschgen. In jedem Fall müssen alle Gerichte probiert werden, sodass das Abendessen mehrere Stunden dauert. 

Zwischen den einzelnen Gängen findet die Bescherung statt. Es werden auch gemeinsam Weihnachtslieder gehört oder gesungen. Die Großeltern und Eltern erzählen Geschichten aus ihrer Jugendzeit. Die Stimmung bei uns ist ausgesprochen fröhlich, und es wird viel gelacht.

Der Abend endet mit der feierlichen Mitternachtsmesse, der sogenannten „Pasterka“. Zu ihr geht die ganze Familie gemeinsam und betet.

„Wesołych Świąt Bożego Narodzenia!“ oder „Frohe Weihnachten!“

Dorota Czerniak, Assistenzärztin in der Klinik für Hand-, Mikro- und rekonstruktive Brustchirurgie

8. Dezember

Struffoli Napoletani

Struffoli sind eine typische Weihnachtssüßigkeit aus Neapel. Es sind kleine Kügelchen aus süßem Teig, die frittiert, in Honig eingelegt und mit Streuseln dekoriert werden. 

Obwohl es ein altes, traditionelles Rezept ist, ist es nur in Süditalien bekannt. Für mich ist es etwas Besonderes, weil es mich nicht nur an die Weihnachtszeit meiner Heimat erinnert, sondern auch an meine Kindheit. Oft haben ich und meine vielen Cousins meiner Oma bei den Vorbereitungen geholfen, in dem wir den Teig in kleine Kügelchen geschnitten haben. 

Claudia Porcaro, Assistenzärztin, Innere Medizin
 

Rezept für Struffoli Napoletani

Zutaten:
400 g Mehl, 40 g Zucker, 60 g Butter, 3 Eier und 1 Eigelb, geriebene Schale einer Orange, 1 Prise Salz, 15 ml Anislikör

Für das Topping:
175 g Blütenhonig
verschiedene kandidierte Früchte
Deko Zuckerstreusel

Zubereitung:
Mehl, Eier, Anislikör, Butter, Zucker, die abgeriebene Orangenschale und eine Prise Salz zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Den Teig zugedeckt einige Stunden gehen lassen. Anschließend den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche fingerdick ausrollen und in etwa 1 cm lange Stücke schneiden. Bei der Anordnung der Stückchen auf der Arbeitsfläche darauf achten, dass sie nicht aneinander kleben bleiben. 
 
Die Teigkügelchen portionsweise in heißem Öl frittieren, bis sie goldbraun (nicht braun!) sind. Auf einem Teller mit Küchenpapier abtropfen lassen. Den Zucker in einem großen und hohen Topf leicht karamelisieren. Danach den Honig, Anisschnaps sowie etwa 5 EL Wasser dazugeben. Alles erhitzen, bis die Mischung gelb wird. Bei leichter Hitze die Teigkügelchen zur Mischung geben. Solange vorsichtig verrühren, bis der Honig sich gut verteilt hat. Die Kugeln mit bunten Perlen, kandierten Kirschen und kandiertem Früchtemix dekorieren. Die Struffoli abkühlen lassen. Frühestens nach fünf bis sechs Stunden oder besser einen Tag später verzehren.
 

9. Dezember

Sarma – Krautrouladen aus Serbien

Bei uns ist Weihnachten ein geselliges Fest. An Heiligabend wird im engsten Familienkreis der Christbaum geschmückt. Außerdem ist es ein Fastentag – man genießt Köstlichkeiten aus dem Meer. Was dabei auf keinen Fall fehlen darf: die traditionell von meinem Vater zubereitete Suppe aus getrocknetem Bacalao (zu deutsch Kabeljau).  Nach dem Besuch der Mitternachtsmesse fängt sehr früh am 1. Weihnachtsfeiertag das eigentliche Weihnachtsfest an. Die Familie trifft sich im großen Kreis: umso mehr Leute, desto bunter. Es wird getanzt und natürlich gegessen und getrunken.

