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Bösartige Geschwulstbildungen an der Schilddrüse

Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs. Sie wiegt zwischen 25 bis 30 Gramm und besteht aus zwei Seitenlappen, die über einen Mittellappen miteinander verbunden sind. Bösartige Tumorerkrankungen des Organs, Schilddrüsenkarzinom genannt, sind relativ selten. Frauen sind bis zu viermal häufiger betroffen als Männer; oft tritt der Krebs schon im jüngeren Alter auf.
    Das Risiko, dass ein Schilddrüsenkarzinom entsteht, ist in Gebieten mit Jodmangel um das 2,3-fache erhöht. Die Schilddrüse reagiert außerdem sehr empfindlich auf ionisierende Strahlung, vor allem bei Menschen unter 20 Jahren. Neben diesen äußeren Faktoren spielen auch genetische Faktoren eine Rolle.
    In einigen Fällen kann der Arzt bei der Untersuchung einen Knoten in der Schilddrüse ertasten. Durch eine Szintigrafie, beispielsweise mit radioaktivem Jod, lässt sich feststellen, ob es sich dabei um einen so genannten "heißen" oder einen "kalten" Knoten handelt. In ersterem werden vermehrt Schilddrüsenhormone produziert und damit viel Jod ablagert. Sie gelten als gutartig. Bei "kalten" Knoten indessen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bösartig sind.
    Schilddrüsenkarzinome lassen sich anhand des zugrundeliegenden Zelltyps unterscheiden. Von den insgesamt vier Tumorarten sind zwei besonders häufig: das papilläre und das follikuläre Schilddrüsenkarzinom. Beide gehören dem differenzierten Zelltyp an, das heißt, die Krebszellen ähneln weitgehend dem normalen Schilddrüsengewebe.

Das Therapieverfahren bei papillärem und follikulärem Schilddrüsenkarzinom ist:
  1. Die Schilddrüse und die unmittelbar benachbarten Lymphknoten werden vollständig entfernt. Enthalten diese Metastasen, muss der Chirurg auf der befallenen Halsseite alle Lymphknoten beseitigen (Neck dissection).
  2. Nach etwa sechs Wochen wird eine "Radio-Jod-Behandlung" durchgeführt. Bei der Therapie erhält der Patient radioaktives Jod-131, das mit einer Halbwertszeit von rund acht Tagen und einer maximalen Reichweite von ca. 2 mm in Weichteilgewebe strahlt. Um eine maximale Jodaufnahme zu gewährleisten, darf der Betreffende bis zu diesem Zeitpunkt keine jod- und schilddrüsenhormonhaltigen Medikamente einnehmen.

Aufgrund des kombinierten Therapieverfahrens ist die Prognose für beide Krebsformen sehr gut.

Typische Komplikationen bei einer Schilddrüsenentfernung sind:
  • Verletzung des Stimmbandnerven und damit einhergehend eine anhaltende Heiserkeit der Stimme;
  • Neuromonitoring: Seit 2003 wird diese Methode routinemäßig bei Schilddrüsenoperationen eingesetzt. Durch die Ableitung elektrischer Ströme entlang seiner Nervenfasern lässt sich der Stimmbandnerv besser identifizieren; er kann dadurch während der Operation sicherer geschützt werden;
  • Nachblutung;
  • Krampfbereitschaft durch Steigern der neuromuskulären Erregbarkeit (Tetanie). Dieser Zustand wird durch einen Mangel an Parathormon hervorgerufen, eine Substanz, die in den Nebenschilddrüsen hergestellt wird und die den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel reguliert. Die Nebenschilddrüsen werden manchmal bei der Operation versehentlich mit entfernt;
  • Lähmung des Stimmbandnerven (Recurrensparese). Im internationalen Vergleich liegt unsere Abteilung bei der anhaltenden symptomatischen einseitigen Parese mit einer Rate von 1 bis 2 Prozent sehr niedrig.
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