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Ein Chilipflaster als letzte Rettung

Das Marienhospital hat jetzt neben einer Schmerzambulanz auch eine eigene Schmerzstation

Das Marienhospital hat in den letzten Jahren seine Schmerzmedizin erweitert. Der Bereich wird geleitet von der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin. Die Schmerzmedizin besteht im Marienhospital aus vier Säulen: Eine davon ist der 24-stündige Akutschmerzdienst für stationäre Patienten, die beispielsweise nach einer Operation unter Schmerzen leiden. Eine weitere ist die Schmerzambulanz, zu der nach Voranmeldung externe Patienten kommen können, die vom Haus- oder Facharzt überwiesen werden. Außerdem unterhalten die Schmerzmediziner des Marienhospitals einen Konsiliardienst; das heißt, dass sie Patienten aller Abteilungen auf Anforderung durch einen ärztlichen Kollegen mitbehandeln. Die neueste der vier Säulen ist eine stationäre Abteilung für „multimodale Schmerztherapie“ mit vier Betten. Sie eröffnete im April.

Oberärztin Tatiana Meireles mit dem Chilipflaster: Daneben Patient Frank Pötzsch und der Algesiologische Fachassistent Haris Zubanovic

Oberärztin Tatiana Meireles mit dem Chilipflaster: Daneben Patient Frank Pötzsch und der Algesiologische Fachassistent Haris Zubanovic

Leiterin aller vier Bereiche ist Oberärztin Tatiana Meireles. Zu ihrem Team gehören die Neurologin Dr. Martina Hoeft und ein Facharzt in Weiterbildung. Zwei weitere Anästhesisten des Hauses mit einer Ausbildung in Schmerzmedizin – Tobias Weckmann und Oberarzt Dr. Christian Ramp – stehen zudem bei Bedarf mit Rat und Tat zur Verfügung. Fest zum Team gehören auch Haris Zubanovic, der unter anderem für den Akutschmerzdienst zuständig ist und Pejman Satvat. Beide sind Algesiologische Fachassistenten, also Pflegekräfte mit einer speziellen Weiterbildung in Schmerztherapie.

Andere Fachabteilungen beteiligt

„Wenn einzelne schmerztherapeutische Maßnahmen nicht ausreichen, können wir eine multimodale Schmerztherapie anbieten. Das ist eine Therapieform, die sowohl körperliche als auch psychosoziale Faktoren in der Schmerzentstehung berücksichtigt“, sagt Tatiana Meireles. Hierfür arbeiten die Schmerzmediziner eng mit anderen Berufsgruppen zusammen; etwa mit Ärzten der Klinik für Psychosomatische Medizin, Physio- und Ergotherapeuten. Die neue Bettenstation der Schmerzab-teilung steht ausschließlich für die multimodale Therapie zur Verfügung.

Viel Zeit für die Patienten

Schmerzmedizin ist zeitintensiv. Tatiana Meireles berichtet, dass bereits der Erstkontakt in ihrer Schmerzsprechstunde zwei Stunden dauert. „Eine halbe Stunde lang füllt der Patient einen Fragebogen zu seiner Krankheitsgeschichte aus, danach reden wir etwa anderthalb Stunden, und es findet eine erste körperliche Untersuchung statt“, sagt sie.

Patient bekommt Chilipflaster: Oberärztin Tatiana Meireles und Haris Zubanovic kleben Patient Frank Pötzsch ein Chilipflaster auf. Dessen Wirkung wird für gut zwei Monate seine Fußschmerzen deutlich lindern.

Patient bekommt Chilipflaster: Oberärztin Tatiana Meireles und Haris Zubanovic kleben Patient Frank Pötzsch ein Chilipflaster auf. Dessen Wirkung wird für gut zwei Monate seine Fußschmerzen deutlich lindern.

