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Diagnostik im Detail

Der Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie ist hauptsächlich in folgenden Bereichen tätig: 1. Ultraschalluntersuchungen, 2. endoskopische Untersuchungen, 3. Funktionsdiagnostik

Ultraschalluntersuchungen

Sonografie

In der Gastroenterologie hat die so genannte Abdomen-Sonografie, also die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, große Bedeutung. Mit ihr lassen sich Organe wie Leber, Gallenwege, Gallenblase, Darm, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Milz, Bauchschlagader, Blase, Prostata und Gebärmutter sowie andere Gewebestrukturen sehr genau untersuchen. Dadurch können zum Beispiel Erkrankungen wie Gallensteine, Zysten oder Tumoren entdeckt und das Krankheitsstadium erfasst werden.
    Unsere Abteilung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) als qualifizierte Weiterbildungsstätte zertifiziert.

Doppler- und Duplexsonografie

In der Doppler- und Duplexsonografie werden die Blutgefäße untersucht. So lässt sich feststellen, ob bestimmte Organe noch ausreichend durchblutet werden: etwa die Leber bei einem Zirrhose-Patienten oder der Darm. Außerdem können Thrombosen der Bein- und Armvenen fest­gestellt werden.

Feinnadelpunktion

Bei einer Sonografie lassen sich Gewebeproben von bestimmten Organen entnehmen. Zum einen können diffuse Gewebeveränderungen, beispielsweise der Leber („Leberblindpunktion“), untersucht werden, zum anderen ist es möglich, gezielt einzelne Herde in bestimmten Organen zu punktieren („gezielte Feinnadelpunktion“). So erhält der Arzt auf einfachem und schnellem Weg Gewebe zur Diagnosesicherung. Dies hat oft für die Therapie entscheidende Konsequenzen. 
    Darüber hinaus können auch gezielt Ableitungen, medizinisch Drainagen genannt, unter Ultraschallkontrolle angelegt werden, um zum Beispiel Eiter aus dem Bauchraum eines Patienten zu entfernen. Auf diese Weise kann manchmal dem Betreffenden eine aufwendige Operation mit Vollnarkose erspart werden.

Kontrastmittelsonografie

Kontrastmittel bei Ultraschalluntersuchungen helfen dem Arzt, krankhafte Veränderungen der Niere, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Blutgefäße im Ultraschall weiter zu unterscheiden. 

Endoskopische Untersuchungen

Magenspiegelung (Gastroskopie)

Zur Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm wird ein biegsames optisches Instrument, Gastroskop genannt, über die Mundhöhle in die Speiseröhre vorgeschoben und dann der gesamte obere Magen-Darm-Trakt untersucht. Hierbei können Tumoren erkannt und Gewebeproben gewonnen werden. Blutungen lassen sich stoppen; Polypen und frühe Magenkarzinome können abgetragen werden. Bei Engstellungen aufgrund von Entzündungen oder Tumoren können diese aufgeweitet (Dilatation oder Bougierung) oder mit so genannten Metallstents versorgt werden.

Endosonografie mit endosonografischen Punktionen

Wie bei der Magenspiegelung wird ein Instrument in den Magen bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben, das zusätzlich mit einem Ultraschallkopf ausgestattet ist. Mit dessen Hilfe können die Speiseröhren- und Magenwände sowie umliegende Strukturen – wie Bauchspeicheldrüse, Gallengänge und Lymphknoten – dargestellt werden. Kleine Tumoren oder Lymphknoten lassen sich so besser erkennen und eventuell mit einer Feinnadel punktieren. Das ist vor allem für die Operations- und Therapieplanung wichtig.

Dickdarmspiegelung (Koloskopie)

Zur Spiegelung des Dickdarms und des unteren Dünndarms wird ein biegsames optisches Instrument, Koloskop genannt, über den After eingeführt und anschließend der gesamte Dickdarm und untere Dünndarmabschnitt sorgfältig untersucht. Zeigen sich Schleimhautveränderungen wie Geschwüre oder Tumoren, können auch Gewebeproben aus diesen Bereichen entnommen werden. Polypen werden üblicherweise mit einer elektrischen Schlinge sofort entfernt (Polypektomie).

ERCP (= Endoskopisch Retrograde Cholangio-Pankreatografie)

Bei der ERCP handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung der Gallengänge und des Bauchspeicheldrüsengangs. Dazu wird ein biegsames optisches Instrument, Duo­denoskop genannt, in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Dort mündet der Einführungsgang für die Gallenwege und den Bauchspeicheldrüsengang auf einer kleinen warzenförmigen Erhebung (Papilla vateri). Gegebenenfalls wird ein kleiner Schnitt mit dem elektrischen Messer an der Papille vorgenommen, um Steine, die sich in einem Gallengang gesammelt haben, heraus­zuholen. Bei Tumoren oder entzündlichen Engstellen kann aufgedehnt (Dilatation oder Bougierung) und dann ein Metall- oder Plastikstent eingelegt werden.

