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Abschied vom Marienhospital – Schwester Hildegard Spieß im Portrait

Das Marienhospital Stuttgart steht in der Trägerschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal. Das Bild der Klinik in der Öffentlichkeit wird entscheidend durch die zahlreichen Ordensfrauen geprägt, die am Haus tätig sind. Schwester Hildegard Spieß war eine von ihnen. Seit 1966 lebte und arbeitete sie am Marienhospital. Die längste Zeit davon war sie Krankenschwester in der Ambulanz der Inneren Medizin – eine Tätigkeit, der sie mit Leib und Seele nachgegangen ist. Ende Mai 2017 verließ Schwester Hildegard – nach 51 Jahren – das Marienhospital. Die 75-jährige Ordensfrau zog in den Wohnpark Maria Hilf, das Altenheim des Klosters Untermarchtal.

Abschied vom Marienhospital: nach 51 Jahren Wirkungsstätte

51 Jahre lang war Schwester Hildegard Spieß im Marienhospital Stuttgart tätig, davon 30 Jahre in der Pflege. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte die 75-jährige Ordensfrau Ende Mai 2017 ins Kloster Untermarchtal zurück.

Erzogen in katholischer Tradition

„Ich wurde 1942 als achtes von zehn Kindern geboren. Meine Familie lebte in Dietershofen, einem kleinen Ort mit 120 Einwohnern in der Nähe von Sigmaringen. Dort führten meine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem auch eine Mühle gehörte. Viele Bauern aus dem Umkreis kamen mit Pferdefuhrwerken zu uns, um ihr Korn mahlen zu lassen. Auf dem Hof herrschte so immer ein geschäftiges Kommen und Gehen“, erinnert sich Schwester Hildegard. „In den Ferien halfen wir Kinder bei der Kartoffel- oder Heuernte. Der Hof war ein richtiger Familienbetrieb – jeder hatte seine Aufgabe, jede Hand musste mit anpacken.“
    Lange Zeit sei die Dorfgemeinschaft rein katholisch gewesen; Protestanten zogen erst nach Kriegsende hinzu, erinnert sich die 71-Jährige. „Für uns als Familie war es ganz selbstverständlich, sonntags gemeinsam in den Gottesdienst zu gehen und katholische Traditionen und Brauchtümer zu pflegen“, stellt die Ordensschwester fest. „Die kirchlichen Feste habe ich als Höhepunkte im Landleben in Erinnerung. Sie stellten mitunter die einzige Abwechslung zum Alltag dar.“

Sr. Hildegard Spieß: 30 Jahre in der Pflege tätig (4 Bilder)

Mit Leib und Seele Krankenschwester: 1966 mit 24 Jahren begann Schwester Hildegard ihre Krankenpflegeausbildung im Marienhospital. Nach verschiedenen Tätigkeiten im Pflegebereich wurde ihr 1975 die Leitung der inneren Ambulanz übertragen. Hier eine Aufnahme von 1985 und ...
eine nicht näher datierte, vermutlich aus den 1990-er Jahren.
Das ärztliche und pflegerische Leitungsteam der Abteilung Gastroenterologie im Jahr 1998 unter Leitung von Chefarzt Dr. Karl Otto Hass (vordere Reihe, zweiter von rechts). Sr. Hildegard ist vorne links zu sehen.
Mit 60 Jahren gab Sr. Hildegard die Leitung der inneren Ambulanz ab. Seit dieser Zeit bleibt ihr wieder mehr Zeit für das Gebet und Gespräche mit ihren Mitschwestern. Hier mit Sr. Ethelberta Schad vor der Kapelle in der Eingangshalle des Marienhospitals.

Erste Tochter in Ausbildung

„Von 1956 bis 1959 habe ich eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten in einem Bauunternehmen gemacht. Darauf war ich sehr stolz“, betont Schwester Hildegard. „Von sechs Töchtern war ich nämlich die erste, die einen Beruf erlernen durfte. Meine älteren Schwestern sind zur Hauswirtschaftsschule gegangen, um dort kochen und nähen zu lernen – und sich so auf ein Leben als Hausfrau und Mutter vorzubereiten.“
    Nach Ausbildungsende war Schwester Hildegard noch einige Jahre für das Bauunternehmen tätig, bis ihr Lebensweg eine neue Wendung nahm. „Ob ein Leben als Ordensfrau mir vorbestimmt war? Drei meiner Tanten waren bereits Ordensschwestern: die erste Vinzentinerin im Kloster Untermarchtal, die zweite Vinzentinerin im Kloster Heppenheim, die dritte Benediktinerin im Kloster Habsthal. Ich war 13 Jahre alt, als meine um acht Jahre ältere Schwester ebenfalls ins Kloster Untermarchtal eintrat. Als ich 16 war, legte sie als Schwester Solana ihr Ordensgelübde ab. Charakterlich waren wir recht unterschiedlich und daher war ich mir sicher: Dieses Leben im Kloster ist zwar gut für meine Schwester, aber nichts für mich.“

Ein Leben als Ordensfrau?

