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Prostatakrebs – ignorieren, operieren oder bestrahlen?

Neue Studien zu Prostatakrebs zeigen, welche Behandlungsmethode optimal ist

In Deutschland erkranken jährlich rund 64.500 Männer neu an Prostatakrebs. Für die Behandlung gibt es mehrere Alternativen. Diese reichen davon, den Tumor nur abwartend zu beobachten und sonst zunächst nichts zu tun, über Operation oder Strahlentherapie bis zu einer Kombination der beiden letztgenannten Verfahren. Welche Methode aber ist für den Patienten am besten? Neue Studien geben hierüber Aufschluss.

Erfolgreiche Behandlungsmethode bei Prostatakrebs: die Bestrahlung

Professor Dr. med. Thomas Hehr leitet die Klinik für Strahlentherapie und Palliativmedizin im Marienhospital Stuttgart. Hier steht er hinter einem der beiden Linearbeschleuniger, die auch zur Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs eingesetzt werden. Der Behandlungsraum ist in bläuliches Licht getaucht, da blau auf Patienten beruhigend wirkt.

Entweder operieren oder bestrahlen

Wird Prostatakrebs so früh erkannt, dass er noch keine benachbarten Organe angegriffen hat, gilt die Faustregel: entweder operieren oder bestrahlen. „Denn beides nacheinander zu tun, würde die Heilungs- und Überlebenschance in diesem Fall nicht erhöhen“, so Professor Dr. Thomas Hehr, der Ärztliche Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Palliativmedizin des Marienhospitals.

Die Lebenserwartung ist gleich

Ob sich ein Patient mit einem früh erkannten Tumor für eine Operation oder lieber für eine Strahlentherapie entscheidet, hat auf seine durchschnittliche Lebenserwartung keinen Einfluss. Beide Verfahren gelten in dieser Hinsicht als gleich gut, während Chemotherapie nur wenig bringt. „Dies ist das Ergebnis einer Ende letzten Jahres im New England Journal auf Medicine veröffentlichten Studie mit dem Namen ProtecT“, so Professor Hehr. An der vor zehn Jahren gestarteten Studie nahmen 1643 Patienten teil, die randomisiert wurden, denen also nach Zufallsprinzip eine Behandlungsmethode „zugelost“ worden war. Nach zehn Jahren hatten gleich viele Bestrahlungs- wie OP-Patienten den Prostatakrebs überlebt. Allerdings hatten die Bestrahlungspatienten seltener unter schweren Nebenwirkungen zu leiden.

Inkontinenz trat seltener auf

Häufige Negativfolge einer Prostatakrebsoperation ist Inkontinenz. Ein halbes Jahr nach der Behandlung mussten 46 Prozent der Operierten regelmäßig Einlagen tragen, weil sie ihren Harn nicht mehr kontrollieren konnten. Nach Radiotherapie (Bestrahlung) war das nur bei vier Prozent der Fall. Auch die Erektionsfähigkeit wird durch Bestrahlung und OP oft negativ beeinflusst. Waren vor der Behandlung noch 67 Prozent der Männer zum Geschlechtsverkehr in der Lage, galt dies nach der Operation nur noch für 12 Prozent. Nach der Strahlentherapie waren es mit 22 Prozent fast doppelt so viele.

Bestrahlung immer genauer

„Die Strahlentherapie hat in den letzten Jahre zudem zahlreiche Fortschritte gemacht“, so Professor Hehr. Die oft mehrere Millionen Euro teuren Linearbeschleuniger, welche die heilende Elektronen- oder Photonenstrahlung erzeugen, sind immer präziser geworden. Sie treffen den Tumor mit hoher Energie, schonen aber dank höchster Präzision das umliegende Gewebe optimal. Das Gerät auf dem Foto oben etwa verfügt über einen eingebauten Computertomografen, der den Tumor millimetergenau lokalisiert. Dadurch kann der Patient bei jeder der meist 39 Bestrahlungssitzungen genau gleich positioniert werden und die Bestrahlung mit maximaler Treffergenauigkeit erfolgen.

Tumor erst mal nicht behandeln?

