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Bösartige Geschwulstbildungen an der Speiseröhre

Divertikelerkrankung

Divertikel sind typischerweise säckchenförmige Ausstülpungen der Schleimhaut; sie entstehen durch Schwachstellen in der Wandmuskulatur der Speiseröhre. Gewöhnlich bilden sie sich im Halsbereich, und zwar am Übergang vom Schlund zur Speiseröhrenmuskulatur und heißen dann "Zenker'sches Pulsionsdivertikel". Die Ausstülpungen können angeboren sein oder sich erst im späteren Alter ausbilden.
    Menschen, die unter der Divertikelerkrankung leiden, klagen häufig über ein Druckgefühl im Hals oder in der Brust nach dem Essen; oft fließt der Nahrungsbrei aus der Speiseröhre in den Mund zurück: Der Patient "regurgitiert". Manchmal verläuft die Krankheit auch symptomlos.
    Für die Diagnose muss der Patient zunächst ein Kontastmittel zu sich nehmen. Anschließend wird die Speiseröhre geröntgt; mithilfe des technischen Verfahrens lässt sich die erkrankte Zone sichtbar machen.
    Ist eine Operation notwendig, entfernt der Chirurg das Divertikel, indem er es über einen Schnitt an der linken Halsseite abträgt. Im Fall des Zenker'schen Pulsionsdivertikels muss er dabei besonders auf die Schilddrüse und den linken Stimmbandnerven achten. Die Prognose bei dieser Erkrankung ist im Allgemeinen gut.

Bösartige Tumoren der Speiseröhre

Der Speiseröhrenkrebs – in der Fachsprache Ösophaguskarzinom genannt – entwickelt sich vor allem aus der Schleimhaut, die das Innere des Organs auskleidet. Etwa 90 Prozent der Tumoren sind so genannte Plattenepithelkarzinome; diese sehen unter dem Mikroskop ähnlich wie Hautgewebe aus. Rund 7 Prozent der Tumoren entwickeln sich aus "versprengten" drüsigen Zellverbänden und werden als Adenokarzinome bezeichnet.
    Die Diagnose stellt der Arzt, indem er eine Speiseröhrenspiegelung durchführt und Gewebeproben entnimmt. Um das Stadium der Krebserkrankung festzustellen, sind weitere Untersuchungen notwendig. Da die Speiseröhre sehr dehnbar ist, treten Symptome wie Schluckbeschwerden und Gewichtsabnahme erst auf, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist.
    Die Therapie der Wahl ist es, den Speiseröhrenkrebs vollständig zu entfernen – einschließlich des anhängenden Lymphabflussgebiets. Dazu muss eine der größten Operationen durchgeführt werden, die in der Chirurgie möglich sind. Zunächst öffnet der Chirurg den Bauchraum und bildet aus Magenanteilen einen langen Schlauch. Dieser wird dann in den Brustkorb verlagert, um den Speiseweg wiederherzustellen.

Die operativen Schritte im Detail

Bauchraum:
  1. Der Chirurg entfernt Anteile des Mageneingangs und Teile der sogenannten kleinen Magenbiegung; dabei werden Lymphbahnen und -knoten, die diesen Bereich versorgen, mit entnommen.
  2. An der großen Magenbiegung muss die Blutversorgung geschont werden.
  3. Den aus Magenanteilen gebildeten Schlauch näht der Chirurg an das untere Speiseröhrenende provisorisch an und verschließt den Bauchraum.
Brustraum:
  1. Anschließend wird der Patient auf die Seite gelagert und sein Brustraum geöffnet.
  2. Indem man die beiden Lungenflügel über einen speziellen Beatmungsschlauch während der Narkose seitengetrennt beatmet, kann man die rechte Lunge vorübergehend ausschalten. Der Chirurg erhält dadurch Platz, um die Speiseröhre mit Tumor und Lymphbahnen aus dem Brustkorb zu entfernen.
  3. Danach wird der Magenschlauch, der am unteren Ende der Speiseröhre provisorisch befestigt war, in den Brustkorb verlagert. Der Chirurg verbindet nun diesen mit dem abgesetzten Speiseröhrenende – in der Regel im oberen Drittel oder Halsbereich: Er näht mit Nadel und Faden eine sogenannte Anastomose.
  4. Nachdem der Brustkorb wieder verschlossen ist, wird die rechte Lunge wieder beatmet.

Ergänzend kann der Patient vor oder nach der Operation bestrahlt werden oder er erhält eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Die Prognose hängt stark vom Stadium des Tumors ab.

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