Kunst im Marienhospital: Kreuze
Aufmerksame Besucher des Marienhospitals bemerken es schnell: Auf die Ausgestaltung des Krankenhauses mit Kunstwerken wird großer Wert gelegt. Hochwertige Drucke, fein gearbeitete Marmorskulpturen, moderne Glas-Licht-Objekte wie auch historische Ölgemälde schmücken die Räume und Flure. Und daneben immer wieder: Kreuze.
Das Marienhospital steht in der Trägerschaft der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. Es ist ein christlicher Brauch, das Kreuz nicht nur in der Kirche zu verehren, sondern es als ein Zeichen des Segens auch in den Wohnungen zu haben. Diesem Brauch folgend sind Kreuze in der künstlerisch-dekorativen Gestaltung des katholischen Krankenhauses von großer Bedeutung.
1000 Kreuze unterschiedlichster Art
„In jedem Patientenzimmer hängt ein Kreuz, in den Untersuchungsräumen der Ambulanzen, in den Operationssälen, den Schulräumen und auch den Büros der Mitarbeiter“, erklärt Schwester Consolatrix Bradatschek. Die Ordensfrau ist zusammen mit ihrer Mitschwester Dr. Margarita Beitl für die künstlerische Ausgestaltung des Marienhospitals zuständig. „Im gesamten Haus sollten an die 1000 Kreuze zu finden sein“, schätzt Schwester Margarita.
Die 1000 Kreuze im Marienhospital sind aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt und auch in ihrer Gestaltung sehr vielfältig. „In den OPs und den Untersuchungsräumen sind die Kreuze aus hygienischen Gründen aus Metall. So lassen sie sich desinfizieren, ohne dass sie beschädigt werden“, erklärt Schwester Consolatrix. Daneben finden sich Holzkreuze, Steinkreuze, Kreuze aus Ton, Kreuze mit und ohne Darstellung des gekreuzigten Jesus Christus.
Kreuze von Hilde Reiser
Unter der Vielzahl der Kreuze im Marienhospital sind einige, die eine spezielle Geschichte haben. 1983 beauftragte das Marienhospital die in Stuttgart lebende Künstlerin Hilde Reiser damit, eine Serie an Kreuzen zu gestalten. Innerhalb weniger Monate entstanden so 180 handbemalte Holzkreuze, jedes davon ein Unikat.
Die Künstlerin hatte bei ihrer Arbeit den speziellen Auftrag, Jesus lebend darzustellen. Die Kreuze sollten aufmunternd und positiv sein. Auf jedem der nach der Künstlerin benannten „Reiser-Kreuze“ ist Jesus mit ausgebreiteten Armen dem Betrachter zugewandt. Sein Gesichtsausdruck wechselt dabei zwischen wissend, verstehend und tröstend. Beim Betrachter soll diese Darstellung das Gefühl wecken, umarmt und aufgenommen zu sein.
Die meisten Kreuze der Serie zeigen Jesus zusammen mit Maria, seiner Mutter. Auf einigen sind zudem Engel oder Personen abgebildet. Jesus wird von diesen Personen gestützt und begleitet. Die Künstlerin bezeichnet jedes der Kreuze als „Kreuz der Beziehungen“. Die Mutter des Herrn steht dem Leidenden bei und ist zugleich von ihm aufgenommen. Die menschliche Beziehung öffnet sich zur Beziehung mit Gott.
In der Farbgestaltung setzte Hilde Reiser auf warme Farben wie Rot, Gelb und Violett sowie auf Grün, die Farbe, die für Hoffnung und Neubeginn steht. Die „Reiser-Kreuze“ sollen in besonderer Weise kranke und leidende Menschen ansprechen. „In konfessionellen Krankenhäusern findet man natürlich immer Kreuze. Aber aufwendig handgefertigte Kreuze, wie wir sie haben, sieht man darunter selten“, berichtet Schwester Consolatrix.
Position ist mit Bedacht gewählt
Die Position der Kreuze in den Patientenzimmern ist mit Bedacht gewählt. „Wir haben die Kreuze bewusst an der Seitenwand im Patientenzimmer angebracht“, erklärt Schwester Consolatrix. „Die Kreuze sind ein Angebot zur Betrachtung. Sie sollen präsent sein, sich dem Patienten aber nicht aufdrängen.“ So erweist das katholische Marienhospital auch Patienten anderer Konfessionen Respekt vor ihrer Glaubensüberzeugung und Respekt denen, die eventuell keinen Bezug zum Kreuz als spirituellem Symbol haben.
Viele Patienten und Besucher waren schon von den Kreuzen im Marienhospital angetan und wollten eines davon für ihre eigene Wohnung erstehen. Sämtliche Kreuze des Hauses sind allerdings unverkäuflich. (eik)












