Schrift     Kontrast   Drucken   Schließen  

Gallenblasenentfernung mittels Notes-Verfahren

Der Begriff NOTES wurde von einer Arbeitsgruppe aus Chirurgen und Gastroenterologen im Jahr 2006 geprägt, nachdem 2004 der amerikanische Mediziner Prof. Anthony Kalloo von der John Hopkins University in Baltimore – Pionier der NOTES-Methode – die erste durch die Magenwand durchgeführte Bauchspiegelung beschrieben hatte.
    Seit 2008 besteht in Deutschland ein eigenes NOTES-Register, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) geführt wird. NOTES-Eingriffe, die Krankenhäuser vornehmen, werden dort gemeldet und registriert. Der bislang am häufigsten durchgeführte NOTES-Eingriff ist die Gallenblasenentfernung über die Scheide (transvaginale Cholezystektomie); mehr als 300 Eingriffe dieser Art sind bisher im NOTES-Register eingegangen.
    Auch das Marienhospital bietet seit Anfang 2009 diesen Eingriff an. Die transvaginale Cholezystektomie ist der häufigste NOTES-Eingriff; andere viszeralchirurgische Eingriffe mittels der NOTES-Methode – etwa an Magen, Darm oder Bauchspeicheldrüse – befinden sich noch im Experimentalstadium.

Operative Vorgehensweise im Detail

Das Entfernen der Gallenblase mittels NOTES-Verfahren wird in Vollnarkose und Rückenlage vorgenommen. Wie bei der gewöhnlichen minimal-invasiv durchgeführten Gallenblasenentfernung (laparoskopische Cholzystektomie) legt der Chirurg zunächst das sogenannte Pneumoperitoneum über einen winzigen Schnitt am Nabel an. Hierbei wird über eine Spezialnadel (Veres-Nadel) Kohlendioxid-Gas in die Bauchhöhle eingegeben, um den nötigen Raum für die Operation zu schaffen.
    Anschließend wird eine mit einer Kamera verbundene Optik in den Bauchraum eingeführt. Das Operationsbild erscheint nun auf dem Videomonitor und ist so für das ganze OP-Team sichtbar. Beim Rundumblick im OP-Gebiet wird geklärt, ob der Gallenblasenbefund für das transvaginale Verfahren geeignet ist und der Unterbauch (z. B. nach Voroperationen) verwachsungsfrei ist.
    Manchmal muss im rechten Oberbauch ein weiteres chirurgisches Instrument (Trokar mit Innendurchmesser von 3 mm) für eine dünne Hilfsfasszange eingebracht werden, um die Gallenblase zu identifizieren.
    In Kopftieflagerung wird dann das innere weibliche Genitalorgan auf den operativen Eingriff vorbereitet, indem zunächst die Gebärmutter durch Einführen einer Uterussonde aufgestellt wird. Dadurch wird das hintere Scheidengewölbe sichtbar.
    Durch die Scheide hindurch führt dann der Chirurg unter Sicht der Kamera am Nabel einen Trokar (Hülse mit Dichtungsmechanismus, in der die Optik steckt) durch das hintere Scheidengewölbe in den Bauchraum ein, ebenso daneben eine weitere überlange Fasszange. Die zunächst am Nabel platzierte Optik wird nun über den Scheidentrokar eingebracht und erlaubt so die Sicht in den Oberbauch.
    Über die Fasszange in der Scheide und im Oberbauch wird die Bewegung der Gallenblase manipuliert. Durch einen am Nabel eingeführten Elektrohaken wird die Gallenblase analog zur normalen laparoskopischen Gallenblasenentfernung freipräpariert und am Ende der Operation unter Sicht der Kamera über die Scheide geborgen. Die Scheide wird nach der Bergung der Gallenblase mittels einer Naht wieder verschlossen. Als letztes werden die Trokare am Nabel und Oberbauch entfernt.

© Marienhospital Stuttgart 2018. Alle Rechte vorbehalten | Home | Suchen | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss | Sitemap