Verändert hat sich ihre Einstellung durch einen Krankenhausaufenthalt zwei Jahre später. „Mit 18 Jahren musste ich an der Schilddrüse operiert werden. Die Krankenschwestern in dieser Klinik nahmen sich wenig Zeit für die Patienten, obwohl viele mehr Zuwendung gebraucht hätten. So entstand in mir der Wunsch, selbst Krankenschwester zu werden und es besser zu machen, als ich es persönlich erlebt hatte“, erinnert sich Schwester Hildegard. „Ich wusste, dass die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul nicht zurückgezogen hinter Klostermauern leben, sondern in sozialen Berufen arbeiteten – vielfach in der Krankenpflege.“ Mit diesem Wissen im Hinterkopf dachte die junge Frau zum ersten Mal darüber nach, ob ein Leben als Ordensschwester für sie infrage kommen könnte.
    In den Jahren 1960 und 1961 verbrachte sie noch einige Besinnungstage im Kloster Untermarchtal. „Im Laufe der Zeit ist die innere Gewissheit in mir gewachsen, dass auch ich den Barmherzigen Schwestern beitreten möchte. Wie dieser Prozess abgelaufen ist, kann ich nicht erklären – irgendwann war ich mir einfach sicher“, erinnert sich Schwester Hildegard.
    Von den Eltern wurde der Entschluss der Tochter positiv aufgenommen. „Meine Mutter hat sich sehr gefreut, zwei Ordensfrauen als Töchter zu haben. Mein Vater war etwas skeptischer, sicherte mir aber ganz praktisch zu: ‚Wenn es dir nicht gefällt, kommst du einfach wieder heim!’“ Im Herbst 1962 folgte schließlich der Eintritt ins Kloster Untermarchtal. Nach drei Jahren Postulat und Noviziat legte die damals 23-Jährige 1965 ihr Ordensgelübde ab.

Ausbildung zur Krankenschwester

„Obwohl ich bereits gesagt hatte, dass ich gerne Krankenschwester werden würde, hatte die damalige Ordensleitung vorgesehen, dass ich ein Praktikum in einem Kindergarten machen sollte. Da stand ich also in einem ‚Stall voll Kinder’ – und war völlig überfordert. Ich habe die Kleinen überhaupt nicht in den Griff bekommen“, gibt Schwester Hildegard zu. Die Ordensleitung hatte ein Einsehen mit der jungen Schwester und schickte sie 1966 zur Krankenpflegeausbildung ans Marienhospital nach Stuttgart. Hier gerät Schwester Hildegard ins Schwärmen. „In der Ausbildung habe ich meine Erfüllung gefunden. Ich bin mit Leib und Seele Krankenschwester geworden.“
    Nach Ausbildungsende half Schwester Hildegard einige Jahre als sogenannte Springerin auf Stationen aus, auf denen – etwa urlaubsbedingt – Personalknappheit herrschte. „1971 schickte mich die Ordensleitung für ein Jahr nach Köln. Dort machte ich eine Fortbildung, um danach eine Lehrtätigkeit an der Krankenpflegeschule des Marienhospitals übernehmen zu können.“ Die Zeit in Köln habe sie sehr genossen, erklärt Schwester Hildegard. Jedes Wochenende standen Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und der Region auf dem Programm. „Zurück am Marienhospital stellte ich jedoch schnell fest, dass mir die Tätigkeit als Unterrichtsschwester nicht liegt. Ich selbst hatte ja nur einen Volksschulabschluss – ich fühlte mich nicht qualifiziert, die jungen Leute zu unterrichten“, gibt die Vinzentinerin ganz offen zu. „Zudem hat mir der Kontakt zu den Patienten gefehlt.“