Telemetrische Kapselendoskopie des Dünn-/Dickdarms

Mittels dieser Methode lässt sich der gesamte Dünndarm einsehen. Der Patient muss dafür eine ca. 2 cm lange Kapsel schlucken, die über mehrere Stunden durch den Magen und Dünndarm bis in den Dickdarm wandert. Dabei werden bis zu 60.000 Bilder vom Darminneren aufgenommen und vom Arzt ausgewertet. Am Folgetag wird sie in der Regel auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden.

Single-Ballon-Endoskopie

Mithilfe eines so genannten Single-Ballon-Enteroskops ist es möglich, auch ohne Operation im Idealfall den gesamten Dünndarm endoskopisch zu untersuchen. Somit können auch im Dünndarm endoskopische Eingriffe wie Probeentnahmen, Blutstillung und Abtragung von Polypen vorgenommen werden.

Funktionsdiagnostik: Langzeit-Säuremessung

Die Langzeit-Säuremessung (Langzeit-ph-Metrie) des Ösophagus erfasst den Rückfluss von säurehaltigem Mageninhalt in die Speiseröhre und liefert somit den direkten und quantitativen Nachweis einer gastroösophagealen Refluxkrankheit. Bei der Langzeit-ph-Metrie des Magens hingegen wird die Säureproduktion im Magen direkt und quantitativ bestimmt.
    In beiden Fällen muss der Arzt dazu eine dünne Messsonde mit einem Außendurchmesser von etwa eineinhalb Millimetern über ein Nasenloch in die Speiseröhre bzw. in den Magen des Patienten vorschieben. Sitzt die Sonde korrekt, wird sie mit einem Klebestreifen an Nase und Wange fixiert und für 24 Stunden dort belassen. Das Messgerät ist an einen kleinen Computer angeschlossen, den der Patient mit sich trägt. Ferner muss der Betreffende für diesen Zeitraum verschiedene Angaben machen und sie zusammen mit der Uhrzeit in ein Dokumentationsprotokoll eintragen: Zum Beispiel muss er festhalten, wann er etwas gegessen und getrunken hat, ob er schmerzfrei war, wann er sich hingelegt oder geschlafen hat, wann er wieder aufgestanden ist, ob und welche Medikamente er eingenommen hat. Die Untersuchung kann stationär und ambulant vorgenommen werden. Nach Abschluss der Untersuchung wird die Sonde wieder aus der Nase entfernt; die gespeicherten Daten auf dem Computer werden gelesen und ausgewertet.
    Mindestens 48 Stunden vor einer Langzeit-Säuremessung ist der Patient dazu angehalten, Medikamente wegzulassen, die die Magensäure beeinflussen. Protonenpumpeninhibitoren sollten sogar mindestens 72 Stunden vor Beginn der Untersuchung nicht mehr eingenommen werden. Dasselbe gilt für Medikamente, die die Darmbewegung beeinflussen wie Prokinetika, Calciumantagonisten, Neuroleptika, Antidepressiva oder beta-Blocker. Nur wenn der Erfolg einer säureunterdrückenden Therapie überprüft werden soll, sind die Arnzneimittel wie bislang einzunehmen.

Die Langzeit-ph-Metrie wird durchgeführt:
  • vor allem bei Refluxkrankheit ohne Entzündung der Speiseröhre;
  • zur Therapiekontrolle bei Refluxösophagitis, die auf bisherige Behandlung nicht anspricht;
  • bei Entzündung der Speiseröhre vor geplanter Anti-Reflux-Operation;
  • bei Beschwerden nach Anti-Reflux-Operation;
  • zur Klärung von nicht-kardialen Schmerzen im Brustraum;
  • vor allem bei Erkrankungen der Lunge und Bronchien, die mit einem Reflux einhergehen;
  • bei wieder auftretender Kehlkopfentzündung und Heiserkeit;
  • vor allem, wenn der Magen zu wenig oder zu viel Säure herstellt (Hypo- oder Hyperazidität);
  • bei Geschwüren im Magen oder Zwölffingerdarm, die auf eine Behandlung nicht ansprechen.

