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Operation von Bauchwandbrüchen

Ein Bruch, medizinisch Hernie genannt, ist eine Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchwand. Das Bauchfell kleidet die Bauchhöhle aus. Bei einem Bruch erscheint an der Bauchdecke eine Vorwölbung, die meist schmerzfrei ist, sich häufig zurückdrücken lässt und im Liegen oft verschwindet.
    Die Bauchwand besteht aus mehreren Schichten von Faszien (bindegewebigen Hüllen um Muskeln) und hat vorgeformte Lücken. Im Leistenkanal etwa, der die Bauchwand schräg durchbricht, verläuft bei Frauen das runde Mutterband, bei Männern der Samenstrang. An dieser Durchtrittsstelle entstehen besonders häufig Brüche. Aber auch nach Voroperationen kann es bei Heilungsproblemen zur Ausbildung von sogenannten Narbenbrüchen kommen.
    Narbenbrüche treten gehäuft nach chirurgischen Eingriffen auf, bei denen große Bauchschnitte im Bereich der Mittellinie erforderlich waren. Rund 10 Prozent der Patienten sind davon betroffen. Durch Druck auf die Bauchwand können in der Folge Lücken, Bruchpforten genannt, in der Narbe entstehen. Bei zu früher Belastung, bei chronischem Husten oder bei anderen Erkrankungen bilden sich diese Lücken begünstigt aus.
    Ist ein Bauchwandbruch entstanden, tritt der Bauch- bzw. Bruchinhalt unmittelbar unter die Haut. Dies kann je nach Lage der Dünn- oder Dickdarm, aber auch der Magen und in Einzelfällen die Blase oder die Eierstöcke sein.
    Ein Bauchwundbruch heilt von allein niemals aus, in der Regel wird er im Lauf des Lebens an Größe zunehmen. Zudem besteht das Risiko einer Einklemmung, die lebensbedrohlich sein kann. Daher sollten Brüche stets operiert werden. Je kleiner der Befund zum Operationszeitpunkt ist, desto einfacher und sicherer ist die Operation.
    Bauchwandbrüche treten häufig auf; rund 50.000 dieser Operationen werden in Deutschland jährlich durchgeführt.

Operation bei kleinen Brüchen

Bei einem kleinen Bruch mit einer Lücke unter 2 cm Durchmesser kann in der Regel ein einfaches Verfahren gewählt werden. Hier rafft und vernäht der Chirurg die Faszien, also die festen Bauchwandanteile. Es sollte sich allerdings nicht um einen Wiederholungsbruch handelt oder eine andere schwere Erkrankung bestehen.

Operation bei größeren Brüchen/Wiederholungsbrüchen

Bei größeren Brüchen, Wiederholungsbrüchen oder bei Grunderkrankungen wie chronischem Husten muss die Bauchdecke durch ein Kunststoffnetz verstärkt werden. Dabei kommen heutzutage sehr leichte, teilweise selbstauflösende Netze zum Einsatz, die nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden. Eine Abwehrreaktion des Körpers ist somit praktisch ausgeschlossen. Trotz ihrer geringen Dicke sind die Netze jedoch außerordentlich reißfest.

Die Verstärkung mit einem Netz kann auf verschiedene Arten erfolgen:
  • per „Schlüssellochchirurgie“ bzw. laparoskopisch
    Ist der Bruch nicht allzu groß, wird entweder ein Netz von innen an der Bauchdecke angebracht (IPOM, intraperitoneal onlay mesh) oder – wie bei der Leistenbruchchirurgie – zwischen Bauchfell und Muskulatur eingelegt (TAPP, transabdominal präperitoneal patch).
  • per offenem Verfahren (konventionelle Methode)
    Ist eine schlüssellochchirurgische Versorgung nicht möglich oder sinnvoll, wird das Netz entweder zwischen den Muskelschichten (Sublay) oder von außen auf der Muskulatur (Onlay) platziert. Die offenen Verfahren haben den Vorteil, dass hierbei die Bauchwandlücke wieder rekonstruiert wird, was bei laparoskopischen Verfahren nicht immer möglich ist. Auch lässt sich eine verbreiterte Narbenbildung kosmetisch korrigieren. 

Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Marienhospitals ist Referenzklinik für komplizierte Narben- und Wiederholungsbrüche. Regelmäßig bilden sich hier Chirurgen methodisch im Rahmen von Fortbildungen oder Hospitationen fort.

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