Eine Spezialität, die immer dabei ist, sind Sarma (Krautwickel), die über einen längeren Zeitraum im Schmortopf gegart werden. Die besten Sarma macht selbstverständlich meine Mutter :-) Häufig teilen sich die Krautwickel den Tisch mit verschiedenen Salaten, hausgemachtem, gekochtem Schinken und Braten. Es ist Tradition, dass zum Essen zeremoniell drei Kerzen in Gedenken an Jesu Geburt brennen und zu Beginn ein Gebet gesprochen wird. 

Dusanka Stigler, Assistenzärztin, Plastische Gesichtschirurgie

Rezept für Sarma (nach meiner Mutter)

Zutaten (für 5 Personen):
1 Kopf Sauerkraut, 500 g gemischtes Hackfleisch, Speckstückchen, 3 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, 1 Karotte, 2 EL Paprika edelsüss, 2 TL Salz, 2 TL Pfeffer, 1 Kaffeetasse Langkornreis, 3 Lorbeerblätter, Öl, Wasser, Vegata (Gewürzmischung)

Zubereitung:
1. Die Zwiebeln klein würfeln und in Öl glasig braten. Speckstückchen und geriebene Karotten hinzufügen und ca. 5 Minuten mitdünsten. Dann Hackfleisch und Knoblauch hinzufügen. Paprikapulver, Salz, Pfeffer und Vegeta beimengen und ca. 10 min. weiterköcheln. Alles beiseite stellen und etwas abkühlen lassen.
 
2. Vom Sauerkrautkopf so viele große Blätter wie möglich lösen und den Strunk entfernen. In diese Blätter werden die Wickel gerollt. Die Reste vom Sauerkraut mit den Lorbeerblättern in einen großen Topf geben. Auf die Mitte eines Krautblattes die Hackfleischfüllung geben. Die rechte und linke Seite zur Mitte einklappen und zu einer Roulade rollen. Die Wickel so eng wie möglich auf dem Boden des Schmortopfes platzieren. Anschließend Wasser angießen bis die Sarma gut bedeckt sind. Speck oder Ripperlstückchen zwischen den Sarma stecken und auf hoher Flamme aufkochen lassen. Danach die Hitze reduzieren und ca. 4 Stunden lang köcheln lassen. 
 
3. Die lecker duftenden Sarma auf einem Teller mit je einem Stück Speck/Ripperl platzieren und mit dem eigenen Saft begießen. Dazu passen gekochte Kartoffeln. Es schmeckt aber auch wunderbar ohne zusätzliche Beilage.
 

 

10. Dezember

Weihnachten: Festtage für die Familie

Meine Familie und ich, wir sind Muslime. Als wir in der Türkei gelebt haben, haben wir Weihnachten nicht gefeiert. Das änderte sich, als wir vor etwa 20 Jahren nach Deutschland gezogen sind.
 
Mittlerweile hat Weihnachten für uns auch eine zunehmende Bedeutung. Wir nutzen die Feiertage, um unsere Familien und Verwandten zu treffen und gemeinsam zu feiern. Wir dekorieren unsere Wohnung weihnachtlich. Natürlich wünschen sich die Kinder auch Geschenke. Diese bringt bei uns allerdings nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind.
 
Es fällt uns nicht schwer, Weihnachten zu feiern. Für uns Muslime hat Jesus eine große Bedeutung. Wir verehren ihn und seine Mutter Maria als Propheten.

Die Weihnachtszeit ist für uns ein Zeichen dafür, dass wir als Muslime ein Teil der deutschen Gesellschaft sind.

Fahrettin Dogan, Mitarbeiter der Zentralsterilisation

11. Dezember

Kalanda! 

Am Weihnachtsmorgen gehen bei uns in Griechenland die Kinder von Haus zu Haus, um die freudige Nachricht von der Geburt Christi singend zu überbringen. Sie singen „Kalanda“, begleitet von Triangeln und Rhythmusinstrumenten. Kalanda sind tradionelle griechische Weihnachts- und Neujahrslieder. Neben in ganz Griechenland beliebten Liedern haben viele Gegenden zusätzlich auch ihre eigenen traditionellen Gesänge. 