Zumindest die Symptome lindern

Die Patienten, die zu Oberärztin Meireles und ihrem Team kommen, haben oft bereits eine lange Ärzteodyssee hinter sich, und häufig konnte niemand einen Grund für ihre Schmerzen finden. „Auch uns gelingt das nicht immer. Aber dann können wir zumindest die Symptome, also den Schmerz selbst behandeln“, sagt sie. Medikamente, Physio-, Psycho- und Ergotherapie stehen dabei ebenso zur Verfügung wie in schwierigen Fällen operative Verfahren. „Es gibt heute Möglichkeiten, Geräte zu implantieren, die ähnlich wie Herzschrittmacher funktionieren. Sie leiten über eine dünne Sonde elektrische Impulse ins Gehirn oder Rückenmark und können so Schmerzen lindern oder beseitigen“, so Tatiana Meireles. Einer, der bis heute keine Ursache für seine Schmerzen kennt, ist Frank Pötzsch. „Ich bekam 2013 plötzlichheftig brennende Schmerzen an den Fußsohlen. Man konnte von außen aber keinerlei Veränderung der Haut erkennen“, sagt er. Frank Pötzsch besuchte verschiedene Ärzte, die aber keine korrekte Diagnose stellen konnten. An der Universität Tübingen ergab eine Hautbiopsie schließlich, dass Frank Pötzsch an einer Small Fiber Polyneuropathie leidet. Das ist eine Nervenschädigung, welche die kleinen äußeren Nervenfasern betrifft. Ursache können Diabetes, Vergiftungen, Vitaminmangel, Alkoholismus und vieles mehr sein. Bei Frank Pötzsch aber ließ sich keiner der gängigen Gründe finden.

Polyneuropathie an den Füßen

„Ich bekam Schmerzmittel, die aber nicht halfen. Anders als bei anderen Betroffenen, bei denen Beschwerden vor allem nachts auftreten, habe ich sie meist tagsüber bei größerer körperlicher Belastung“, sagt er. Frank Pötzsch ist leitender Angestellter mit überwiegend sitzender Tätigkeit. „Hätte ich einen Job, in dem ich viel auf den Füßen sein muss, wäre ich vermutlich berufsunfähig, weil die Schmerzen extrem werden, wenn ich viel laufe oder stehe“, sagt er. Da ihm niemand helfen konnte, versuchte er es mit Alternativmedizin, ging sogar in eine Klinik für chinesische Medizin. „Dort habe ich mich erstmals ernst genommen gefühlt, aber die Schmerzen konnte man mir auch nicht nehmen“, sagt er. Er ergoogelte sich selbst immer mehr Wissen über seine Erkrankung und fand auf der Internetseite des Marienhospitals einen Hinweis, dass man hier Nervenschmerzen mit Chilipflastern behandelt. „Ein Pflaster mit dem Wirkstoff Capsaicin entspricht der Schärfe von 1000 Chilischoten, die man auf einmal in den Mund nimmt“, so Oberärztin Meireles. „Obwohl das Pflaster 30 Minuten auf der Haut bleibt, hält man das gut aus, da man vorher mit einer Salbe örtlich betäubt wird“, sagt Frank Pötzsch.

Die zweite Behandlung schlug an

Die erste Behandlung mit dem sogenannten Qutenza-Pflaster im Jahr 2014 habe nicht angeschlagen. „Ich habe es noch mal probiert, und seit der zweiten Anwendung vor zwei Jahren funktioniert es“, so der Patient. Der Chiliextrakt im Pflaster hemmt die Schmerzrezeptoren an seinen Füßen so, dass er zweieinhalb Monate lang keine Schmerzen hat. „In den zwei Wochen vor der nächsten Behandlung nimmt der Schmerz langsam wieder zu", sagt er.Frank Pötzsch hofft, dass das Pflaster ihm auf Dauer hilft. Laut Tatiana Meireles stehen die Chancen dafür gut. Und noch eine andere Hoffnung gibt Frank Pötzsch nicht auf: Manchmal verschwindet eine Polyneuropathie auf genauso rätselhaftem Wege wieder wie sie gekommen ist.

Infos zur Abteilung Schmerzmedizin 

Kontakt Schmerzmedizin

Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerzmedizin

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70199 Stuttgart
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