Für medizinische Laien oft erstaunlich erscheint die Option, Prostata-
krebs zunächst gar nicht zu behandeln. „Bei jeder anderen Krebsart gilt ja: Je früher man den Tumor beseitigt, umso geringer ist das Risiko, dass er in andere Organe ausstrahlt und umso höher ist die Heilungs- beziehungsweise Überlebenschance“, so Professor Hehr. Gerade bei älteren Patienten mit einem wenig aggressiven Prostatakrebs sei aber das Verschieben der Behandlung auf einen späteren Zeitpunkt eine mögliche Alternative. Behandelt wird der Tumor nur, falls er eine bestimmte Größe überschreitet.
    In die gerade abgeschlossene ProtecT-Studie gingen auch Patienten ein, bei denen man sich für dieses abwartende Beobachten entschieden hatte. Bei dieser Gruppe hatte sich die Erkrankung schneller fortentwickelt, und es hatten sich häufiger Metastasen (Tochtergeschwulste in anderen Organen) gebildet als bei früh operierten oder bestrahlten Patienten. Die Zahl der Kranken, die zehn Jahre nach Erstdiagnose der Krankheit noch lebten, war aber bei allen drei Patientengruppen gleich hoch. „Die Lebensqualität allerdings war bei den bestrahlten Patienten im Schnitt am höchsten und auch bei den Operierten war sie noch deutlich höher als bei nicht behandelten Patienten“, so Professor Dr. Thomas Hehr.

Behandlung bei spät erkanntem Prostatakrebs

„Prostatakrebs, der erst spät erkannt wird und bei dem auch schon benachbarte Organe vom Krebs betroffen sind, sollten aus einer Kombination von Operation und anschließender Strahlentherapie behandelt werden“, empfiehlt Professor Hehr. Der Chef der Strahlenklinik betont, dass das Marienhospital bekannt für seine interdisziplinäre Zusammenarbeit sei. „An unserem Haus arbeiten Onkologen, Chirurgen, Strahlenmediziner und Vertreter anderer medizinischer Fachrichtungen eng zusammen. Jeder Krebspatient kann daher sicher sein, die für ihn optimale Therapie zu erhalten.“
    An seiner Klinik werden jährlich rund 50 Patienten mit Prostatakrebs strahlenmedizinisch behandelt. Meist kommen die Kranken acht Wochen lang an fünf Tagen pro Woche zur Bestrahlung ins Marienhospital. Sie liegen dabei rund fünfzehn Minuten auf dem Bestrahlungstisch, weil die präzise Lagerung zeitaufwendig, aber wichtig ist. „Die eigentliche Bestrahlung dauert dann nur wenige Minuten“, so Professor Hehr.

Schließmuskel mit Kater

Von der Strahlung spürt der Patient nichts, sie ist schmerzfrei. Eine häufige Nebenwirkung ist aber anschließender Stuhl- und Harndrang. „Die Schließmuskel am Enddarm und an der Harnröhre bekommen durch die Bestrahlung eine Art Muskelkater“, erläutert Thomas Hehr. Dieser bilde sich aber im Anschluss an die Bestrahlung wieder zurück. Auch zu Schmerzen beim Stuhlgang und Wasserlassen könne es vorübergehend kommen, weil die Strahlung benachbarte Schleimhäute reize.
    Die Prognose des Prostatakrebs ist für eine bösartige Geschwulst relativ günstig. Fünf Jahre nach der Diagnose leben je nach Art des Tumors noch 80 bis 99 Prozent der Betroffenen, in 70 Prozent der Fälle ist durch Bestrahlung oder Operation sogar eine vollständige Heilung möglich. Hat der Krebs schon in andere Organe gestreut, liegt die Überlebensquote bei 31 Prozent.
    „Prostatakrebs vorzubeugen, ist nicht möglich, er ist schicksalhaft“ sagt Professor Hehr. Generell gelte für ihn wie für fast alle Erkrankungen: Nicht rauchen, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können Krankheiten zwar nicht sicher verhindern, ihr Entstehungsrisiko aber zumindest absenken.

Kontakt

Klinik für Strahlentherapie und Palliativmedizin

Marienhospital Stuttgart
Böheimstraße 37
70199 Stuttgart
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Telefon: 0711 6489-2604
Telefax: 0711 6489-2605
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