30 Jahre in der Pflege

1975 kehrte Schwester Hildegard in die Krankenpflege zurück und übernahm eine Stelle in der Ambulanz der inneren Medizin – eine Tätigkeit, in der sie völlig aufging. So kam es auch, dass ihr bereits nach sechs Monaten die Leitung des Bereichs übertragen wurde. „Rückblickend denke ich immer: Zu diesem Zeitpunkt begann mein eigentliches Leben“, erklärt die Ordensschwester entschieden. Besondere Freude bereitete Schwester Hildegard der Kontakt zu vielen Menschen. Dabei war der Anspruch, den sie an sich selbst stellte, hoch. „In einer Ambulanz gewinnen die Patienten oft den ersten Eindruck über ein Krankenhaus. Obwohl man oft nicht viel Zeit für die Patienten hat, war es mir immer wichtig, auf jeden einzelnen bestmöglich einzugehen.“
    Ende der 1970-er und in den 1980er-Jahren differenzierte sich das Feld der inneren Medizin in zwei Fachabteilungen: Kardiologie und Gastroenterologie mit je speziellen Untersuchungen. „Und auch die Bedeutung von Technik und EDV ist immer größer geworden. Für mein Team und mich galt dabei stets: Je größer die Bedeutung der Medizintechnik wird, umso wichtiger ist es, dass wir uns dem Patienten menschlich zuwenden“, sagt Schwester Hildegard. Die Leitung der Ambulanz gab sie 2002 mit 60 Jahren ab. „Danach folgten noch drei Jahre, in denen ich mich völlig um die Patienten kümmern konnte, ohne administrative Aufgaben wie die Dienstplanung ausfüllen zu müssen. Auch diese Zeit empfand ich noch einmal als sehr erfüllend.“

Mehr Raum für das regelmäßige Gebet

Doch in den Ruhestand zog sich Schwester Hildegard auch nach rund 50 Arbeitsjahren nicht zurück: Von 2005 war sie Assistentin der Oberin der 50 Ordensschwestern im Konvent – eine vielseitige Tätigkeit. Hier war es unter anderem ihre Aufgabe, sich um kranke und ältere Mitschwestern zu kümmern, indem sie zum Beispiel Arzttermine organisierte und die Mitschwestern dorthin begleitete. Außerdem war Schwester Hildegard mit der Einsatzleitung der ehrenamtlichen Sitzwachen im Krankenhaus betraut. „Es bestand zwar kein direkter Kontakt mit den Patienten. Aber der Einsatz für die Schwerkranken und Sterbenden erfüllte mich sehr, auch wenn er sich auf die Koordination, auf Telefonate mit dem Pflegepersonal und den ehrenamtlichen Sitzwachen beschränkte“, sagt Schwester Hildegard.
    „Meine Aufgaben führte ich aber nur in Teilzeit aus. In dieser Zeit hatte ich wieder die Gelegenheit, regelmäßig an den Gebetszeiten der Schwestern in der Kapelle teilzunehmen. Eingebunden in den Ambulanzalltag mit Schichtdiensten war das oft nicht möglich gewesen. Erst im Nachhinein hatte ich bemerkt, wie sehr mir das regelmäßige Gebet gefehlt hatte“, gibt Schwester Hildegard zu. „Aber wie hat unser Ordensgründer Vinzenz von Paul einmal gesagt: ‚Krankendienst ist auch Gottesdienst‘. So habe ich mein Leben und meinen Glauben gelebt.“

Rückkehr ins Kloster Untermarchtal

Ihre Entscheidung, das Marienhospital zu verlassen, habe gesundheitliche Gründe, erläutert Schwester Hildegard. Unter anderem leide sie an einer fortschreitenden Augenerkrankung. „Meine liebgewonnen Aufgaben im Schwesternkonvent des Marienhospitals wie etwa meine Mitschwestern zum Arzt zu fahren, konnte ich daher leider allesamt nicht mehr ausüben“, sagt sie. „In Untermarchtal werde ich viele ältere Mitschwestern wiedertreffen. Ich freue mich darauf“, so Schwester Hildegard.

Kontakt

Konvent Marienhospital Stuttgart

Böheimstraße 37
70199 Stuttgart
Schwester Arntraud Krieger
Telefon: 0711 6489-2900
sr.arntraud@vinzenz.de
Weitere Infos ...

Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul

Margarita-Linder-Straße 8
89617 Untermarchtal

Telefon: 07393 30-0
Telefax: 07393 30-560
kontakt@untermarchtal.de
www.untermarchtal.de

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