Funktionsdiagnostik: Ösophagus-Manometrie

Bei der Ösophagus-Manometrie wird der Druck in der Speiseröhre gemessen. Dadurch lassen sich Funktionsstörungen des unteren Schließmuskels der Speiseröhre und Störungen des Bewegungsablaufs der Speiseröhre selbst erkennen. Außerdem wird die Untersuchung eingesetzt, um den Verlauf einer bestehenden Speiseröhrenerkrankung und deren Behandlungserfolg zu kontrollieren.
    Für die Druckmessung muss der Patient nüchtern sein. Über die Nase wird ihm ein zwei bis drei Millimeter dicker Plastikkatheter bis in den Magen eingeführt. Anschließend wird der dünne Schlauch vorsichtig zentimeterweise zurückgezogen. Der Patient erhält dabei immer wieder einen Schluck Wasser zum Trinken. Auf diese Weise lässt sich die Bewegung der Speiseröhre und der Schluckakt messen. Die Untersuchung dauert etwa 30 Minuten.

Wann wird die Ösophagus-Manometrie vorgenommen?
  • zur Klärung unklarer Schluckstörungen (Dysphagie);
  • bei primären Störungen im Bewegungsablauf der Speiseröhre (Achalasie, diffuser Ösophagusspasmus, Nussknacker-Ösophagus);
  • bei sekundären Störungen im Bewegungsablauf der Speiseröhre (sek. Ösophagus-Motilitätsstörungen, zum Beispiel bei systemischen Erkrankungen wie der Sklerodermie);
  • bei Refluxösophagitis vor geplanter Anti-Reflux-Operation und als Verlaufskontrolle nach dem operativen Eingriff;
  • zur Klärung nicht-kardialer Schmerzen im Brustraum.

Funktionsdiagnostik: Laktose-Wasserstoff-Atemtest

Milchzucker oder Laktose wird bei Gesunden im Dünndarm durch das Enzym Laktase in die Einfachzucker Glukose, also Traubenzucker, und Galaktose gespalten und bei der Dünndarmpassage vollständig resorbiert.
    Bei verschiedenen Erkrankungen kann es zur Schädigung des Bürstensaum­epithels im Dünndarm kommen, in dem das Enzym Laktase sitzt. Dadurch wird der Milchzucker nicht mehr gespalten, sondern weiter in den Dickdarm transportiert. Dort bauen ihn Darmbakterien ab. Als Nebenprodukt entsteht dabei molekularer Wasserstoff (H2), der durch die Darmwand ins Blut diffundiert und mit dem Blutstrom bis in die Lungen gelangt, wo er dann abgeatmet wird.
    Bei Patienten, die unter einer schlechten Laktoseaufnahme leiden, kommt es deshalb nach der Gabe von Milchzucker zu einem messbaren Anstieg der H2-Konzentration in der Ausatemluft. H2-Atemtests sollten nicht innerhalb von vier Wochen nach einer Antibiotikatherapie oder nach Untersuchungen durchgeführt werden, die mit einer Darmspülung einhergehen (zum Beispiel Dickdarmspiegelung).

Wie wird die Untersuchung durchgeführt?

Am Tag vor der Untersuchung gelten für den Patienten folgende Vorgaben:
  • keine kohlenhydratreichen Speisen mehr zu sich nehmen;
  • sich möglichst ballaststofffrei ernähren;
  • ab dem späten Nachmittag nichts mehr essen und nicht mehr rauchen;
  • ab 22.00 Uhr nichts mehr trinken.

Am Untersuchungstag selber wird zuerst der Ausgangswert in der Ausatemluft des Patienten ermittelt. Danach erhält dieser eine Testzuckerlösung zum Trinken. Beim Laktosetest sind es 200 ml einer Laktoselösung. Anschließend wird alle 15 Minuten eine Ausatemprobe entnommen, um die H2-Konzentration zu bestimmen. Die Gesamtdauer der Untersuchung beträgt etwa drei Stunden.
    In gleicher Weise – nur mit anderen Testzuckern wie Glukose, Fruktose und Laktulose – werden die anderen Atemtests durchgeführt.

Funktionsdiagnostik: Kolontransitzeit-Bestimmung

Die Kolontransitzeitbestimmung (KTZ) ist eine Methode, um die Dickdarmpassagezeit zu messen. Der Patient nimmt über eine Woche hinweg täglich zwei röntgendichte Gelatinekapseln ein. Die Kapseln wandern über mehrere Tage durch den Magen und Dünndarm bis in den Dickdarm. Im Laufe dieser Zeit lösen sie sich allmählich auf; dabei werden mehrere kleinere Markerkapseln freigesetzt.
    Am Ende der Einnahmewoche wird ein Röntgenbild des Bauchraums (Abdomen) erstellt. Mithilfe dieses Bildes lässt sich feststellen, ob die Markerkapseln bereits ausgeschieden wurden oder sich an einer bestimmten Stelle des Darmes ansammeln. Eine Ansammlung der Kapseln weist auf eine Erkrankung des Darmes hin.
    Durch eine KTZ können verschiedene Formen von Darmausscheidungs­störungen, etwa chronische Verstopfung, diagnostiziert werden.

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