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Was bedeutet Palliativmedizin?

Palliativmedizin beruht auf einem ganzheitlichen Konzept in der Betreuung von Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung. Es geht nicht um Heilung wie bei der kurativen Medizin, sondern um eine kurz- bis mittelfristige Verbesserung des körperlichen und psychischen Zustandes schwer kranker Patienten. Das heißt, nicht die Lebensverlängerung steht im Vordergrund, sondern in der noch verbleibenden Zeit soll eine bestmögliche Lebensqualität erreicht werden. Dies können wenige Tage, aber auch mehrere Jahre sein.
    Im Mittelpunkt der Palliativmedizin steht die Befreiung oder zumindest Linderung von schwerwiegenden körperlichen und psychischen Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Husten, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Unruhe, entstellenden Wunden oder durch das Tumorwachstum entstandenen körperlichen Veränderungen. Dazu gehört aber auch als gleichwertiges Element die offene Kommunikation mit den schwer kranken oder sterbenden Patienten und deren Angehörigen. Diese ganzheitliche Betreuung wird durch ein interdisziplinäres und multiprofessionelles Team ermöglicht. Ihm gehören Ärzte, palliativmedizinisch ausgebildete Pflegekräfte, Seelsorger, Psychologen, Sozialarbeiter, Krankengymnasten, Diätassistenten und andere Berufsgruppen an.
    Die Palliativmedizin schließt auch Behandlungsmaßnahmen wie Chemotherapie, Strahlentherapie oder operative Medizin mit ein. Voraussetzung für ihren Einsatz ist allerdings, dass sie sich insgesamt vorteilhaft auf die Lebensqualität des Patienten auswirken – also eventuell auftretende Nachteile bzw. Nebenwirkungen wie Schmerzen, zeitweilige Übelkeit oder Haarausfall aufwiegen.
    Ziel der palliativmedizinischen Maßnahmen ist es, die Patienten bei guter Symptomkontrolle in die häusliche Umgebung zu entlassen. Gleichzeitig erhalten sie für den Fall, dass erneut ambulant nicht beherrschbare Probleme auftreten, die Zusage für eine Wiederaufnahme.
    Ursprünglich sind ausschließlich Tumorpatienten palliativmedizinisch betreut worden. Gemäß der aktuellen Entwicklung und nach neuer Definition soll die Palliativmedizin nun auch für andere leidende Patienten mit fortgeschrittenen neurologischen und kardialen Krankheitsbildern zugänglich sein.

Definition

Der Begriff der Palliativmedizin leitet sich vom lateinischen Wort palliare“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt "mit einem Mantel umhüllen". Mithilfe der Palliativmedizin wird also im übertragenen Sinn um schwer oder unheilbar kranke Patienten ein schützender Mantel gelegt, ihre Beschwerden werden gelindert, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Ein selbstbestimmtes, möglichst beschwerdefreies und bewusstes Leben bis zum Tod wird angestrebt.
    Die Definition für Palliativmedizin gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO), European Association for Palliative Care (EAPC) und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) lautet:
    „Palliativmedizin ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und deren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen: durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“

Welche palliativmedizinischen Einrichtungen gibt es?

Palliativstation

Die Palliativstation ist eine eigenständige oder an eine Abteilung im Krankenhaus angebundene Station mit ärztlicher Leitung. Sie erfüllt die Voraussetzungen des gesetzlichen Krankenhausbegriffs (§2 Nr.1 KHG, §107 SGB V). Eine Palliativstation ist keine Pflegeeinrichtung, sondern gehört zur akutmedizinischen Patientenversorgung.

Ambulantes Hospiz

Das Kernziel der Hospizbewegung besteht darin, sterbenden Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben daheim in der vertrauten Umgebung zu beenden. Viele Patienten und ihre Angehörigen trauen sich eine solche Aufgabe nicht allein zu. Durch das ambulante Hospiz wird dieser Weg nun zunehmend ermöglicht. Freiwillige HospizbegleiterInnen helfen vor allem im psychosozialen Bereich, palliativmedizinisch ausgebildete Pflegekräfte wie Brückenschwestern oder ambulante Hospizschwestern beraten in der Pflege. Auf diese Weise kann die Einweisung in eine Klinik oft vermieden werden, die Patienten können zu Hause sterben. Die Palliativstation arbeitet eng mit dem ambulanten Hospizdienst zusammen.

