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Chemo- und Antikörpertherapie

Chemotherapie

Unter Chemotherapie versteht man die Behandlung bösartiger Tumoren mit Medikamenten. Im gynäkologischen Bereich wird die Chemotherapie vor allem in der Nachbehandlung von Brustkrebs und Eierstockkrebs angewandt (adjuvante Chemotherapie). Auch beim fortgeschrittenen Gebärmutterkrebs sowie bei seltenen Tumoren des Unterleibs der Frau kann eine Chemotherapie zum Einsatz kommen. Wird sie vor einer Operation durchgeführt, spricht man von einer neoadjuvanten Chemotherapie.
    Eine Chemotherapie ist bei einer bösartigen Erkrankung immer dann sinnvoll, wenn die Gefahr besteht, dass einzelne Zellen aus dem Tumor ausgewandert sind und sich über das Blut und die Lymphbahnen im Körper verteilt haben, wo sie eventuell Tochtergeschwülste – sogenannte Metastasen – bilden. Dies kann im Einzelfall erst nach mehreren Jahrzehnten der Fall sein. Da es nicht möglich ist, einzelne ausgewanderte Tumorzellen oder Zellnester im Körper aufzuspüren und zu entfernen, muss zur Bekämpfung dieser Zellen eine Therapie eingesetzt werden, die den gesamten Körper erreicht und an jedem beliebigen Ort im menschlichen Organismus auf Tumorzellen wirkt. Dies lässt sich am ehesten mit einer medikamentösen Therapie (= Chemotherapie) erreichen.
    Die zugeführten Medikamente verteilen sich über die Blutbahn im ganzen Körper. Dort treffen sie dann auf eventuell verschleppte Krebszellen und bringen sie zum Absterben – entweder indem sie ihre Zellteilung und damit Vermehrung unterbinden oder sie irreparabel schädigen.
    Am effektivsten ist die Chemotherapie, wenn sie zu einem Zeitpunkt eingesetzt wird, wo nur so wenige Tumorzellen im Körper vorhanden sind, dass sie mit den medizinischen Untersuchungsmethoden nicht nachweisbar sind. Daher wird die Chemotherapie bei Tumoren mit einem erhöhtem Streuungsrisiko oft auf Verdacht eingesetzt, obwohl der Tumor vollständig operativ entfernt wurde und keine bösartigen Zellen im Körper mehr nachzuweisen sind.

Antikörpertherapie

Antikörper sind Eiweißmoleküle, die in der menschlichen Immunabwehr eine wichtige Rolle spielen. Sie erkennen körperfremde und gegebenenfalls auch geschädigte körpereigene Strukturen als sogenannte Antigene. Sie heften sich an ihnen fest und markieren sie, sodass andere Bestandteile der Immunabwehr diese markierten Strukturen abbauen können.
    Zur Krebstherapie werden heute überwiegend künstliche, im Labor hergestellte Antikörper verwendet. Sie lassen sich in immer gleicher Qualität erzeugen, sozusagen „baugleich“, und können gezielt auf die Erkennung eines Merkmals hin produziert werden (monoklonale Antikörper). Vorteil: Ihre Wirkung auf Krebszellen ist zielgerichteter als bei einer Chemotherapie, das heißt, es werden kaum „gesunde“ Zellen angegriffen, und die Nebenwirkungen sind häufig geringer.
    Bei Krebspatienten kommen sie zum Einsatz, um gezielt wichtige Stoffwechselsignale zu blockieren, die für das Wachstum von Krebszellen entscheidend sind. Bekannte Antikörper in der Brustkrebstherapie sind beispielsweise Trastuzumab und Bevacizumab. Letzteres wird in Kombination mit einer Chemotherapie per Infusion verabreicht.

Zusatzqualifikation „Gynäkologische Onkologie“

In Deutschland wird die Chemo- und Antikörpertherapie in der Frauenheilkunde von speziell ausgebildeten Gynäkologen durchgeführt. Diese verfügen über eine dreijährige Zusatzausbildung, die zur Führung des Titels „Gynäkologische Onkologie“ berechtigt.

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