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Treue Begleiter in schweren Stunden

Das Marienhospital steht in der Trägerschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal. Das Bild der Klinik in der Öffentlichkeit wird entscheidend durch die zahlreichen Ordensfreuen geprägt, die am Haus tätig sind. Aber auch die ehrenamtlichen Sitzwachen machen das Marienhospital ganz besonders. Sie wachen am Bett von schwer kranken oder sterbenden Menschen und geben ihnen eine besondere Form von Zuwendung. Zwei dieser Sitzwachen sind Karl-Heinz-Brändle und Traute Glöckler, deren Mann vor einigen Jahren im Marienhospital gestorben ist. „Ich durfte die ganze Zeit bei ihm bleiben. Auch ich möchte, wenn ich mal sterben muss, nicht alleine sein. Ob das klappt, weiß ich nicht. Aber jetzt kann ich für andere Menschen im Marienhospital das tun, was ich mir für mich selbst wünsche“, sagt Traute Glöckler.

Karl-Heinz Brändle und Traute Glöckler

Karl-Heinz Brändle und Traute Glöckner engagieren sich als Sitzwachen im Marienhospital. Sie wachen am Bett von schwer kranken  oder sterbenden Menschen und geben ihnen eine besondere Form von Zuneigung.

Sitzwachen sind nie Routine

Die ehrenamtlichen Helfer wachen nachts, in seltenen Fällen auch tagsüber, am Bett des Patienten. Sie verrichten kleine Handreichungen, lesen auf Wunsch vor oder lassen einfach durch ihre stille Anwesenheit den Kranken spüren, dass er nicht allein ist. Vier- bis fünfmal im Monat ist Traute Glöckler seit 2012 als Sitzwache im Einsatz. Dafür fährt die 79-Jährige extra aus Waiblingen mit ihrem Auto abends nach Stuttgart. Demente, nach der Narkose verwirrte Menschen, Sterbende. So unterschiedlich die Patienten, so unterschiedlich sind auch die Dienste am Krankenbett und die Erlebnisse. Da war die alte, demente Dame mit der Traute Glöckler stundenlang Volkslieder gesungen hat und die dabei geistig noch einmal richtig wach geworden ist. „Bei einem anderen Besuch hat ein Mann mit Kehlkopfkrebs vier Seiten vollgeschrieben und sich so mit mir unterhalten. Das nächste Mal wollte er nur schlafen“, erzählt die Ehrenamtlich von ihren Erfahrungen. Oder die Patientin auf der Palliativstation, die bei dem Besuch der Waiblingerin teilweise auf ihrem Notebook gearbeitet hat. Auf die Nachfrage, was sie da mache, antwortete die Frau, dass sie noch möglichst viele ihrer Sachen über Ebay verkaufen wolle
    Auch für Karl-Heinz Brändle, 49, der seit 2014 Sitzwachen macht, war noch nie ein Besuch Routine: „Es war immer anders: manchmal spannend, manchmal witzig, manchmal traurig.“ Er findet es sehr befriedigend, dass sich an Demenz Erkrankte während seines Dienstes frei bewegen können. Der Stuttgarter erinnert sich auch an die Sitzwache bei einer Frau, die ASL hatte und nicht mehr sprechen konnte. Trotz ihrer Nervenkrankheit war es ihr aber noch möglich, auf ihrem Handy zu tippen. Sie wünschte sich, dass Karl-Heinz Brändle ihr die Arme massierte. Bei der Massage ist sie eingeschlafen. „Ich habe dann einfach an ihrem Bett gesessen. Ich war einerseits sehr traurig, dass die Frau so krank war, aber andererseits glücklich, dass ich ihr ein bisschen Erleichterung verschaffen konnte.“

Schwestern sind immer im Hintergrund

Vor 15 Jahren ist der Sohn von Karl-Heinz Brändles Schwester im Alter von 18 Jahren mit dem Auto tödlich verunglückt. Das hat ihn aufgerüttelt. „Ich habe mich mit dem Tod beschäftigt, denn den Kopf in den Sand zu stecken, das passt nicht zu mir.“ Mit Anfang 40 wurde bei ihm das Gefühl immer stärker, Menschen helfen zu wollen, denen es nicht gut geht. Als er in der Zeitung einen Hinweis auf eine Infoveranstaltung des Marienhospitals zum Thema Sitzwache sah, war das für ihn wie ein Hinweis mit dem Zaunpfahl. „Bei der Veranstaltung waren viel mehr Interessenten als gesucht wurden. Ich dachte, ich habe keine Chance. Aber ein paar Tage später bekam ich einen Anruf, dass ich dabei bin“, freut sich der ehrenamtliche Helfer auch noch drei Jahre später. Die Ausbildung sei eine sehr intensive Zeit gewesen. Er habe dadurch etwas ganz Wertvolles an die Hand bekommen.
   Bei seinem ersten Einsatz war Karl-Heinz Brändle sehr aufgeregt. „Das Gute ist, dass uns immer gesagt wird, ihr könnt nichts falsch machen. Wenn ihr nicht weiterkommt, klingelt ihr. Die Schwestern sind immer im Hintergrund.“ Immer wieder beeindruckt ihn die Spiritualität im Marienhospital, dieses „menschlichere Miteinander, das man sieht und spürt.“ So steht zum Beispiel Schwester Engeltraud jederzeit für Gespräche nach belastenden Einsätzen für Sitzwachen bereit.

Gebet als Trost

Auch Traute Glöckler findet, dass die Atmosphäre im Marienhospital besonders ist. „Auf der Palliativstation muss ich immer wieder die letzte Wegstrecke aushalten. Trost und hilfreich ist für mich da ein Gebet. Doch, wenn ich die Glaubenseinstellung des Patienten nicht kenne, bete ich nur für mich im Stillen.“ Eine ganz besondere Erinnerung ist für die Ehrenamtliche die Begegnung mit einer Sterbenden, der sie die Hand gehalten und für sie das Lied „So nimm denn meine Hände und führe mich“ gesungen hat: „Ich habe gespürt, wie die Frau darauf noch reagiert hat“, erinnert sich die Rentnerin.
   Manchmal kann die Seniorin nach ihren Einsätzen im Marienhospital nicht gleich einschlafen, weil sie ihre Eindrücke und Erlebnisse erst verarbeiten muss. „Ich hatte als Sitzwache noch nie einen Patienten, der Schmerzen aushalten musste. Das ist für mich persönlich eine große Beruhigung.“ Doch Tabletten gegen die Angst vor dem Krankenhaus und Unsicherheit gibt es nicht. Deshalb wünscht sie sich, dass die Gesellschaft hier mehr Einsatz zeigt. Traute Glöckler: „Denn die Zahl der Alleinstehenden oder der Menschen mit weit entfernt lebenden Familienmitgliedern wird steigen.“ (as)

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Faltblatt: Krankenhausseel- sorge im Marienhospital

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