Stationäres Hospiz

In den stationären Hospizbereich werden Patienten aufgenommen, die unheilbar erkrankt sind und nur noch wenige Tage oder Wochen zu leben haben. Eine Behandlung in einem Krankenhaus ist hier nicht erforderlich oder wird von dem Kranken nicht gewünscht. Da der Patient jedoch sehr starke Beschwerden hat und anspruchsvoll gepflegt werden muss, kann er nicht zu Hause oder in einem Pflegeheim versorgt werden. Er ist auf die spezielle Betreuung durch palliativmedizinisch geschultes Pflegepersonal angewiesen. Die ärztliche Versorgung erfolgt über den Hausarzt oder durch einen niedergelassenen Arzt. Die Finanzierung des stationären Hospizes Stuttgart basiert auf den Regelungen des §39a SGB V.

Wann wird ein Patient aufgenommen?

Auf den beiden Palliativstationen des Marienhospitals werden schwerstkranke und sterbende Krebspatienten betreut. Für eine Aufnahme gelten wegen der begrenzten Bettenzahl folgende Kriterien:

  • akute oder neu aufgetretene Schmerzen
  • Atemnot
  • Husten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lähmungen bei Hirnmetastasen
  • Entstellungen
  • Verwirrtheit

Natürlich braucht nicht jeder schwer kranke Patient eine palliative Betreuung oder wünscht sich diese. Patienten beispielsweise, deren Symptome und Beschwerden sich ausreichend auf einer Normalstation behandeln lassen, werden nicht aufgenommen. Andererseits muss der Betreffende auch nicht im Sterben liegen, damit eine Aufnahme erfolgt. Denn Palliativmedizin und Palliative Care können oder sollen schon in einer viel früheren Phase als der Sterbephase einsetzen. Etwa 60 Prozent der Patienten werden nach Einstellung der Schmerzen und nach Organisation der Pflege wieder nach Hause entlassen. Die Verweildauer liegt durchschnittlich bei 15 Tagen.

Wie kommen die Patienten auf die Palliativstationen?

Etwa die Hälfte der Palliativpatienten wird aus anderen Abteilungen auf die Palliativstationen verlegt. Ein Teil kommt direkt aus den Ambulanzen des Hauses – vor allem aus der Strahlenambulanz, aber auch aus den Ambulanzen der HNO, Chirurgie und Gynäkologie. Ein Teil wird vom Hausarzt oder von den Brückenschwestern eingewiesen. Seltener rufen Patienten oder Angehörige direkt an und bitten um ein Aufnahmegespräch. Auch Übernahmen aus anderen Krankenhäusern sind möglich.

Was kann Palliativmedizin noch tun?

„Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun.“ Alle Bemühungen in der palliativen Betreuung sind jetzt darauf ausgerichtet, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Zum ganzheitlichen Ansatz gehört dabei, die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Probleme zu lindern. Der Patient mit seinen Nöten, Bedürfnissen und Wünschen steht im Vordergrund.

Kann Palliativmedizin immer lindern?

Das Sterben auf der Palliativstation verläuft nicht immer ruhig und harmonisch. Es gibt Situationen, da fühlen sich auch die Betreuenden hilflos und ohnmächtig – trotz der klaren Linie der Palliativmedizin.

Ganzheitliche Pflege und Pflegeleitbild

Ausgangspunkt des palliativen Pflegekonzeptes ist die Erkenntnis, dass Patienten, bei denen eine Heilung ausgeschlossen ist, eine Verschiebung in ihren Prioritäten, Bedürfnissen und Werten erfahren. Die Gewissheit, dass die Lebenserwartung begrenzt ist und die Angst vor dem Sterben sowie eine zunehmende Abhängigkeit von anderen, führen in vielen Fällen dazu, dass die Krankheitssymptome wesentlich ausgeprägter vom Patienten wahrgenommen werden. Die palliative Pflege versucht, die Lebensqualität der Menschen zu erhalten und wenn möglich zu verbessern. Dabei orientiert sich die Pflege an den jeweiligen Bedürfnissen und Krankheitssymptomen des Patienten. Die Individualität des Einzelnen, Flexibilität sowie Kommunikation und Transparenz sind die Grundvoraussetzungen, um dem palliativen Konzept gerecht zu werden.
    Das Pflegeverständnis der Palliativstation basiert auf dem Pflegeleitbild des Marienhospitals, das Sie auf dieser Seite (siehe rechte Box) einsehen können.

Zum Herunterladen

Broschüre: Von der Kostbarkeit des Lebens

Ausführliche Informationen rund um die Palliativmedizin am Marienhospital können Sie hier einsehen (PDF-Datei, 1,6 MB).

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