Dieser Gesang gilt als Segen für das Haus und seine Familie. Mit einigen Variationen in den Versen loben sie jedes Mitglied der Familie, ausgehend von seinem Alter. Die „Kalanda“ unterscheiden sich von Region zu Region. Die Kinder wurden früher für ihr Singen mit getrockneten Feigen, Nüssen und Weihnachtsgebäck belohnt. Heute ist es ein wenig Geld. Als besonders glücksbringend gelten die Kinder, die das Haus als erstes singend betreten. Diese werden natürlich auch reicher belohnt. Ein reich gedeckter Tisch erwartet die Kinder. Es gibt eine große Auswahl an Gerichten, und natürlich darf die Weihnachtspute nicht fehlen.

Mit den großen Geschenken müssen die Kinder traditionell bis in das neue Jahr warten. Erst in der Nacht zum 1. Januar bringt der „Heilige Vassilios“ die Geschenke über den Kamin oder das geöffnete Fenster zu den Kindern. Der Heilige Vassilios trägt schon immer einen langen, roten Umhang und hat einen langen weißen Bart, wie es sich für einen orthodoxen Priester gehört. Heutzutage gibt es jedoch auch bei uns zu Weihnachten Geschenke.

Am Silvesterabend, dem Abend vor „Protochronia“ (Neujahr), sitzen viele Griechen bei Glücksspielen zusammen. Es kommt jetzt natürlich darauf an, Gewinner zu sein. Wer gewinnt, wird im neuen Jahr besonders viel Glück haben. 

Dimitrios Koios, Facharzt der Klinik für Gefäßchirurgie

 

12. Dezember

Milch und Kekse für Santa Claus

Im Jahr 2004 konnte ich als Austauschschülerin in den USA (im Mittleren Westen in Indiana) Weihnachten und die Vorweihnachts miterleben. Es fing damit an, dass wir vor dem 1. Advent auf eine Tannenbaum-Farm gegangen sind und unseren Tannenbaum ausgesucht und selber geschlagen haben. Die gesamte Familie hat beim Baumschmücken geholfen, dazu haben wir Weihnachtslieder gehört. Einen Adventskranz und einen Adventskalender gibt es nicht, auch werden keine Plätzchen gebacken. Was für mich besonders seltsam war: dass es keine Weihachtmärkte gab über die wir schlendern hätten können. 

Am 24. Dezember haben wir abends bei Dunkelheit den Baum angemacht und ein Glas Milch sowie Kekse vor den Baum gestellt, denn Santa Claus hat Hunger, wenn er die Geschenke bringt. Der Gastvater hat in der Nacht große Socken an den Kamin gehängt. Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden, um nachzuschauen, ob die Milch leer ist und die Kekse gegessen sind – was sie auch waren. Dann haben wir unsere Socken vom Kamin abgehängt und fanden viele kleinen Süßigkeiten in diesen. Hier machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit den Bonbons, welche "Life Saver" genannt werden und wohl traditionell immer in die Socken gepackt werden. Dies sind ganz unterschiedlich bunte, runde Bonbons mit einem Loch in der Mitte, sie sind sehr süß oder sehr sauer, je nach Farbe. Nachdem wir Kinder die Socken geleert hatten, saßen wir alle noch in unseren Schlafanzügen vor dem Baum und haben dann die Geschenke untereinander ausgetauscht und ausgepackt. Danach sind wir in den Gottesdienst und anschließend haben wir dann mit der engsten Familie gegessen und Weihnachten zelebriert. 

Bis heute verbinde ich diese beide Traditionen mit einander: Am 24. Dezember gibt es einen Teil der Geschenke und ein gutes Essen sowie den Gottesdienst. Am 25. Dezember gibt es dann Kekse in den Socken und den anderen Teil der Geschenke, natürlich darf die Milch und die Plätzchen (ja, die selbst gemachten) nicht fehlen. 
 

Anabel K. Weinig, Psychoonkologie