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Operation von Leistenbrüchen

Bei Männern treten Leistenbrüche 13-mal häufiger auf als bei Frauen. Dies ist anatomisch bedingt: Während der Embryonalentwicklung des Mannes wandert der Hoden, der zunächst in der Bauchhöhle liegt, durch die vordere Bauchwand in den Hodensack. Er zieht dabei den Samenstrang (Gefäße, Samenleiter, Nerven und einen Muskel) hinter sich her. Der Samenstrang durchzieht schräg die Bauchdecke. Bauchmuskeln und Faszien bilden zusammen den Leistenkanal.

Im Lauf des Lebens kann sich der Leistenkanal erweitern und so zu einer Schwachstelle in der Bauchwanddecke werden:
  1. Indirekter Leistenbruch:
    Hier stülpt sich das Bauchfell mit seinem Inhalt, zum Beispiel dem Darm, in den vorgeformten und erweiterten Leistenkanal aus. Samenstrang und Bruch liegen unmittelbar aneinander.
  2. Direkter Leistenbruch:
    Hier durchdringt der Bruch die Bauchwand direkt am Ausgang des Leistenkanals, ohne einen Umweg über den Leistenkanal zu machen
  3. Schenkelbruch:
    Dieser Bruch benutzt den sogenannten Schenkelkanal, also die Stelle, an der Arterien und Venen aus dem Becken in den Oberschenkel eintreten.

Jeder Leistenbruch sollte operiert werden, denn bei jedem Leistenbruch besteht prinzipiell die Gefahr, dass der Darm eingeklemmt wird. Dies kann einen Darmverschluss zur Folge haben, oder es besteht die Gefahr, dass eingeklemmte Darmteile zu wenig durchblutet werden und absterben.
    Bereitet der Leistenbruch wenig Beschwerden und es ist nichts eingeklemmt, kann eine Operation zu einem Termin Ihrer Wahl geplant durchgeführt werden. Geht ein Leistenbruch mit starken Beschwerden einher, sollte zeitnah innerhalb einiger Tage operiert werden. Lässt sich ein Leistenbruch mit Einklemmung nicht zurückdrücken, muss der Patient als Notfall innerhalb weniger Stunden operiert werden.
    Pro Jahr werden in Deutschland circa 230 000 Leistenbruchoperationen durchgeführt. Leistenbrüche können entweder laparaskopisch durch die Bauchhöhle oder offen mit einem Schnitt in der Leiste operiert werden.

Laparaskopisches Verfahren (per „Schlüssellochchirurgie“ )

Bei diesem Verfahren wird der Leistenbruch bei einer Bauchspiegelung durch das Einlegen eines Kunststoffnetzes zwischen Bauchfell und Bauchwand verschlossen (die sogenannte TAPP-Technik).
    Die Bauchhöhle wird durch einen rund 1 cm großen Schnitt in der Nabelgrube mit Kohlendioxidgas aufgeblasen und eine stabförmige Kamera eingebracht. Auf einem Fernsehmonitor sieht der Operateur die Bruchlücken der Leistenregion von innen. Über zwei weitere 1 cm und 0,5 cm große Hautschnitte werden lange Instrumente (z. B. Pinzetten, Scheren, Ultraschallskalpell) in die Bauchhöhle eingeführt. Das Bauchfell wird über der Bruchpforte eingeschnitten und mitsamt seinem Bruchsack soweit von dem Bruchbereich abpräpariert.
    Danach wird ein 10 x 15 cm großes Kunststoffnetz (Polypropylen) eingebracht, das die Bruchpforte deutlich überlappt. Das zwischen Bauchfell und Bauchwand gelegene Netz überdeckt alle Schwachstellen der Leistenregion. Das Bauchfell wird durch eine Naht verschlossen, um jeglichen Kontakt des Fremdmaterials mit Darmschlingen zu verhindern.
Doppelseitige Leistenbrüche können problemlos in einer Operation versorgt werden; die übrigen Bauchorgane lassen sich gleichzeitig inspizieren.
    Vorteile dieses Verfahrens ist, dass der Patient relativ früh wieder belasten kann. Schreibtischtätigkeiten sind bereits am zweiten Tag nach der Operation möglich, sportliche Aktivitäten nach 10 Tagen.

Offenes Verfahren (konventionelle Methode) 

Das offene Verfahren wird vor allem angewendet, wenn bei sehr jungen Patienten kein Kunstoffnetz implantiert werden soll, aufgrund von Vorerkrankungen eine Vollnarkose nicht möglich ist oder wenn es ausgedehnte Voroperationen gibt.
    Als erstes erfolgt ein querer Hautschnitt in der Leiste. Der Leistenbruch muss zunächst präpariert werden, danach wird er eröffnet und der Inhalt (Darmschlingen oder Bauchfett) in die Bauchhöhle zurückgedrängt. Die Bruchlücke wird dann verschlossen und eventuell zusätzlich mit einem Kunststoffnetz verstärkt. Die verwendeten Netze sind sehr gut verträglich; nur in seltenen Fällen tritt ein Fremdkörpergefühl auf.
    Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Patient keine Vollnarkose benötigt, sondern in rückenmarksnaher (spinaler) oder lokaler Betäubung operiert werden kann. Dafür muss er sich länger – etwa vier bis sechs Wochen – schonen. Außerdem lassen sich beidseitige Brüche nicht gleichzeitig operieren.

 

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